Iller: Weg vom Kanal, hin zum Fluss

Die ersten Umbauten sind schon erledigt, nun gibt es Gesamtkonzept: Die Iller soll bis nach Ulm breiter werden, Seitenarme bekommen, durchlässiger werden.

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Unter anderem hier soll es losgehen mit dem auf zehn Jahre angelegten Projekt „Agile Iller“: Das Wehr bei Altenstadt, gut zu sehen von der Brücke an der Oberbalzheimer Straße aus, soll in eine Rampe umgebaut werden.  Foto: 

Seit 1996 arbeiten Bayern und Baden-Württemberg gemeinsam daran, der vor 150 Jahren begradigten und in ein Korsett gezwängten Iller wieder eine natürlichere Form zu geben: Der Fluss wird verbreitert, die Sole mit riesigen Steinen gesichert, Seitenarme, Kiesbänke und Mulden werden angelegt. So soll die Hochwassergefahr reduziert, der Grundwasserspiegel gestützt, neuer Lebensraum für Tiere geschaffen werden. Der letzte große Abschnitt im Landkreis Neu-Ulm war der Umbau von einem Flusskilometer bei Vöhringen für rund 3,5 Millionen Euro. Folgen soll die daran anschließende Strecke bis Senden. Nun haben die beiden Länder dieses Projekt in ein neues, mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattetes Programm integriert.

„Agile Iller“ heißt die Überschrift, unter welcher in den kommenden zehn Jahren der bei Oberstdorf entspringende Gebirgsfluss ökologisch aufgewertet werden soll. Das Programm umfasst 59 Bauvorhaben zwischen Aitrach westlich von Memmingen und Wiblingen. Die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg stellen dafür jeweils 35 Millionen Euro zur Verfügung. So sollen beispielsweise Auen entwickelt und bestehende Seitengewässer besser angebunden werden. Die Durchgängigkeit für Fische und andere Tiere soll verbessert werden. Indem Deiche vom Ufer abgerückt werden, soll die Iller wieder mehr Raum bekommen und stärker erlebbar werden.

Planungen fortgeschritten

Am weitesten fortgeschritten in der Planung ist das Projekt „13,6 bis 9,242“, wie der Experte sagt. Das ist in diesem Fall Gunther Wölfle vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Die beiden Zahlen markieren die den Bauabschnitt begrenzenden Flusskilometer: 13,6 bei Vöhringen und 9,242 am Ayer Wehr in Senden. Dazwischen sollen zwei jeweils rund 400 Meter lange, offene Deckwerke entstehen. Das eine dort, wo 2004 bereits eine solche Solesicherung eingebaut wurde, bei Kilometer 11, etwa auf Höhe des Golfclubs Ulm in der Wochenau. Das andere Deckwerk etwa einen Kilometer nördlich des 2014 beendeten Bauabschnittes bei Vöhringen. Deckwerke sind mit großen Steinen belegte Abschnitte. Damit soll verhindert werden, dass sich der Fluss weiter in sein Bett eingräbt. Zudem soll die Iller verbreitert werden, von derzeit 45 auf rund 60 Meter. Auch Ausleitungen sind vorgesehen, also konstante Rinnenstrukturen auf beiden Seiten des Flusses in die Auwälder.

10 Millionen Euro, wahrscheinlich eher mehr, wird das alles kosten. Die Genehmigungsplanung läuft schon seit Jahren. Zuletzt, berichtet Gunther Wölfle, gab es eine Abstimmung mit den Naturschutzbehörden. Nun müssten erneut Wasserspiegel-Untersuchungen vorgenommen und weitere Varianten untersucht werden. Das Ergebnis wird dann erneut diskutiert. Im ersten oder zweiten Quartal 2018 soll dann das Planfeststellungsverfahren starten. Zuständige Behörde ist das Landratsamt Neu-Ulm.

Rampe statt Schwelle

Ein weiteres Projekt in Wölfles Zuständigkeitsbereich ist ebenfalls schon recht konkret: Bei Flusskilometer 29,116 bei Altenstadt soll die Betonschwelle umgebaut werden – und zwar zu einer so genannten Rauen Rampe. Das bedeutet: Der bestehende, 2,85 Meter messende Höhensprung, der einst erstellt wurde, um die Eintiefung der Iller zu verhindern, wird abgebrochen. Stattdessen wird eine sanft ansteigende Schräge aus Steinen eingebaut, die Fische in beide Richtungen durchwandern können. 55 Meter ist die Iller an dieser Stelle breit. Kürzlich sind die Planungsleistungen europaweit ausgeschrieben worden, Baubeginn könnte in zwei Jahren sein. Kostenpunkt: rund 4 Millionen Euro.

Kritik Nicht alle waren begeistert, als die Umweltminister Franz Untersteller (Baden-Württemberg) und Ulrike Scharf (Bayern) jetzt bei Tannheim/Buxheim im Unterallgäu den offiziellen Startschuss für das Programm „Agile Iller“ gaben: Umweltschützer, allen voran aus Senden Bernd Kurus-Nägele vom Bund Naturschutz Kreisverband Neu-Ulm, protestierten gegen den geplanten Bau eines Schachtkraftwerkes in einem Wehr bei Dietenheim. Die Renaturierung und das Kraftwerkprojekt passten nicht zusammen. Doch Peter Faigle vom Regierungspräsidium Tübingen winkte ab: Es sei prinzipiell möglich, an besagter Stelle ein kleines Kraftwerk zu bauen. Es sei nicht vorgesehen, das Wehr zu einer Rampe umzubauen. Die Naturschützer gehen rechtlich gegen die Genehmigung für das Kraftwerk vor, sind allerdings mit ihren Eilverfahren schon mal gescheitert. Eine Entscheidung in der Hauptsache gibt es noch nicht.

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