Sperrmüll-Rekord könnte zum Problem werden

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813 Tonnen, oder 813 000 Kilogramm Sperrmüll – so viel ist im März dieses Jahres im Entsorgungs- und Wertstoffzentrum beim Müllheizkraftwerk Weißenhorn abgegeben worden. Das ist laut Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) „die bisher mit Abstand höchste Sperrmüllmenge aus dem Landkreis Neu-Ulm“. Üblich seien in den Frühjahrsmonaten 650 Tonnen pro Monat. So hat es Werkleiter Thomas Moritz kürzlich den Mitgliedern des Kreis-Werkausschusses mitgeteilt. Der ungewollte Müll-Rekord ist erklärbar und bringt Moritz bisher nicht aus der Ruhe – der Zuwachs könnte aber zum Problem werden.

Die Erklärung für das Mehr an Unrat ist das neue Gebührensystem der Stadt Ulm: Seit Anfang des Jahres können Sperrmüll sowie Bauschutt nur noch viermal pro Jahr kostenlos auf den städtischen Recyclinghöfen abgegeben werden – bislang wurden beide Abfallarten unbegrenzt kostenlos angenommen. Wer jetzt anliefern will, der muss seinen Abfallgebührenbescheid mitbringen. Die Neuregelung zeigt massiv Wirkung: Bis Ende April ging die Sperrmüll-Menge in Ulm um 41 Prozent zurück, bei Bauschutt waren es 61 Prozent.

Ein Gutteil des Sperrmülls landet dafür jetzt in Weißenhorn beim Müllheizkraftwerk: plus 20 Prozent beim Sperrmüll, berichtet Werkleiter Moritz. „Das ist wahnsinnig viel Sperrmüll.“ Er vermutet, dass ein Großteil der Anlieferer  Landkreis-Bürger seien, die bisher kostenlos in Ulm entsorgt haben, dass aber auch aus dem Umland, etwa dem Alb-Donau-Kreis, Müll angeliefert wird: Mit 86 Cent pro Kilogramm sei der AWB „mit Abstand am günstigsten“ in der Region. Eigentlich dürften hier nur Bürger aus dem Kreis Neu-Ulm abliefern.

In Weißenhorn werde zwar schon kontrolliert, sagt Moritz, aber nur „stichpunkthaft“. Würde man von jedem einen Wohnortnachweis verlangen, so käme das einer „Bürokratisierung“ gleich und würde lange Schlangen am Entsorgungszentrum bedeuten. Eine Nachweis-Regelung per Bescheid wie in Ulm sei nicht möglich: „Es gibt 17 Gemeinden im Landkreis mit 17 unterschiedlichen Gebührensystemen.“

Bislang sei das Plus an Sperrmüll, das auch durch viele Gebäudesanierungen begründet ist, noch verträglich, sagt der Werkleiter. Arg viel mehr verkraftet der Müllofen freilich auf Dauer nicht: „Wir haben eine Kapazität von 105 000 Tonnen im Jahr und wir fahren mit 105 000 Tonnen.“ Ein Weg, dem Phänomen zu begegnen, wäre eine verstärkte Vorsortierung: „Das also beim Anliefern alles rausgenommen werden muss, was ein Wertstoff ist, beispielsweise Papier und Kartonagen oder Altmetall.“ Verstärkte Kontrollen wolle er in Zukunft aber auch nicht ausschließen, das müsse in Abstimmung mit den Kreistags-Gremien beschlossen werden. Schon heute könnten Müll-Touristen übrigens mit einem Bußgeld belegt werden

Investitionen Das Müllheizkraftwerk Weißenhorn bekommt ein neues Löschsystem. Der Werkausschuss hat den Auftrag für rund 636 000 Euro an die Firma Rosenbauer vergeben. Von sechs interessierten Firmen hat nur eine ein Angebot abgegeben, und dieses lag knapp über der Kostenberechnung von 600 000 Euro. Das liege daran, hieß es, dass am Bau Hochkonjunktur herrsche. 2018 Jahr kommen außerdem neue Kranbrücken.

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