Podiumsdiskussion: Was kann die Politik fürs Handwerk tun?

Bei einer Podiumsdiskussion in Weißenhorn machten die Kreishandwerker ihre Wünsche an die örtlichen Bundestagsabgeordneten deutlich.

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Das Podium: Matthias Stelzer, Georg Nüßlein, Ekin Deligöz, Karl-Heinz Brunner, Ronald Hinzpeter.  Foto: 

Die Handwerksunternehmen leisten Tolles nicht wegen, sondern trotz der politischen Rahmenbedingungen. So die Meinung von Kreishandwerksmeister Michael Stoll bei der von Kreishandwerkerschaft und Bund der Selbständigen organisierten Veranstaltung im Fuggerschloss. Rund hundert Handwerker aus der Region fühlten dabei den Abgeordneten Karl-Heinz Brunner (SPD), Ekin Deligöz (Bündnis 90/Die Grünen) und Georg Nüßlein (CSU) auf den Zahn. Moderatoren waren der Regionalchef der SÜDWEST PRESSE, Matthias Stelzer und Ronald Hinzpeter von der Neu-Ulmer Zeitung.

Oft als Vorzeigesystem gelobt, sei die duale Ausbildung im Handwerk dem Bund in den letzten Jahren deutlich weniger Geld wert gewesen als die Hochschulbildung, rechnete Stoll vor. Er forderte eine „gleichmäßigere Gewichtung“. In Euro lasse sich Bildung nicht messen, entgegnete Nüßlein. Er sprach von der „Erwartung“ vieler Eltern, ihr Kind müsse studieren. Es müsse mehr fürs Handwerk geworben werden, auch mit den vergleichbaren Verdienstmöglichkeiten. Elin Deligöz brachte einen besseren Zugang zum Meisterbafög, einen Büchergeldzuschuss für Azubis und eine frühere Berufsorientierung ins Gespräch. Karl-Heinz Brunner forderte höhere Investitionen in Bildungszentren und eine Stärkung des Meisterbriefs. Dass die 2004 in vielen Handwerken abgeschaffte Meisterpflicht wieder verschärft werden muss, darin waren sich die Politiker einig. Dass angesichts steigender Energiepreise nur große Industrieunternehmen, nicht aber Handwerksbetriebe wie Bäcker entlastet werden, ärgert viele. Deligöz verteidigte das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Würde Großindustrie nicht subventioniert, könne Strom billiger werden. Wie Deligöz sprach Brunner von den Vorteilen einer CO2-Steuer. Nüßlein sagte, die EEG-Umlage sei zu kostenintensiv. Er kritisierte die Förderung der Solarenergie durch Rot-Grün als „zu früh, zu teuer“.

Was angesichts der Schadstoff-Diskussion mit den Dieselfahrzeug-Flotten der Betriebe passieren wird? Die Abgeordneten, bekennende  Dieselfahrer, schätzten die Situation unterschiedlich ein: Für Nüßlein gibt es angesichts einer gesunkenen Schadstoffbelastung der Luft „kein akutes Problem“. Deligöz forderte eine „neue Mobilität“ mit E-Autos und anderen Konzepten, dazu mehr Ehrlichkeit der Hersteller. Und Brunner sah die deutschen Tüftler in der Pflicht, Innovationen umzusetzen.

Schärfe in die Diskussion brachte die Frage nach der Zukunft von Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern, die einen Ausbildungsplatz in Aussicht haben. Für Nüßlein haben sie kein Bleiberecht. Es mache „keinen Sinn, Leuten aus sicheren Herkunftsländern ein Praktikum anzubieten“. Brunner und Deligöz hielten dagegen: Jeder Asylbewerber habe vor einer Abschiebung das Recht auf eine individuelle Prüfung seines Falls. Menschen wie Betrieben müsse eine Chance gegeben werden. Klar sei auch: Asylrecht löse keinen Fachkräftemangel.

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