Ruhe am Oberelchinger Gnadenaltar finden

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Viele Gläubige sind zur gestrigen Andacht in die Klosterkirche in Oberelchingen gekommen.  Foto: 

Gut besucht war der Festgottesdienst in der Klosterkirche gestern Vormittag. Der Freitag vor Palmsonnntag hat für Oberelchingen als Wallfahrtsort und Sitz der Bruderschaft der sieben Schmerzen Mariens seit mehr als 300 Jahren eine besondere Bedeutung. Die Andachten und Gottesdienste eine Woche vor Karfreitag „waren schon immer was Gewaltiges“, sagt Edwin Zey. Die „wehmütigen Lieder“ und die Feiern hätten ihn bereits als Jugendlichen fasziniert.  Gefreut habe er sich aber stets auch auf das Trinkgeld, das Wallfahrer aus Leibi, Nersingen und anderen Orten der Umgebung springen ließen, wenn sie ihre Fahrräder und Mopeds bei der Oberelchinger Familie unten im Tal abstellten. Von dort ging es zu Fuß den „Heiligen Berg“ hinauf, erinnert sich Zey.

Miteinander beten

Den Pilgern aus Straß, so habe man sich erzählt, hätten Steine in den Schuhen das Büßen spürbar gemacht. Ihm selbst sei es als Ministrant mal passiert, dass er zu früh in der Kirche ankam und prompt vom Pfarrer in den Beichtstuhl beordert wurde. Den Dienst am Marienaltar habe er bis heute als etwas Besonderes in Erinnerung, so der 64-Jährige. Margit Herschel ist als „Reigschmeckte“ in die Oberelchinger Festtage   hineingewachsen und wurde  Mitglied in der Bruderschaft. Daran sei ihr persönlich vor allem wichtig, „dass wir alle füreinander und miteinander beten“ – wie es in der Satzung verankert ist. Sie lebe seit mehr als 40 Jahren in Oberelchingen und gehe häufig in die Klosterkirche. „Am Gnadenaltar findet Ruhe, wer aufgewühlt ist“, sagt sie. Das bestätigt ein Wallfahrer aus Pfaffenhofen, der regelmäßig nach Oberelchingen pilgert.

Dass es die Gläubigen hierherzieht, sei kein Zufall, sagte Prior Stefan Kling in seiner Predigt beim Festgottesdienst. Er verwies auf zwei „konkurrierende Marienfiguren“ in der Klosterkirche. Dabei stehe die kunstgeschichtlich bedeutende, dem Bildhauer Christoph Rodt zugeschriebene Statue der „Himmelskönigin“ im Schatten einer „umgebauten Madonna“: Die Maria des Gnadenaltars sei älteren Ursprungs und im 17. Jahrhundert umfunktioniert worden zur Schmerzensmutter. Nicht die „Queen“, sondern „der Umbau, der so verheult nach oben schaut“, habe den prächtigsten Altar in der Kirche bekommen, werde in wechselnde Gewänder gekleidet – und von Verzweifelten aufgesucht. Die Gläubigen hätten in der „dunklen Epoche“ des Dreißigjährigen Kriegs ein „Andachtsbild gebraucht, das die Schmerzen und die Schwertstöße“ sichtbar mache. Es verdeutliche: Maria habe trotz größten Leids Hoffnung und Gottvertrauen bewahrt. Sie stehe daher auch für den Glauben an Gerechtigkeit angesichts schreiender Ungerechtigkeit und den Glauben ans Leben angesichts des Todes.

So verweise der Schmerzensfreitag auf die Karwoche und auf Ostern, hob der Prior aus Roggenburg hervor. Auch für ihn sei das Bruderschaftsfest vor Palmsonntag die „Einstimmung auf Ostern“, sagt Edwin Zey. Genauso wie er sich damals über den schulfreien Tag gefreut hat, geht es den Ministrantinnen und Ministranten heute: „Die Schulbefreiung ist gut“, sagt Leonie. Aber auch der Gottesdienst „mit mehreren Pfarren“ habe sie beeindruckt, betonen Leonie, Lara und Antonia, die erstmals am Schmerzensfreitag Dienst hatten. Schon öfter dabei war Theresa. Ihr hat die Predigt gefallen. Außerdem sei der Schmerzensfreitag ein besonderer Feiertag – und eine nicht unwillkommene  Verlängerung der Osterferien.

Titularfest Seit dem 18.Jahrhundert gedenken die Katholiken eine Woche vor Karfreitag der sieben Schmerzen Mariens. Der „Schmerzensfreitag“ ist das Titularfest der Oberelchinger „Bruderschaft der sieben Schmerzen Mariens“. Sie wurde 1644 gegründet als Gebetsgemeinschaft von Frauen und Männern. Im Jubiläumsjahr 2014 hatte die Bruderschaft mehr als 450 Mitglieder im In- und Ausland. Der Schmerzensfreitag ist neben dem Hohen Umgang, dem Hauptfest der Oberelchinger Bruderschaft (zehn Tage nach Fronleichnam), ein herausragender Termin im Elchinger Wallfahrtskalender.   

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