Praktikum de Luxe für Mittelschüler

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Kaan, Abdurrahman, Atilla und Karim sitzen in Maler-Overalls am Tisch: Die Achtklässler beraten sich mit Nathalie Grein von der Malerei Höhn über die nächsten Arbeitsschritte. Ihre Aufgabe: Den Flur im Ganztagsbereich der Werner-Ziegler-Mittelschule streichen und verschönern. Eine Woche lang haben sie dafür Zeit. Die glänzende graue Farbe für die Wände haben sich die Schüler selbst ausgesucht. Doch dass sie nicht einfach loslegen konnten, hat sie überrascht: „Wir wussten gar nicht, dass man vor dem Malern die Wände abschleifen muss!“, sagt Kaan. Und das Abkleben sei anstrengend gewesen. „Am besten ist das richtige Malen“, sagt Abdurrahman.

Die  Schüler nehmen an dem  Berufs-Orientierungsprojekt „Was für mich?“ teil, dass die Sendener Mittelschule initiiert hat. „Die Schüler wollen seit vielen Jahren immer das Gleiche werden“, sagt Schulleiterin  Birgit Plechinger. Büroberufe, Einzelhandel und Kfz-Mechatroniker sind die beliebtesten Ausbildungsstellen. Da auch Realschüler und Abiturienten in diese Berufe drängen, haben die Mittelschüler hier oft das Nachsehen. In vielen anderen Ausbildungsberufen würden jedoch händeringend Lehrlinge gesucht, sagt Plechinger. „Wir wollen die Schüler dafür motivieren, sich einmal etwas anderes anzuschauen.“

Die Mittelschule verknüpft das Thema Berufsorientierung mit dem Wunsch der Schüler, Pausenhof und Schulgebäude zu verschönern. „Ich hab ihnen gesagt: Ich suche Firmen, die eure Ideen mit euch zusammen in der Schule umsetzen“, sagt Plechinger. Zehn Firmen erklärten sich bereit, mit den Schülern zu arbeiten. Die Kosten für das Projekt teilen sich Stadt und Agentur für Arbeit. Neben Materialkosten fällt Honorar für die Betriebe an, 30 Euro pro Stunde.

„Es ist ein Praktikum de luxe“, sagt Birgit Plechinger. „Die Schüler haben in Vierergruppen einen Ausbilder für sich, laufen nicht einfach mit.“ Und sie lassen sich auf Berufe ein, die sonst nur wenige Jugendliche für ein Praktikum aussuchen. In dieser ersten Projektphase können sich die Achtklässler etwa bei einem Beton- und Stahlbetonbauer ausprobieren. Dort stellt eine Schülergruppe Sitzgelegenheiten für den Pausenhof her. Bei einem Schreiner fertigen andere Jugendliche Hocker für die Aula.

Chance bei der Schneiderin?

Auch ein Schneiderbetrieb ist mit im Boot: Bettina Schließer vom gleichnamigen Sendener Maßatelier näht mit drei Schülerinnen zusammen Kostüme für eine Theateraufführung. Für 2017 sucht die Schneiderin eine Auszubildende. Vielleicht eine Möglichkeit für Steffi und Jovana, die in dieser Woche eine gemusterte Weste und eine Anzughose mit Reißverschluss entworfen und genäht haben. Gefallen würde ihr das schon, sagt Steffi. Sonja Fiedler

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