Staig: Verwirrende Geschichte der Zugehörigkeiten

Ob klein mit nicht mal zwei Dutzend Häusern oder stattlich mit 1200 Einwohnern: Die sechs Ortsteile von Staig kommen bestens miteinander zurecht.

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Trotz humorvoller Sticheleien untereinander ist der Zusammenhalt unter dem neuen Ortsnamen Staig stetig gewachsen.“ So schreibt Bürgermeister Martin Jung auf der Homepage der Gemeinde. In der Tat: Sollten jemals in Altheim, Essendorf, Harthausen, Staig, Steinberg und Weinstetten die Messer gewetzt worden sein, muss das lange vor der Gemeindereform gewesen sein. Vielleicht, weil die Bewohner schon immer mit Wechseln von Zugehörigkeiten und Zuständigkeiten konfrontiert waren.

Nehmen wir als Beispiel den nach schriftlichen Zeugnissen ältesten Teilort: Harthausen. Der Weiler wurde 1093 erstmals erwähnt. Zeitweilig gab es dort eine Pfarrei, zwar als Filiale von Unterkirchberg, die alle Orte von Altheim bis Ammerstetten und Illerrieden betreut hat. Auch weltlich ging es rund. Ab 1507 gehörte Staigs kleinster Teilort zu Österreich, 1805 zu Bayern und ab 1810 zu Württemberg.

Kompliziert wird es, wenn Witzishofen – vielleicht auch Weidlinshofen oder Wirblishofen – ins Spiel kommt. Zu dessen Pfarrsprengel gehörten fast die gleichen Orte. Nur: Die geheimnisvolle Siedlung ist längst verschwunden. Wo sie gelegen hat, weiß man von Beschreibungen der Gemarkungen aber ziemlich genau. Im Gebiet zwischen Altheim, Humlangen und Donaustetten. Wieso sie als so genannte Wüstung verschwand, ist aber nicht näher bekannt. Irgendwann hatte dann das Kloster Wiblingen den meisten Besitz und damit im Alltag viel zu sagen. Die hohe Gerichtsbarkeit lag immer in den Händen der Grafen von Kirchberg, später bei den Fugger. Von den klarer werdenden Verhältnissen hatten die Menschen herzlich wenig: Bei den Abgaben änderte sich höchstens der Adressat.

Fanden die schriftlichen Ersterwähnungen zwischen 1093 (Harthausen) und 1434 (Essendorf) statt, lagen die eigentlichen Gründungen schon Jahrhunderte zurück. Den Funden nach dürfte Steinberg als erste besiedelt gewesen sein. Zeugen sind Reste von römischen Bauten. Im Südwesten gab es mal eine Burg. Auch in Staig soll einmal eine gegeben haben. Der bedeutendste Fund ist ein Grab aus der Zeit der Merowinger mit einem Schwert als Beigabe. Gefunden wurde es Mitte des 19. Jahrhunderts bei der Mühle. An Fernstraßen gelegen, vermuten die Historiker auch in Altheim eine römische Siedlung.

Selbst in Essendorf, dem zweitkleinsten Teilort, wird eine Burg vermutet. Besitzer könnte ein „Asso“ gewesen sein – das Dorf des Asso also. An anderer Stelle wiederum wird Essendorf von Kohlenmeiler abgeleitet.

Bleibt noch Weinstetten, dem einzigen Teilort, der nicht im oder am Rand des Weihungstals liegt. Es verdankt seine Gründung wohl den guten Böden. Denn mit den ersten Urkunden erfährt man von deren Ergiebigkeit für Dinkel und Roggen.

Das Verwirrspiel von Beziehungen reicht bis in die Gemeindereform: 1972 wird Steinberg nach Weinstetten/Staig eingemeindet und als gemeinsamer Name Staig gewählt. Erst 1976 kommt Altheim dazu, das damit den Zusatz „ob Weihung“ verliert. Harthausen und Essendorf sind schon lange Teilorte und gehen in der großen Gemeinschaft der Gemeinde auf.

Wappen Die Krone symbolisiert die Grafschaft Kirchberg, die Quader Steinberg, der Rebzweig Weinstetten; Gelb und Rot die Gemeindefarben.

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Themenschwerpunkt

Meine Heimat: Staig

Die Gemeinde gilt als besonders gelungenes Beispiel für die Kommunalreform. Als sich Altheim, Essendorf, Harthausen, Staig, Steinberg und Weinstetten zusammentaten, kürten sie nicht eines der größeren Dörfer zum Mittelpunkt. Im kleinen Staig wurde der Mittelpunkt geschaffen. Ein Erfolgsmodell: Die Dörfer und ihre heute etwa 3200 Einwohner sind zu einer Heimat zusammengewachsen. Die Teilortswahl wurde schon 1990 abgeschafft.

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