Senden schafft Anlaufstelle und Platz für 350 Asylbewerber

Der Flüchtlings-Zuzug macht den Kommunen im Kreis weiter kräftig zu schaffen. Nach einem zweiten Brandbrief des Neu-Ulmer Oberbürgermeisters Gerold Noerenberg beteuert sein Sendener Kollege Solidarität.

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Für Sendens Bürgermeister Raphael Bögge ist ein zweiter Brief, den Neu-Ulms OB am 5. Januar an seine Kollegen geschickt hatte, ein berechtigter Hilferuf. „Wir dürfen Neu-Ulm nicht überbelasten“, sagte Bögge bei einem Pressegespräch und versicherte seinem CSU-Kollegen: „Wir kommen unserer Verantwortung nach.“

Gerold Noerenberg hatte in seinem Brief bei den Bürgermeistern erneut um mehr Aktivität zur Entlastung seiner Stadt geworben. Er erinnerte sie an die im Kreis beschlossene Selbstverpflichtung einer an der Einwohnerzahl orientierten Quote von 1,5 Prozent.

Viele Kommunen im Landkreis sind davon noch weit entfernt. Auch Senden, wo derzeit bei etwa 22.000 Bewohnern nur knapp 60 Asylbewerber leben. „Wir haben uns in Senden bisher nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte Bögge. Die Planungen seiner Verwaltung sähen nun aber vor, dass die Stadt bis zum Jahresende 350 Flüchtlinge unterbringen kann. Am Scharfen Eck (Gewerbegebiet Süd), in der Daimlerstraße und in anderen Gebäuden auf den Stadtgebiet sollen diese Menschen unterkommen.

Zusätzlich bereitet die Stadt die Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen „Asylhilfe Bayern“ vor. An drei Standorten, auf dem Weberei-Gelände, beim Haus Konrad in Ay und in Witzighausen, kann die Baugesellschaft nach Auffassung Bögges Asylunterkünfte bauen, die dann nach zehn Jahren automatisch mit Sozialzweck-Bindung in den Besitz der Stadt übergehen (wir berichteten).

Wichtig ist Bögge allerdings, dass auch die Sendener Ortsteile nicht ungleich und über Gebühr belegt werden. „Ein Dach über dem Kopf ist das eine, die Integrationsarbeit das andere“, sagt der Bürgermeister. Innerhalb Sendens gelte deshalb eine 5-Prozent-Quote.

Außerdem will die Stadt noch im Februar ein Integrationskonzept vorstellen, das derzeit in Zusammenarbeit mit dem ASB erstellt wird. Das Papier soll Kooperationen für die berufliche Qualifikation und für die ärztliche Versorgung von Flüchtlingen auf den Weg bringen, soll aufzeigen, was für eine erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in Senden zu tun ist. „Wir zeigen Lösungsansätze auf“, sagt Bögge. Und: „Wir sind mehr als dankbar, dass die Ehrenamtlichen unser System gerettet haben. Jetzt kommen wir aber an einen Punkt, an dem wir in der Verantwortung sind, die Ehrenamtlichen zu entlasten.“

Das soll unter anderem mit einer neuen Anlaufstelle im Sendener Rathaus geschehen. Dort soll es einen Ansprechpartner für Flüchtlinge (Bögge: „als Herbergsvater oder -mutter“), für die Bevölkerung und die ehrenamtlichen Helfer geben. „Wir machen das, weil wir sehen, dass die Mitarbeiter des Landratsamts am Limit sind“, sagte Bögge. Gesucht wird für den Job übrigens nicht zwingend ein Sozialarbeiter oder Verwaltungsexperte. „Ich könnte mir vielleicht auch vorstellen, dass wir einen anerkannten Asylbewerber einstellen.“

Darüber hinaus will der Sendener Bürgermeister das Thema Integration aber auch direkt an sein Büro anbinden – als Stabsstelle. Zum 1. Februar wird Raphael Bögge einen neuen Pressesprecher für die Stadt anstellen, der gleichzeitig die Themen Wirtschaftsförderung und Integration beackern soll. „Gerade bei der Integration ist die sachgerechte Kommunikation ja ein wichtiges Thema“, sagte Bögge. Ängste beim Asylthema entstünden auch aus Unwissenheit.

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