Viola Lachenmann: Verrückt nach Wagner

Die Leidenschaft für Musik hat Viola Lachenmann dazu gebracht einen Verein zu gründen. Die Thalfingerin ist Vorsitzende des Ulmer Richard-Wagner-Verbands und Präsidentin des Elchinger Lions Clubs.

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Auch in der Kanzlei von Viola Lachenmann ist der Komponist Richard Wagner allgegenwärtig - in Form einer kleinen Statue.  Foto: 

Rheingold, Walküre, Siegfried und Götterdämmerung - was für manchen wie eine Aufzählung angestaubter Begriffe aus der Sagenwelt klingt, ist für Viola Lachenmann der "Himmel auf Erden". Es sind die vier Teile des Ring der Nibelungen, einem Opernzyklus Richard Wagners. Die Opern des Komponisten aus dem 19. Jahrhundert sind für die 60-jährige Anwältin aus Thalfingen Leidenschaft und Droge zugleich.

Vor acht Jahren hat Lachenmann den Richard-Wagner-Verband Ulm/Neu-Ulm gegründet. Folgerichtig, könnte man meinen, für jemanden, der lieber auf eine Seereise verzichten würde, als die jährlichen Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth zu verpassen. Aber Lachenmann zögerte zunächst, als ihr ein Bekannter während eines Abendessens in Bayreuth den Vorschlag machte. Anfangs sei sie noch skeptisch gewesen: "Ich habe das zunächst als völlig hirnrissig angesehen, aber der Keim war in mir gelegt", erklärt Lachenmann.

Unterstützung bei der Vereinsarbeit bekommt Lachenmann von ihrem Sohn Matthias. "Er ist noch verrückter als ich, was Wagner betrifft." Er sei von Beginn an beim Verein dabei gewesen und ist bis heute Schriftführer. Die Auftaktveranstaltung im Oktober 2006 war dann ein Erfolg. "Es kamen elf Leute zu unserem ersten Treffen und wir haben den Verein gleich gegründet." Heute hat der Verband 80 Mitglieder.

Vorträge und Workshops gehören zum Jahresprogramm genauso wie Konzerte. "Aber es ist nicht nur Spaß und Unterhaltung für uns Mitglieder", erklärt Lachenmann. "Wir fördern junge begabte Künstler. Aber sie müssen keine Wagner-Verrückten sein."

Um neue Talente zu finden, ist Lachenmann oft mit dem Operndirektor des Ulmer Theaters, Matthias Kaiser, in Kontakt. "Ich höre mir in Konzerten auch junge Musiker an. Aber ich bin Juristin - und kein Musikerin", sagt Lachenmann.

Doch woher kommt die Begeisterung für den Komponisten Richard Wagner? "Mir gefällt Wagner schon lange", sagt Lachenmann, die in Heidenheim aufgewachsen ist. "Ich hatte einen super Musiklehrer. Als ich 17 war, sind wir von der Schule aus in den ,Fliegenden Holländer in die Stuttgarter Staatsoper gegangen." Da sei es um sie geschehen gewesen. Während dem Studium ging sie in die Oper nach München und Stuttgart. "Wagner polarisiert. Entweder man tut sich schwer mit seiner Musik oder man verfällt ihr." Wann sie erstmals nach Bayreuth zu den Festspielen kam, weiß sie nicht mehr: "Wahrscheinlich 1986."

"Es ist der Himmel auf Erden, geweihte Erde", schwärmt die Opernliebhaberin. "Man verlässt die vorherige Welt, wenn man auf den Hügel zum Festspielhaus fährt." In den zwei bis drei Wochen, die Lachenmann von morgen an, wie in jedem Jahr, in Bayreuth verbringt, dreht sich alles um Wagner und sein Werk. "Ein Leben reicht nicht aus, um eine Oper vollständig zu verstehen." Vom zweiten Tag an seien rund um das Festspielhaus "Leute wie du und ich, Wagner-Besessene eben" unterwegs.

Obwohl ein Großteil ihres Lebens von Opernaufführungen bestimmt wird, bleibt der Rechtsanwältin auch noch Zeit, sich anderweitig zu engagieren: Sie ist Mitglied in der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, im Elchinger Gewerbeverband und im Lions Club Elchingen. Dort hat sie Anfang Juli für ein Jahr das Amt der Präsidentin übernommen. Das Motto ihrer Präsidentschaft stammt von Friedrich Schiller: Ernst ist das Leben, heiter die Kunst. Vorträge sollen den Mitgliedern das näherbringen, auch - wie könnte es anders sein - mit einer Opernreise.

Richard-Wagner-Verband

Geschichte Schon im Jahr 1865 gründete Emil Heckel in Mannheim den so genannten Deutschen Allgemeinen Richard-Wagner-Verein. 1909 wurde dann der erste Verband, der Richard-Wagner-Verband Deutscher Frauen, gegründet. Schirmherrin des Verbands war Winifred Wagner, Schwiegertochter des 1883 verstorbenen Komponisten Richard Wagner. Heute sind unter dem Dach des Richard-Wagner-Verbands international mehr als 140 Verbände weltweit zusammengefasst.

Komponist Der 1813 in Leipzig geborene Richard Wagner zählt zu den Komponisten der Romantik. Im von ihm mitentworfenen Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth fanden 1876 zum ersten Mal die Richard-Wagner-Festspiele statt.

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