Stromleitung bei Wullenstetten: Plastikmantel gegen Brummen im Netz

Zum dritten Mal wird die Firma Amprion im Frühjahr die Stromleitung bei Wullenstetten auswechseln. Unternehmer und Anwohner hoffen nun auf ein Ende des starken Brummens an der Starkstrom-Trasse.

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Entlang der Häuser von Wullenstetten werden die Kabel der Hochspannungsleitung mit einem lärmdämmenden Kunststoffmantel versehen.  Foto: 
Es ist eine der Hochspannungsleitungen, mit der der Gundremminger Atomstrom ins bundesdeutsche Netz transportiert wird. Der Stromkreis Günzburg-Nord führt auf dem Weg nach Dellmensingen an Illerzell und Wullenstetten vorbei – und verursacht dort seit der jüngsten Sanierung Lärm. So stark, dass es massive Beschwerden der Anwohner gegeben hat. So stark, dass die Firma Amprion, die die Leitung betreibt, nach einer Lärmmessung nun tätig geworden ist. Der Schallpegel ist in den Spitzenwerten fast so laut wie ein vorbeifahrendes Auto und tritt vor allem dann auf, wenn bei Regen, Schnee oder Nebel die Tropfen auf den Leitungen zu vibrieren beginnen. Das ergibt eine Geräuschkulisse, die den Fachleuten ein Rätsel aufgibt: Einzelne Fälle seien aus Österreich und Italien bekannt. „In unserem Netz in Deutschland hatten wir das Problem in dem Ausmaß noch nicht“, sagte Stefan Bünder von Amprion bei einer Anwohnerinformation in Senden.

An dem Abend präsentierte das Unternehmen aber nicht nur die Ergebnisse der Lärmmessungen der vergangenen Wochen durch den Tüv Hessen, sondern auch gleich eine mögliche Lösung für das Wullenstetter Brummen. „Auf jeden Fall ist das Geräusch so stark, dass wir die Leitung auf einer Länge von sieben Kilometern austauschen werden“, informierte Oliver Sanders, bei Amprion für Geräuschkulissen rund um die Leitungen verantwortlich. Klar ist den Fachleuten, dass sie speziell im Wullenstetter Fall an der technischen Ausrüstung etwas ändern müssen. Die bisherigen Versuche hatten nicht das erhoffte Ergebnis gebracht. Eine Kunststoff-Ummantelung um das Kabel soll nun die Leitung leiser machen. „An einer anderen Stelle haben wir eine ähnliche Leitung bereits seit Jahrzehnten eingebaut – allerdings nicht aus Lärmgründen“, ergänzte Bünder. Nun sei ein Forschungsauftrag herausgegangen, das System auch dafür zu erproben. „Auch wenn mit Hochdruck daran gearbeitet wird“, brauche man noch bis März oder April, um die richtige Materialmischung zu bekommen. Das Problem ist mit 380.000 Volt die hohe elektrische Spannung, unter der die Leitung steht. „Sie erwärmt sich auf etwas mehr als 100 Grad.“ Die gängigen Kabel ohne Kunststoff-Dämmung bringen es auf 80 Grad und hängen dadurch weniger stark durch. Um die stärkere Ausdehnung wieder aufzufangen, müsse die Materialzusammensetzung verändert – und erprobt – werden. „Auch hier haben wir Vorschriften einzuhalten.“ Dass es noch ein paar Monate dauert, bis die Leitungen ausgetauscht werden, hänge auch mit der Stromquelle zusammen. „Wir müssen die nächste Revision im Atomkraftwerk Gundremmingen abwarten, bis wir an den Leitungen arbeiten können.“

Da die Trasse eine zentrale Rolle im Stromnetz spielt, könne man bis zum Leitungstausch auch die Spannung und damit das Brumm-Geräusch nicht reduzieren, sagte Bünder. Ein entsprechender Vorschlag war von einem Anwohner gekommen. Ob der Kunststoff Schadstoffe freisetze, wollte ein anderer wissen. Es handle sich um ein in dieser Frage erprobtes Material, das nichts an die Umgebung abgebe. Und die Leitung unter der Erde führen? „Das dürfen wir in diesem Fall nicht“, sagte Firmensprecher Andreas Preuß. Nicht weil’s zu teuer wäre, sondern weil sie nicht zu lange ausfallen darf. „Wir müssen für Reparaturen schnell drankommen, damit der Strom zuverlässig vom Kraftwerk abfließen kann.“

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