Vom Suchen und Finden des Glücks
Region. Der Weg zum Glück führt für jeden über einen anderen Pfad. Daniel Seitz reiste auf der Suche nach dem Glück drei Jahre durch die Welt. Jetzt ist er zuhause glücklicher denn je - und hilft anderen Glückssuchern.
Wo schlürft ein glücklicher Mensch seinen Espresso oder nippt am Weinglas? Daniel Seitz macht das gern im Café "Si" in Ulm. Denn so bejahend wie der italienische Name des Lokals ist auch die Lebenseinstellung des studierten Informationstechnologie-Ingenieurs aus Leibi. Das war nicht immer so. Doch nach langen Reisen rund um den Globus hat der 31-Jährige Antworten auf viele seiner drängenden existentiellen Fragen gefunden. Auf Umwegen fand er so zu einem erfüllten Leben in seiner Heimat, einem Nersinger Ortsteil, zurück - und fast nebenbei auch zu seinem ursprünglichen Beruf in der IT-Branche.
Nebenberuflich hilft er als "Happiness-Coach" jetzt darüber hinaus anderen Menschen auf der Suche nach dem Glück. Und ein kurzweiliges Buch über seine Erlebnisse hat er auch noch geschrieben.
So richtig unglücklich war Daniel Seitz zwar auch mit Anfang, Mitte 20 nicht: "Die Firma, in der ich damals angestellt war, war toll" und "die Arbeit hat vielen meiner Bedürfnisse und Vorstellungen entsprochen", erzählt der blonde junge Mann mit dem strahlenden und doch etwas schüchtern wirkenden Lächeln. Aber eben nicht all seinen Bedürfnissen. Zum Beispiel habe er sich immer wieder gefragt, "was mache ich eigentlich hier?" Ihm habe der Sinn gefehlt, denn eigentlich wollte er "etwas Gutes tun für die Welt, etwas bewegen". Seine Lebenswirklichkeit schien das nicht herzugeben: "acht Stunden am Tag im Büro in den Monitor starren". Wer will das schon?
Aber ein klares Ziel konnte er damals auch nicht formulieren. "Ich wusste nur, hier läuft was falsch. Ich hab mich total fehl am Platz gefühlt." Berufs- oder Studienberatung, Gespräche mit Freunden, nichts half ihm weiter. Die Zeit bei der Bundeswehr schon gar nicht. Erst als ihn ein Freund aus Auslandsschultagen in den USA fragte, ob er mit ihm auf Weltreise geht, schien Daniel Seitz ähnlich der berühmten Zeichentrickfigur Herr Rossi seinem Glück näherzukommen.
Der amerikanische Freund sprang kurzfristig zwar noch ab, der junge Mann aus Leibi aber reiste insgesamt drei Jahre lang durch Nord- und Mittelamerika - "die grobe Richtung war bekannt" - und probierte dabei allerlei aus: Als Roadie von Def Leppard jobbte er im US-amerikanischen Tennessee, wanderte als Bergsteiger durch die kanadischen Rocky Mountains, machte sich als Zimmermädchen und Netzwerkentwickler in einem Hostel in San Francisco nützlich, half beim Waldaufforsten in Guatemala und sammelte als Lehrer an einer Montessori-Schule im mexikanischen Baja California ebenso wie als Bartender auf einer Insel in der Karibik Erfahrungen. Gute wie schlechte. So erzählt er in seinem im Wagner-Verlag erschienenen Buch von einem Mann, der ihn dort auf unangenehmste Weise runtermachte, weil das Restaurantpersonal grundsätzlich bei Gruppen nicht einzeln abkassierte. "Es dauerte seine Zeit, bis ich über dieses armselige Verhalten dieses Menschen hinwegkam, er besaß wohl sehr wenig wirkliche Qualität in seinem Leben", schreibt der 31-Jährige, der gern neue Wörter mit seinem Namen erfindet, in seinen "Geschichten eines Reisen-dan". "Aber ich bin auch darauf gekommen, dass ich selbst schuld war." Blicke, Körperhaltung, Stimme, alles habe dem unzufriedenen Gast wohl Ergebenheit und Unterwerfung signalisiert. Daniel Seitz ärgerte sich. Er reflektierte und analysierte aber auch. Heute sagt er: "Ich habe daraus gelernt." Was genau? Sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen, zum Beispiel, flexibel zu bleiben. "Vor allem hab ich eine Lernstrategie gelernt."
Die wollte der Computerfachmann mit anderen teilen. So machte er auf den Besuch einer Harvard-Vorlesung zum Thema "positive Psychologie" hin eine zweijährige Coaching-Ausbildung. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2008 machte sich der diplomierte Gesundheits- und Mentaltrainer als "Happiness-Coach" selbstständig.
Letztlich jedoch fand Daniel Seitz auf seiner Suche nach dem Glück zur Ausgangssituation zurück: Er lebt wieder in Leibi und arbeitet hauptberuflich als Unternehmensberater. Nur: Heute ist er mit seiner Situation rundum zufrieden. Manchmal müssen sich eben nicht die Dinge ändern, sondern nur die eigene Sicht darauf. Alles Fragen und Antwortsuchen, das Weggehen und das Zurückkehren, führte zu zwei Erkenntnissen. Erstens: Auch die Arbeit eines Programmierers kann sinnstiftend sein. "Es geht ja nicht darum, dass ich etwas in die Tastatur hacke. Sondern darum, dass ich es anderen Menschen leichter mache und ihnen helfe, sich auf die Dinge konzentrieren zu können, die wirklich zählen." Zweitens: Zuhause ist überall. Das suchte er im Prinzip zehn Jahre lang. "Jetzt habe ich es gefunden: in mir drin."
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Autor: CLAUDIA REICHERTER | 17.01.2011
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Daniel Seitz braucht keine Berge, um glücklich zu sein. Aber schaden tut ein tolles Panorama auch nicht. Privatfoto
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