Politik findet Kompromiss zur Geburtshilfe in Illertissen

Der Kreis Neu-Ulm arbeitet sich aus dem Strudel der Krise und bereitet den Weg für die Strategiediskussion: Freudenberger wirbt um Unterstützung.

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Es bleibt bei der Dreiklang-Methode: In der Defizit-Krise der Kreisspitalstiftung hat der Kreis  Neu-Ulm in diesem Haushaltsjahr eine höhere Verschuldung akzeptiert und ein negatives Jahresergebnis. Die Kommunen haben stärker als gewohnt in den Kreishaushalt eingezahlt. Rund 13 Millionen Euro galt es an Defiziten der drei Krankenhäuser, entstanden in den Jahren 2015 und 2016 auszugleichen. Die Jahresrechnungen dieser Jahre sind inzwischen aufgearbeitet und haben gestern in einer weiteren Arbeitssitzung des Krankenhaus-Ausschusses gemündet. In der dreistündigen Diskussion haben sich wiederum drei Eckpunkte in Vorbereitung für die Kreistagssitzung in der kommenden Woche herausgeschält.

Betrieb Die Daten sind so weit analysiert, dass sich Leitlinien für die Zukunft ergeben. „Viel Arbeit für wenig Geld“, der Satz von Isabell Schönhensch, spezialisiert auf Controlling, zieht sich durch viele Bereiche des Klinikalltags. Übersetzt: Der hohe Patientenzuspruch hatte zuletzt immer weniger Einnahmen erzeugt. Entsprechend tief geht die Analyse in die Arbeit der Abteilungen. Allen gemeinsam ist der Ansatz, die Verweildauer, die Belegung von Betten und die Verlegung von Patienten so zu organisieren, dass die „Normalstationen sich wieder gegenfinanzieren“. Spezialität Stiftungsklinik in Weißenhorn: Die stationäre Organisation des Schlaflabors gelte es zu prüfen, bundesweit seien Schlaflabore ambulant aufgestellt. Unangetastet bleibt die Palliativmedizin –„aus ethischen Gründen“.

Politik Mehr als eine Million Euro ließe sich an Defizit im Jahr einsparen, wenn die Notfallaufnahmen von rein ambulanten Fällen entlastet wären. Ein reines Abrechnungsproblem: Krankenhäuser bekommen kein Geld für die Behandlung von leichten Verletzungen und Erkrankungen, um die sich auch die niedergelassenen Praxen, organisiert von der kassenärztlichen Vereinigung, hätten kümmern könnten. Diese und einige andere Bestimmungen des seit Januar 2016 gültigen Krankenhaus-Strukturgesetztes rufen Widerstand hervor. Und dass vor allem kleinen und mittleren Klinken das Wasser abgegraben werden solle. Landrat Thorsten Freudenberger verweist hier auf eine Initiative von sieben Landräten – auch mit Heiner Scheffold vom Alb-Donau-Kreis. „Dazu wird Berlin noch einiges zu hören bekommen.“

Strategieprozess/Geburtshilfe Der Alb-Donau-Kreis hat seine Geburtshilfe-Station in Langenau, der Kreis Neu-Ulm seine in  Illertissen eingebüßt. Auf der bayerischen Seite hat dies vor einem Jahr einen Bürgerentscheid nach sich gezogen – für den Erhalt der Geburtshilfe zwischen den Oberzentren Ulm/Neu-Ulm und Memmingen. Die weitere Bindungspflicht des Entscheids, solange der Kreistag keinen anderen Beschluss fasst, hat der Ausschuss auf Vorschlag von Freudenberger gestern bekräftigt. Und empfohlen, die Umsetzung in den Strategieprozess für die Kreiskliniken verbindlich aufzunehmen – auch wenn der Aufbau von Abteilungen „zahlreichen Unwägbarkeiten unterliegt, deren Einschätzung aus heutiger Sicht unmöglich ist“.

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Erfolg Die beiden Häuser in Weißenhorn und Illertissen werden von 2018 an als ein Krankenhaus im bayerischen Krankenhausplan geführt. Damit wird ein Beschluss aus dem Jahr 2004 umgesetzt, als die Illertal- und die Neu-Ulmer Donauklinik unter  das Dach der Kreisspitalstiftung geschlüpft sind. Was wie ein bürokratischer Akt des Nachholens klingt, ergibt laut Stiftungsdirektorium und Klinikbeirat einige Vorteile im Alltag. Vor allem ergebe sich dadurch Expansionspotenzial ohne Abschläge im Abrechnungssystem der Krankenhaus-Finanzierung. Die beiden Häuser bilden künftig einen Wirtschaftsplan.

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