Pfaffenhofener Bücherei ist ein „kleines Paradies“

Etwas versteckt ist sie in der Hermann-Köhl-Schule untergebracht. Dennoch ist die Pfaffenhofener Bücherei ein lohnendes Ziel für Leseratten jeden Alters.

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Reichlich Lesestoff: Die Pfaffenhofener Bücherei-Leiterin Kerstin Härle (rechts) mit einer Leserin.  Foto: 

Klein, aber fein. So lässt sich die Gemeindebücherei Pfaffenhofen beschreiben. Auf rund 100 Quadratmetern gibt es vom aktuellen Bestseller bis zum neuen Bilderbuch alles, was sich Bücherfans wünschen. Der besondere Augenmerk von Bücherei-Leiterin Kerstin Härle gilt der Leseförderung der Jüngsten – fast die Hälfte des Bestands von rund 15.000 Büchern, Zeitschriften und Hörbüchern ist für Kinder und Jugendliche bestimmt.

Das liegt auch an der Geschichte der „Schul- und Gemeindebücherei“, wie sich die Einrichtung offiziell nennt. Aufgebaut wurde sie 1975 von Ina-Maria Schmidt, einer gelernten Bibliothekarin, deren Mann als Lehrer an der Hermann-Köhl-Schule unterrichtete. Schmidts Ansatz: Die Pfaffenhofener Schüler sollten möglichst unkompliziert an Lesestoff und die Lehrer an Unterrichtsmaterial kommen. Die Bücherei in der Schule unterzubringen, war deshalb optimal.

Von Beginn an hatte Schmidt, die inzwischen im Ruhestand ist, aber im Notfall immer noch in der Bücherei aushilft, aber auch die erwachsenen Pfaffenhofener als Leser im Blick. Für sie schaffte sie Romane und Sachbücher an. Inzwischen kommen täglich rund 60 Besucher in die Bücherei, vor den Ferien sind es auch mal 150.

Schule und Öffentlichkeit

Das Zusammenspiel von Schul- und öffentlicher Bücherei funktioniere auch heute noch gut, sagt Kerstin Härle, die die Bücherei seit 2014 leitet und zuvor als Buchhändlerin arbeitete. Ihr Wunsch sei es, Kinder möglichst früh mit der Bücherei bekannt zu machen, sagt Härle. Einmal im Monat veranstaltet sie deshalb eine Vorlesestunde für Fünf- bis Achtjährige, in der Adventszeit gibt es ein Bilderbuchkino.

Um die Bedeutung des Vorlesens für den späteren schulischen Erfolg darzustellen und auf das große Bilderbuch-Angebot der Bücherei hinzuweisen, veranstaltet sie regelmäßig Eltern-Info-Abende im Kindergarten. In der ersten Klasse werden die kleinen Pfaffenhofener dann automatisch selbst Bücherei-Kunden: Zum Halbjahr, wenn sie alle Buchstaben gelernt haben, bekommen sie einen eigenen Leseausweis. Dabei zeigt Härle den Sechs- und Siebenjährigen auch gleich die Regale, wo Lesestoff für sie bereit steht: Dutzende Erstleserbücher, nach Schwierigkeitsgrad geordnet. Bis zum Abschluss der 9. Klasse behalten die Schüler den Leseausweis.

Für Lehrer stellt Härle Medienkisten zu Unterrichtskisten zusammen, etwa zur Geschichte des Ozeanfliegers Hermann Köhl aus Pfaffenhofen, zu Haustieren oder zu Olympia. Auch können die Lehrer Klassenlektüre bei Kerstin Härle ausleihen. „Das läuft alles sehr reibungslos, weil die Wege so kurz sind.“

Für ihre erwachsenen Kunden, die sie fast alle beim Namen kennt, hält Härle stets die aktuellen Bestseller bereit. „Ich halte den Bestand ständig aktuell, das erwarten die Leute.“ Auch Zeitschriften und Sachbücher zu gefragten Themen hat sie im Bestand. Um zu wissen, was den Lesern gefallen könnte, lese sie wöchentlich mindestens ein Buch, sagt die gelernte Buchhändlerin.

Bücherei bekannter machen

Dass sie die Bücherei eigenständig führen und sich auf die finanzielle Unterstützung der Marktgemeinde Pfaffenhofen  als ihrem Arbeitgeber verlassen kann, findet die 46-Jährige einfach nur „ganz toll“. „Ich bin schon dankbar, dass sich Pfaffenhofen die Bücherei als Aushängeschild leistet“, betont sie.

In Zukunft möchte Kerstin Härle die Bücherei in der Köhl-Schule „ein bisschen bekannter machen“. Denn vielen Neubürgern sei gar nicht klar, dass es in der Pfaffenhofener Schule auch eine öffentliche Bücherei gebe, sagt sie. Abhilfe soll unter anderem ein Flyer schaffen, der neu Hinzugezogenen bei der Anmeldung im Rathaus mitgegeben wird. Auch optisch wird sich in der Bücherei etwas tun: Härle hofft, dass 2018 die aus den 1970er Jahren stammenden Regale ausgetauscht werden.

Alles in allem halte sie ihre Arbeit in der Einrichtung für den „absoluten Traumjob“, sagt Bücherei-Leiterin Härle. „Die Bücherei ist mein kleines Paradies, mein Baby.“

Ferien Die Pfaffenhofener Gemeindebücherei ist im Erdgeschoss der Hermann-Köhl-Schule in der Schulstraße 21 untergebracht. Sie ist jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 15 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. In den Schulferien ist die Bücherei der Marktgemeinde geschlossen.

Beitrag Für Kinder und Jugendliche ist das Ausleihen in der Bücherei kostenlos, Erwachsene zahlen in der Einrichtung drei Euro Jahresgebühr.

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