Weihnachts-Oase des Ehrenamts vor dem Nersinger Rathaus

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Die Flötenkinder von der Musikschule Nersingen spielten bei der offiziellen Eröffnung des Markts.  Foto: 

Jetzt weißt Du, wo Du mich die nächsten Tage nach der Arbeit antriffst“, raunt es am Glühweinstand. Warmes in flüssiger Form, „und dann noch eine Rote“ –  perfekt ist das kleine Glück am Feierabend. Der Nersinger Weihnachtsmarkt ist auch in seiner 23. Auflage die perfekte Oase in der kalten, dunklen Jahreszeit. Bei der Illumination wurde nochmals nachgerüstet, Ergebnis einer Ideenwerkstatt, welcher Bürgermeister Erich Winkler in seiner Eröffnungsansprache ein Sonderlob erteilte. Einziger Wermutstropfen: Auch dieser Weihnachtsmarkt kommt nicht mehr ohne Sicherheitskonzept aus. Winkler warb um Verständnis für einen am Eingang quergestellten Lieferwagen.

Das Buhlen um Kundschaft scheint mit einem kollegialen Wettstreit unter den lokalen Vereinen einher zu gehen, die einen Großteil der Küchenmannschaften stellen. Bei der Musiker-Jugend Nersingen-Fahlheim kommen so einmal mehr die Quarkspitzle zu neuen Ehren. Die Büttelzunft kredenzt Kässpätzle „mit am richtig gscheida Käss’“, rührt ihr Präsident Peter Schall die Werbetrommel. Die vielen Schichten für die Standbetreuung zu besetzen – ob das ein mühevolles Geschäft sei? „Bin Zwangsarbeiter“, beantwortet Wolfgang Boche, Grillmeister beim Stand des Musikvereins Fahlheim am Eröffnungsabend, diese Frage. Und lacht wie ein Schelm über beide Ohren. „Keinesfalls“, verneint auch Schall diese Frage. Es zögen alle an einem Strang.

Eine ähnliche Erfahrung machte Walter Müller. Er rief am Ort dazu auf, Raritäten für eine Spontanausstellung einzureichen. Jetzt steht er im Rathaus inmitten teils antiker, teils auch recht kurioser „Dachbodenfunde“ und kommt kaum noch mit dem Erläutern und Ausprobieren nach. Er blättert in Gesangsbüchern aus dem 18. Jahrhundert, bringt ein funktionsfähiges Grammophon in Schwung, erläutert den gesellschaftlichen Hintergrund der Dienstkutte einer Magd, die gleichzeitig die Zugehörigkeit zum Hof signalisierte als auch ihren untergeordneten Rang. 20 Leihgeber haben für dieses Kurzzeit-Museum der sentimentalen, sonderlichen oder verwelkten Dinge eingereicht, Kleinbügeleisen für Krägen, Chinoiserien, Modellautos und einen „Original Maschinen- und Motorendefektsucher“ inklusive.

Zurück auf dem Rathausplatz bleibt die Lust nach dem Entdecken von nützlichen und dekorierenden Dingen ebenfalls nicht unbefriedigt. Am Stand von Stefanie Stobbe und Bettina Meuler etwa, die Küchenschürzen, Nackenkissen oder Filzschuhe anbieten, alles speziell für Kinder, alles selbst gemacht. Zur Fraktion der emsigen Handarbeiterinnen zählen ebenfalls Theresa Huber und Andrea Kaufmann, deren Sortiment Anhängerle ebenso wie Puppenkleider oder Taschen umfasst. „Die Hände müssen in Bewegung sein“, verrät Huber, wie sie das alles neben dem Beruf denn so hinkriege. Außerdem sei sie fast das ganze Jahr über damit beschäftigt.

Drinnen in der warmen Gemeindehalle haben eine Reihe Kunst- und Geschmackshandwerker ihre Buden aufgeschlagen. Darunter Nelly Zeiher, die so euphorisch über ihre Angebote erzählt, als wäre sie gerade dem wunderbaren Film „Chocolat“ entstiegen. Die gelernte Konditorin mit französischen Wurzeln: „Ich mache nur, was mir schmeckt.“

„Kunst-Hobbydrechsler“ nennt sich Johann Wuchenauer ein paar Schritte weiter, der mit Schalen aus heimischen Hölzern brilliert. Nun, räumt er auf Nachfrage ein, seine Ausstattung mit Maschinen sei dann doch überdurchschnittlich.

Programm Der Markt ist am Freitag und Samstag von 15 bis 21.30 Uhr, am Sonntag von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Am heutigen Freitag, 19.30 Uhr, spielt die Bigband Nersingen auf. Samstag ist von 14 bis 19 Uhr Bastelnachmittag mit Malwettbewerb, ab 18 Uhr spielt der Musikverein Fahlheim. Puppenbühne „Sternenglanz“ und Jugendkapelle (17 Uhr) bestreiten das Programm am Sonntag.

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