Sorge um Ölunfall beim Kraftwerk

Die geplante Anlage von SWU und Siemens bei Leipheim hat den ersten Erörterungstermin hinter sich. Dabei wurde vor allem ein Extremfall ausführlich besprochen.

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Wäre innerhalb von zwei Jahren gebaut und könnte die hiesige Stromversorgung nach einem Blackout wiederherstellen: Das Gasturbinen-Kraftwerk der SWU bei Leipheim.  Foto: 

Sprudel trinken auf Kosten von Siemens und den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU)? Geht nicht, wies Eva Braun das Angebot zurück. Sie könne sich nicht von den Antragstellern einladen lassen. So machte die Leiterin der Abteilung Immissionsschutzrecht bei der Regierung von Schwaben zu Beginn des gestrigen Erörterungstermins zum geplanten Gaskraftwerk klar: Wir sind die Vertreter der Genehmigungsbehörde. Die Herren von Siemens und Stadtwerken sind die Antragsteller. Und obwohl alle am selben Tisch saßen, entscheidet die Regierung letztlich selbst, „intern und zu einem späteren Zeitpunkt“.

Die Auswirkungen der auf dem ehemaligen Fliegerhorst geplanten Anlage zur Netzstabilität (siehe Info-Kasten) waren gestern Vormittag das Thema im Zehntstadel: Lärm, Abgase, mögliche Einwirkungen auf den Boden. Wie berichtet, wollen SWU und Siemens zwei 330-Megawatt-Gasturbinen installieren, deren Erzeugung in windschwachen und sonnenarmen Zeiten das Stromnetz stabilisieren oder eben dieses nach einem Blackout wiederaufbauen soll. In minimal 15 Minuten könnte die Anlage hochfahren und Gas in Strom verwandeln. Im Notbetrieb, wenn also rundherum alles dunkel ist, würden die Turbinen mit Heizöl gespeist und könnten dann bis zu 72 Stunden durchhalten. In einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern sollte es dann nach und nach wieder Strom geben.

Bombenfunde gibt es durchaus

Eben das Heizöl, das in zwei 16 Meter hohen, je 10 Millionen Liter fassenden Tanks auf dem Areal bereitgestellt wird, war der einzige, länger diskutierte Einwand. Ein Anwohner sagte, er fürchte, die Tanks könnten bei der Explosion eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg beschädigt werden und das Öl auslaufen. Erst in diesem Jahr seien auf dem ehemaligen Fliegerhorst eine 100- und eine 200-Kilo-Bombe gefunden worden. Daraufhin habe auch das Grundstück, auf dem das Kraftwerk entstehen soll, geräumt werden müssen.

Die Wasserversorgung von Leipheim sei trotzdem sicher, sagte ein Vertreter das Wasserwirtschaftsamtes: Die Stadt fördere aus zwei Tiefenbrunnen beim ehemaligen Fliegerhorst, die unter einer vier Meter dicken Lehmschicht und zudem unter einer schnell strömenden Wasserschicht liegen. Zudem versorge sich Leipheim auch an anderer Stelle mit Wasser.

Wenn eine kontrollierte Bombenentschärfung anläuft, könnten die Behörden und der Kampfmittelbeseitigungsdienst vorab auch anordnen, die Tanks zu leeren, sagte Thomas Schneider von Siemens. Um ungeplante Explosionen zu vermeiden, sei jeder Bauherr verpflichtet, vorab gründliche Untersuchungen und Sondierungen durchzuführen.

Wer hat die Nase vorne?

Schon nach nicht mal zwei Stunden war der Erörterungstermin gestern vorbei. Petro Sporer, Projekt-Verantwortlicher bei den Stadtwerken, zeigte sich erfreut über den Verlauf. Nun gelte es, die Planungen weiter voranzutreiben, im nächsten Schritt geht es um die Gas- und Stromleitung (siehe unten). Auf die beiden Konkurrenzvorhaben bei Lauingen (PQ Energy) und Gundremmingen (RWE) angesprochen, meinte Sporer: Keiner der anderen Mitbewerber sei soweit wie die SWU. Deshalb rechne er sich gute Chancen aus für das Gas-Kraftwerk in Leipheim.

Wie berichtet, sehen die Übertragungsnetzbetreiber nach dem Atom-Aus eine Versorgungslücke von 2000 Megawatt in Süddeutschland. Diese wäre ja mit dem SWU-Kraftwerk, das 660 Megawatt liefern kann, nicht komplett abgedeckt. Wann die Entscheidung fällt, ist unklar. Die Stadtwerke und Siemens wollen Mitte 2019 mit dem Bau anfangen und schon zwei Jahre später Einsatzbereitschaft melden.

Planung Die Frequenz bei etwa 50 Hertz und die Netzspannung stabil halten und nach einem Blackout die Stromversorgung wiederherstellen helfen: Das sollen nach dem Atomausstieg ab 2021 so genannte Netzstabilitätsanlagen leisten, wie sie SWU und Siemens bei Leipheim planen. Es gibt auch zwei Mitbewerber. Der Bau soll noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden. Es könnte, weil es nach der Bundestagswahl auch im Wirtschaftsministerium Veränderungen geben wird, aber auch Anfang 2018 werden. Die Ausschreibung macht letztlich der Übertragungsnetzbetreiber, im konkreten Fall die Firma Amprion.

Leitungen Parallel zum immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren für das Kraftwerk in Leipheim haben SWU und Siemens mit der eigens gegründeten Gaskraftwerk Leipheim GmbH & Co. KG ein Planfeststellungsverfahren für den Anschluss ans Strom- und Gasnetz gestartet. Demnach müssen vier Kilometer Stromkabel gelegt werden, um die nächste Hochspannungsleitung zu erreichen. Drei Kilometer sollen unter die Erde gelegt werden, die letzten 1000 Meter werden überirdisch geführt. Um das Kraftwerk mit Gas zu versorgen, muss eine sechs Kilometer lange Gasleitung bis zum Ort Rieden bei Ichenhausen gebaut werden, auch diese verläuft im Boden.

Daten Das geplante Kraftwerk kann 660 Megawatt Strom erzeugen, in zwei Blöcken je 330 Megawatt. Der Wirkungsgrad liegt bei rund 40 Prozent. Die Gasturbine verbrennt Gas oder alternativ leichtes Heizöl.

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