Sportlich trotz Handicap

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Sylvia Hofmeister (links) mit Hündin Emmy und Helga Bröckl mit Sara auf dem Weg ins Illertisser Fitnessstudio  Foto: 

Sylvia Hofmeister dehnt ein grünes Theraband mit beiden Armen über dem Kopf.Als nächstes ist Gehen auf dem Stepper angesagt. Für die meisten einfache Sportübungen. Für die 50- Jährige eine Herausforderung. Denn sie ist blind.

Seit etwa zwei Jahren trainiert Hofmeister im Fitnessstudio „Mrs Sporty“ in Illertissen. Nach einem Jahr hat sie ihre ebenfalls blinde Freundin Helga Bröckl mit ins Trainig gebracht – und von dem Konzept überzeugt. Denn die  Mitglieder in dem Frauenstudio trainieren ohne Geräte. Trainiert wird mit Hanteln, Therabändern, Medizinbällen oder mit dem eigenen Körpergewicht. Ein großer Bildschirm mit integrierte Kamera zeigt an, ob die Übungen richtig gemacht werden.

Ein Kraftraining an Geräten wäre für die beiden Frauen zu schwer. Ein Mal pro Woche kommen sie nach Illertissen, um Sport zu machen. Zwei Runden im Zirkeltraining stehen dann auf dem Programm. Immer an ihrer Seite bei den workouts die Trainerinnen. Sabrina Neuhäusler führt die Blinden zusammen mit Kollegin Maria Willbold am Donnerstagvormittag durch den Zirkel und beschreibt genau, was bei jeder Übung zu tun ist.

An den Zwischenstationen laufen Hofmeister und Bröckl auf Steppern  oder schulen ihr Gleichgewicht auf einem Wackelboard. Das Gleichgewichtstraining ist vor allem der 51-Jährigen Helga Bröckl wichtig. Sie ist seit 1996 blind, nimmt nur noch Schatten und Umrisse wahr. „Das Wackelbrett war am Anfang ein großes Hindernis für mich“, gibt sie zu. Mittlerweile kann sie auch ohne Hilfe der Coaches auf dem Brett balancieren. Auch ihre Haltung habe sich durch die regelmäßige Bewegung verbessert. Übungen auf dem Gymnastikball sind dagegen eine gute Entlastung für die Wirbelsäule, erklärt sie.

Für Hofmeister, die mit ihrem Mann in Weißenhorn wohnt, ist das große Trainingsziel, beweglich zu bleiben. Sie ist seit 2002 blind und leidet unter einer linksseitigen Lähmung. Durch den Sport möchte sie schonend Muskulatur aufbauen und Stabiliät gewinnen. Das sei auch wichtig, um fit für den Alltag zu bleiben. Schon allein das Gassigehen mit den Blindenhunden Emmy und Sara fordert den beiden Frauen einiges ab. Einen Haken hat das Training in Illertissen allerdings: die schlechte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Hinfahrt mit dem direkten Bus um zehn Uhr von Weißenhorn nach Illertissen ist noch kein Problem. Um jedoch wieder dorthin zurückzukommen, sind die beiden mit ihren Hunden eine ganze Weile unterwegs. Von Illertissen geht es mit dem Zug nach Senden. Dort haben sie eine dreiviertel Stunde Aufenthalt, bis es mit der Bahn weiter in ihren Wohnort geht. „Bei hohen Temperaturen im Sommer, ist die Zugfahrt mit den Hunden schier nicht möglich“, bedauert Hofmeister. Dann müssen sie ihr Training eine Zeitlang auf Eis legen.

Engagiert im Blindenbund

Neben dem Sport engagieren sich die beiden im Bayrischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) im Kreis Neu-Ulm. Bröckel ist dort fest angestellt und organisiert Stammtische und besucht mit ihrem Hund Sara Schulklassen. Hofmeister unterstützt die 51-Jährige bei ihrer Arbeit und gibt selbst ein Mal im Monat Kurse zum Thema Umgang mit dem Smartphone. Darin zeigt sie Blinden und Sehbehinderten, wie sie ihr Handy am besten bedienen. Den Sport im Illertisser Studio möchten Bröckl und auch Hofmeister trotz Reha-Sport daheim nicht missen. „Wir möchten nirgendwo anders mehr zum Trainieren hin“, fasst Hofmeister zusammen.

Behindertensport Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es in Deutschland über eine Million blinde und sehbehinderte Menschen. Davon machen einige genau wie Sylvia Hofmeister und Helga Bröckl, trotz ihres Handicaps Sport. Nach Angaben des deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes gibt es für Blinde eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich fit zu halten. Je nach Gesundheitszustand sind Fußball, Gymnastik, Laufen,Tandemfahren oder sogar Skifahren und Reiten möglich. Auch das Fitnessstudio ist für Blinde gut nutzbar. Sport wie Schießen und Tischtennis werden in abgewandelter Form angeboten. Es gibt zudem Sportarten, die eigens für Blinde entwickelt wurden. Dazu gehört unter anderem das Ballspiel Torball. va

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