Sie wollen laufen, laufen, laufen

Wahre Laufwunder sind die Schlittenhunde von Martin und Bernd Dickel aus Vöhringen: Im Februar wurden sie Vize-Europameister. Mit dem Frühling geht es für die Alaskan Huskies nun aber ruhiger zu.

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Den typischen Alaskan Husky gibt es nicht, denn die Hunde werden nach Leistung gezüchtet. Das Aussehen kommt aber nicht zu kurz, wie man an "Pepper" sieht.

"Gee" und "Haw". Das versteht jeder Schlittenhund von Alaska bis nach Vöhringen. Dort wohnen Bernd und Martin Dickel. Ihre zwölf Hunde wissen, dass sie bei "Gee" nach rechts, bei "Haw" nach links müssen: ein internationales Kommando im Schlittenhunde-Sport. Zum Rennen gehört aber mehr als Gehorsam: durchtrainierte Hunde, verlässliche Leithunde und ein erfahrener Musher. So heißt der Fahrer - und auch der muss fit sein: "Er muss den Hunden helfen, vor allem bergauf", sagt Martin Dickel. Auf einer Strecke von 40 oder 50 Kilometern liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit der Hunde bei 21, 22 Stundenkilometern. Da kommt auch der Fahrer ordentlich ins Schwitzen. Dass bei den Rennen Helmpflicht besteht, zeigt, dass es dort nicht gemütlich zugeht. "Wir fahren zum Teil auf präparierten Skipisten und steilen Serpentinen den Berg runter".

Der 22-Jährige hat bewiesen, dass er und seine Alaskan Huskies (siehe Infokasten) zu den Top-Teams zählen: Bei der Europameisterschaft im Februar im französischen Les Fourgs ist er Zweiter geworden. An drei Tagen musste das Team eine Distanz von jeweils rund 40 Kilometern bewältigen, auf denen zum Teil 1000 Höhenmeter überwunden wurden. Mitte Januar beim "Alpentrail", laut Vater Bernd Dickel einem der anspruchsvollsten Rennen in Europa auf bis 2500 Metern Höhe, ist Martin Dritter geworden. Jetzt ist die Saison vorbei. Die Dickels spannen ihre Alaskan Huskies bei mehr als sieben Grad plus nicht mehr ein - zu warm. "Die Hunde haben das ,Desire to go", sagt der 56-jährige Bernd Dickel. Soll heißen, dass die Tiere so verrückt aufs Laufen sind, dass sie ihre eigenen Grenzen nicht kennen. "Die laufen sich zu Tode, wenn man sie nicht zurückhält."

Jetzt - nach der Renn-Saison - geht es raus aus den Zwingern in Vöhringen-Thal auf eine Wiese, wo die Hunde einem Ball hinterher jagen. Auch fahren Martin oder Bernd Dickel mit den Hunden Rad: mit acht freilaufenden Hunden über eine Strecke von 20 Kilometern. "Das ist gut für die Kondition", sagt der Physikstudent Martin. Ärger habe er noch nie bekommen, wenn er mit den Hunden unterwegs ist. "Manchmal gucken die Leute." Die Vöhringer haben sich an den Anblick schon gewöhnt. Zudem achten die Dickels darauf, alle Hundehaufen einzusammeln. "Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden Hundebesitzer." Ab September werden die Alaskan Huskies wieder in einen Trainingswagen eingespannt. "Zum Krafttraining."

Die zwölf Hunde der Dickels sind keine verschmusten Haushunde - obwohl sich jeder gerne ein paar Streicheleinheiten abholt -, vielmehr sind es Hochleistungssportler, die ihren Platz im Rudel kennen. Dessen Chef ist - keine Frage - der Musher. Daher steht auch Gehorsamkeitstraining an. "Ohne Gehorsam geht es nicht", sagt Martin Dickel: Macht er beispielsweise das Tor zur Wiese auf, warten alle Hunde, bis er die Erlaubnis zum Losrennen gibt. Aber dann rennen sie. Da geht es volle Karacho auf der Wiese hin und her - die Hunde jagen sich gegenseitig, den Ball, springen über den Wassergraben - sind außer Rand und Band. Wer so rennt, braucht Kraft und entsprechendes Futter: "So zwischen sechs und acht Kilo Putenfleisch und zwei Kilo Trockenfutter verbrauchen wir am Tag", sagt Bernd Dickel. "Wir haben lange rumprobiert, und diese Mischung hat sich bewährt."

Mit dem Hundesport angefangen hat Bernd Dickel vor rund zwölf Jahren. "Weil ich viel auf lange Distanzen gelaufen bin, wollte ich einen Hund, der mitläuft", erzählt der Verwaltungsbetriebswirt. Dann hat er sich einen weiteren Hund ausgeliehen, um Schlittenfahren zu können. "Tja, und irgendwie hat sich das weiterentwickelt." Und ist zur Leidenschaft geworden, mit der er seinen Sohn angesteckt hat. Der steht seit er 14 ist auf dem Schlitten und ist genauso begeistert wie sein Vater: "Ein bisschen verrückt muss man wohl schon sein", sagt Bernd Dickel, dessen Jahresurlaub für die Trainingsfahrten draufgeht. "Über Weihnachten waren wir sicher seit sechs oder sieben Jahren nicht mehr daheim." Damit es in die Trainingsgebiete in den Alpen, etwa Langtaufers am Reschenpass, nicht so weit ist, ist die Familie vor zwei Jahren extra von Hessen gen Süden gezogen. Bereut hat sie das nie. Nicht nur der Hunde wegen, sagt Bernd Dickel: "Wir sind hier richtig toll aufgenommen worden."

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