Schulverbund abgelehnt

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Auf der einen Seite die Weltethos-Schule Ay, die einen nicht zu bewältigenden Ansturm auf ihr Ganztagsangebot sieht. Auf der anderen Seite die Grundschule Senden und die Grundschule Wullenstetten, die in einer engeren Zusammenarbeit aller drei Grundschulen sogar die Chance sehen, das Ortsteildenken in Senden zu überwinden. Zwischen diesen beiden Polen hat sich am Dienstag im Schulausschuss die Diskussion zur Gründung eines Grundschulverbunds angespielt.

Vorgeschlagen von der Stadtverwaltung, unterstützt vom Staatlichen Schulamt, um unnötige Barrieren zwischen den Schulen einzureißen. Doch in der Debatte wurden diese Barrieren eher noch größer, und am Ende waren nur vier Stadträte und Bürgermeister Raphael Bögge dafür, das neue Instrument auszuprobieren, die Sprengel auf dem Papier zumindest abzuschaffen.

Besonders Claudia Schuster, ehemalige Rektorin der St.-Michael-Schule in Neu-Ulm und designierte Nachfolgerin der Ayer Schulleiterin Monika Janson, grenzte ihre Einrichtung klar ab. In der zertifizierten Weltethos-Schule würden den Kindern intensiver als an anderen Schulen Werte vermittelt. Sie sehe keine Synergieeffekte. Der offene Ganztag in Ay drohe überzulaufen. Und wenn Senden nun über die Schüler zusammenwachsen solle, dann sei das schon „traurig“.

Ganz anders sah das etwa Christine Kröner, Leiterin der Bürgermeister-Engelhart-Grundschule Senden: Die Schulen müssten sich noch mehr vernetzen, „globaler und für Senden denken“. Schon heute spreche sie regelmäßig mit ihrer Kollegin Hildegard Zinner aus Wullenstetten. „In einem Verbund müssen wir uns zusammensetzen.“ Der „horrende Zeitaufwand“, es zu organisieren, dass Schüler von ihrer Sprengel-Schule auf eine andere wechseln können, würde wegfallen. Heute laufen solche Gastschulanträge mehrere Runden über die Stadt und das Staatliche Schulamt – sei es, weil Freunde nicht auseinandergerissen werden wollen, es Deutschklassen oder das Fach Islamische Unterweisung nur an der Engelhart-Schule gibt oder nicht allzu vermögende Eltern von der kostenpflichtigen Mittagsbetreuung an der einen Schule auf das kostenlose Ganztagsangebot an der anderen Schule umsteigen.

Profile sollen erhalten bleiben

Weitere Argumente: Fortbildungen seien leichter abzurechnen, obwohl es keinen eigenen Etat für den Verbund geben soll, gemeinsame Elternarbeit sei leichter zu organisieren. Trotzdem könne ja jede Schule ihr Profil behalten: Senden und Wullenstetten sind als Sinus-Schule aufgestellt, mit Fokus auf mathematische und naturwissenschaftliche Bildung.

Maren Bachmann, SPD, gefiel die Verbund-Idee: „Ich sehe einen Vorteil darin, miteinander Gutes zu teilen.“ Bürgermeister Bögge fasste zusammen: „Der Grundschulverbund bietet die Möglichkeit, jedem Schüler das passende Bildungsangebot schaffen zu können.“ Seiner Einschätzung nach gehe es „um eine Handvoll Schüler“ pro Jahr, somit sei eine Klassen- und Raumplanung weiter möglich. Kosten entstünden keine, allenfalls die Ausgaben für die Schülerbeförderung könnten etwas steigen.

Das sahen vor allem die CSU-Stadträte kritischer. Fraktionsvorsitzende Claudia Schäfer-Rudolf wähnte die Schülerbeförderungskosten in ungeahnte Dimensionen wachsen. Walter Wörtz meinte, durch den Abbau der Sprengel könne eine Situation entstehen, „die wir nicht mehr steuern können“.

Er war es, der letztlich den Antrag stellte, die Entscheidung um ein Jahr zu vertagen. Nachdem die Stadtverwaltung für den Verbund – zunächst nur mit Senden und Wullenstetten – keine Mehrheit bekam, waren letztlich alle für den CSU-Antrag.

Regelung Heute ist klar vorgegeben – bis auf einzelne Wohnhäuser heruntergebrochen – welche Grundschule Kinder besuchen müssen. Abweichungen lassen sich nur mühevoll und mit großem bürokratischen Aufwand organisieren. In einem Grundschulverbund, der durch eine Gesetzesänderung in Bayern möglich geworden ist, werden die Sprengel zusammengelegt. Wechseln geht leichter. Die Schulen bleiben zwar rechtlich eigenständig, dennoch stünden ihre Bildungsangebote allen Kindern offen. Die Kommune kann die Schulleitungen nicht zu einer Teilnahme am Schulverbund zwingen.

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