Vom Strom bis zur S-Bahn

Als Vorsitzender des ENBW-Großaktionärs OEW steht Alb-Donau-Landrat Heinz Seiffert zur Zeit gehörig unter Strom. Im Gespräch mit unserer Zeitung ging es aber auch um regionale Verkehrsprojekte.

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Landrat Seiffert ist überzeugt, dass der Energiekonzern ENBW eine sichere Einnahmequelle für die beteiligten Landkreise bleibt. Foto: Volkmar Könneke

Viel Geld haben die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) in die ENBW gesteckt. Nach dem Einstieg des Landes bei dem Energiekonzern musste der Zweckverband ebenfalls Aktien ankaufen, um mit dem neuen Mit-Eigentümer auf Augenhöhe zu bleiben. 159 Millionen Euro waren fällig, die Hälfte davon wurde über Kredite finanziert. Dann kam die Kapitalerhöhung von 400 Millionen Euro für das kriselnde Unternehmen, ebenfalls kreditfinanziert. Auf 700 bis 800 Millionen Euro beziffert der OEW-Vorsitzende, Alb-Donau-Landrat Heinz Seiffert, die Verbindlichkeiten des Verbands.

Seiffert ist aber überzeugt, dass die ENBW auch künftig genug Gewinn abwirft, um nicht nur die Schulden abzubauen. Auch für die neun Landkreise, die dem Verband angehören, werde wie gewohnt einiges abfallen. 2013 dürfte die Ausschüttung wie in diesem Jahr 40 Millionen Euro betragen, sagte Seiffert im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. Der Alb-Donau-Kreis kann dann erneut mit 8,4 Millionen rechnen. 2011, als die OEW 60 Millionen ausschütteten, flossen sogar 12,6 Millionen Euro in die Kreiskasse.

Ein Gutteil des Geldes von der ENBW stammt aus Atomstrom-Gewinnen. Die zwei noch produzierenden Reaktoren des Konzerns - je einer in Philippsburg und Neckarwestheim - werden 2019 und 2022 stillgelegt. Bleiben wird hochradioaktiver Abfall, für den es kein Endlager gibt. Seiffert will nicht ausschließen, dass ein solches Lager für ausgediente Brennelemente in der Region gebaut werden könnte. Wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sei er der Ansicht: "Wir müssen das vorurteilsfrei untersuchen." Sollten Fachleute zu dem Ergebnis kommen, dass die Tonschichten im Donautal und auf der Alb der beste Standort seien, "kann ich nicht dagegen sein".

Mit Energie verfolgt der Regionalverband Donau-Iller, dessen Vorsitz Seiffert zur Zeit innehat, den Ausbau des Nahverkehrs auf der Schiene. Zwei Beratungsbüros - SMA aus der Schweiz und Intraplan aus München - sind damit befasst. Nach der Sommerpause sollen sie ihren Abschlussbericht vorlegen. Seiffert, der den Entwurf schon kennt, verspricht ein Konzept, "das schlüssig ist und Chance auf Verwirklichung hat". Ohne Beteiligung der Länder Baden-Württemberg und Bayern sei das angestrebte S-Bahn-Netz aber nicht zu finanzieren. Aus diesem Grund gelte es für die Region, in Stuttgart und in München massiv vorstellig zu werden: "Wir werden kämpfen müssen."

Keine Rolle im Konzept der Gutachter spiele eine zu bauende Schienenstrecke Erbach-Ehingen, "und ich werde dem nicht widersprechen", betonte Seiffert. Statt eine zweite Verbindung zwischen Ulm und Ehingen zu bauen, müsse die bestehende über Blaustein, Blaubeuren und Schelklingen gestärkt und zweigleisig ausgebaut werden. Für Erbach und den westlichen Alb-Donau-Kreis sei es viel wichtiger, dass künftig auch die schnellen Züge auf der Südbahn Ulm-Friedrichshafen in Erbach halten.

Notwendig und berechtigt - nicht zuletzt für Erbach - sei auch die Querspange zwischen B 311 und B 30. Unverständlich ist für Seiffert daher, dass die grün-rote Landesregierung dem Projekt keine große Bedeutung beimisst. Die Kriterien des Verkehrsministeriums seien weder nachvollziehbar noch messbar: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sagen kann, die Verkehrsbelastung in Erbach ist nicht hoch." Auf der anderen Seite sei die Querspange das einzige von 20 baureifen Bundesstraßen-Projekten im Land, gegen das geklagt wird. "Es ist bedauerlich, dass die Region nicht mit einer Stimme spricht."

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