Waffenscheine: Menschen in der Region rüsten kräftig auf

|
Wer eine kleinen Waffenschein besitzt, darf Schreckschusswaffen mit sich führen. Sie sehen scharfen Waffen täuschend ähnlich.  Foto: 

Schreckschuss-Pistolen sehen scharfen Waffen nicht nur täuschend ähnlich, sie sind ebenfalls alles andere als ungefährlich. Vor diesem Hintergrund lassen Zahlen aufhorchen, die die Landratsämter in Ulm und Neu-Ulm präsentieren. Demnach hat sich die Zahl derer, die einen kleinen Waffenschein besitzen, in den vergangenen beiden Jahren nahezu verzehnfacht. Im Landkreis Neu-Ulm gibt es derzeit 500 kleine Waffenscheine, 2014 waren es gerade einmal 57. Im Alb-Donau-Kreis sind es aktuell 226. Zum Vergleich: 205 mehr als vor zwei Jahren.

Reizgas-, Schreckschuss- und Signalwaffen darf nur mit sich führen, wer einen kleinen Waffenschein hat. Und wer zuverlässig ist und die persönliche Eigenschaft besitzt, wie Wolfgang Höppler sagt, der Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit im Neu-Ulmer Landratsamt. Er betont: „Wenn ich eine Waffe führen darf, bin ich privilegiert. Dann muss ich einer besonderen Verantwortung gerecht werden.“ Hat ein Bewerber etwa Einträge im Bundeszentralregister, ist dies womöglich ein Ausschlusskriterium. Wer nachweislich Alkoholprobleme hat oder psychisch krank ist, muss sich gutachterlich untersuchen lassen, sagt Höppler. Er prüft jeden Fall „sehr genau und individuell“ – und bezeichnet den Trend hin zu mehr Waffen als bedenklich.

Jung, alt, Mann, Frau, Angestellte, Arbeiter, Unternehmer: Laut des Sprechers gehören die Besitzer der kleinen Waffenscheine allen Bevölkerungsschichten an. „Da ist alles vertreten.“ Aber woher kommt der verstärkte Wunsch, sich zu bewaffnen? Darüber vermag der Landratsamtssprecher nur spekulieren. Die vermehrten Wohnungseinbrüche? Die Flüchtlingskrise? Die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln? Schon möglich, dass dies alles viele Menschen verunsichert habe.

Schreckschusspistolen oder Elektroschocker vermitteln ihren Besitzern jedoch lediglich eine trügerische Sicherheit, findet der Mann aus dem Landratsamt. „Denn wer eine Waffe zieht, weil er sich bedroht fühlt, schafft automatisch eine neue Gefahrenquelle“, betont Höppler. „Dies kann schnell zu einer unkontrollierbaren Situation führen.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Heiner Scheffold, Landrat im Alb-Donau-Kreis: „Insgesamt sieht Landrat Scheffold, wie auch die Waffenbehörde des Landratsamts, den Anstieg bei den erteilten kleinen Waffenscheinen sehr kritisch“, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde: „Sicherheit zu gewährleisten ist zu allererst eine Aufgabe der Polizei. Und ihr sollte man diese Aufgabe in unserem Staat auch überlassen.“

Dem Neu-Ulmer Landratsamtssprecher Höppler ist es eigenen Angaben zur Folge in einigen Fällen gelungen, Interessenten davon zu überzeugen, ihren Antrag zurückzunehmen. „Ich habe sie gefragt: Was wollen Sie denn mit diesem Ding? Sie gefährden sich mit den Waffen doch eher selber.“ Dies habe einige Bewerber tatsächlich überzeugt.

Die Polizei wäre froh, wenn dies in noch viel mehr Fällen gelänge. Auch sie betrachtet die gestiegenen Waffenschein-Zahlen mit Sorge. „Wir sehen es sehr skeptisch, wenn sich die Bürger bewaffnen“, sagt Jürgen Krautwald vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten, das auch für den Landkreis Neu-Ulm zuständig ist. Die gefühlte Sicherheit einiger Menschen hat mit der tatsächlichen nichts zu tun“, sagt Krautwald. Es gebe keinen Anlass für eine verstärkte Bewaffnung. Schließlich sei mit Blick auf die Polizeistatistik die Region verglichen mit anderen Gebieten in Deutschland alles in allem „sehr sicher“.

„Wer eine Waffe führt, sollte handhabungssicher sein“, sagt der Polizeisprecher. Das aber seien beileibe nicht alle. Seine Kollegen auf Streife etwa müssten manchmal sekundenschnell entscheiden, in welche Konfliktsituation sie geraten sind, ob die Waffe, die ein Beteiligter trägt, scharf ist oder nicht. Das schaffe eine Lage, in der alle Beteiligten einer unnötigen Gefahr ausgesetzt sind.

Berechtigung

Die Zahl der Besitzer großer Waffenscheine, der zum Führen scharfer Waffen berechtigt, ist im Alb-Donau-Kreis „verschwindend gering“, wie Landratsamtssprecher Bernd Weltin berichtet. Nähere Angaben macht er dazu nicht. Im Kreis Neu-Ulm gibt es keinen einzigen Besitzer eines großen Scheins.

Waffenbesitz

Jagdscheine berechtigen zum Führen von Jagdwaffen auf der Jagd. Die Waffen von Sportschützen sind in der Regel auf Waffenbesitzkarten eingetragen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

24.11.2016 06:27 Uhr

Sicherheit gewähren

Problematisch sind die sich gefühlt häufenden Berichte über Einbrüche oder auch Angriffe auf offener Straße, zu denen Täter nicht gefasst werden. Wir haben inzwischen zu viele Irre in der Welt, die Polizei kann nicht hinter jedem her laufen um Sicherheit gewähren, auch wenn sie es gerne würde. Dazu sollte sie stehen um glaubwürdig zu bleiben.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zwölf Namen für die neuen Ulmer Straßenbahnwagen

Die neuen Straßenbahnwagen der Linie 2 werden nach Männern und Frauen benannt, die mit Ulm in Verbindung stehen. So war es auch schon beim Combino. weiter lesen