Ehrung: Viele Jahre ein Sprachrohr für das Handwerk

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Ilse Aigner zeichnet Hans Jürgen Epple aus.  Foto: 

Eigentlich wollte Hans Jürgen Epple Sport studieren, damals in den 60er Jahren. Doch daraus wurde nichts, die Familie hatte für den jungen Mann eine andere Laufbahn vorgesehen: Er sollte die Trockenbaufirma des Großvaters übernehmen. Also studierte Epple erst Bautechnik in München und machte dann die Meisterprüfung. 1973 übernahm er den Betrieb des Opas und begann sein Engagement in der Bauinnung, das ihn schließlich in die Position des Obermeisters bringen sollte. „Mir war immer klar, dass mein Berufszweig ein Sprachrohr nach oben braucht und das ist eben die Innung“, sagt Epple heute.

Dass ihm von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, liegt an dem jahrzehntelangen, großen Einsatz des Nersingers für die Belange des Bauhandwerks. Er engagierte sich in der Vollversammlung der Innungskrankenkassen. Noch heute ist er Mitglied des Regional- und Landesbeirats.

In der Bauinnung machte Epple schnell mit seinem Engagement von sich reden und wurde 1992 stellvertretender Obermeister. Seit 2004 bis März dieses Jahres förderte er als Obermeister die gemeinsamen Interessen seiner Berufskollegen.

„Ich habe nie über die Zeit nachgedacht, immer über die Notwendigkeit“, sagt Epple heute. Dazu gehörte auch, morgens in der Firma immer der Erste zu sein und dafür das Privatleben hinten anzustellen. Es sei ihm wichtig gewesen, in allen Bereichen als „immer seriöser und kompetenter Partner“ aufzutreten. Glücklicherweise, sagt Epple rückblickend, habe er schon immer „relativ wenig Schlaf“ gebraucht. Und er habe versucht, durch kleine Kniffe auch der Familie gerecht zu werden. Etwa, indem er einen Swimmingpool in den Garten baute.

Es waren nicht nur gute Zeiten, in denen der heute 68-jährige Nersinger für die Belange seiner Branche eintrat. Epple kann sich noch gut an die „schlechte Zeit“ erinnern, die Jahre 1998 bis 2004, als viele Firmen ihr Engagement aus dem Osten zurück in die alten Bundesländer verlegten und sich mit den Hiergebliebenen einen Verteilungswettkampf lieferten. Schon wenige Jahre später folgte die Banken- und Wirtschaftskrise. Da habe es sich ausgezahlt, sagt Epple, dass er als Innungsvertreter „viel mit der Politik zusammengearbeitet“ habe und als früherer stellvertretender Bürgermeister und Gemeinderat von Nersingen die richtigen Ansprechpartner kannte.

Epples Engagement beschränkte sich nicht auf die Bauinnung. Auch in der Kreishandwerkerschaft war er aktiv und war als Neu-Ulmer Kreishandwerksmeister bis zur Fusion mit der Kreishandwerkerschaft Günzburg 2012 18 Jahre lang Sprecher aller Innungen. „Es hat immer Spaß gemacht“, sagt Epple. Leider sei heutzutage der Innungsgedanke bei vielen Firmenchefs verloren gegangen: „Sie sehen keinen Nutzen mehr in dieser Gemeinschaft.“

Seit einiger Zeit hat der Nersinger mehr Gelegenheit, sich um Familie und Hobbys zu kümmern. Seine Firma hat er in andere Hände gegeben und nutzt nun die Gelegenheit, mit den Kindern und Enkeln und vor allem mit seiner Frau etwas zu unternehmen. „Seit 47 Jahren sind wir verheiratet und davon war in vielen keine Zeit für Urlaub.“ Ohne seine Frau, gibt er zu, habe er vieles in seinem Leben nicht leisten können. Sie habe ihm all die Jahre den Rücken freigehalten.

Und auch der Sport kann wieder eine wichtigere Rolle spielen im Leben des Nersingers, der Fußball und Tennis liebt und viel Zeit auf dem Golfplatz verbringt. Dass es nichts wurde mit dem sportlichen Hauptberuf, hat Epple längst verschmerzt: Seine Tochter hat quasi an seiner Stelle Sport studiert.

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