Palliativversorgung im Kreis Neu-Ulm: Mitfühlende Begleiter

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Von links: Monika Zanker und Petra Scheuer vom SAPV, Reinhard Danzer, Wolfgang Schreml.  Foto: 

Leben bis zuletzt“, das ist für die Mitarbeiter der SAPV (spezialisierte ambulante Palliativversorgung) in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg mehr als ein Slogan. Im Verbund mit Hausärzten, Pflegediensten und stationären Einrichtungen unterstützen sie seit einem Vierteljahr Todkranke und deren Angehörige dabei, die letzte Zeit zuhause verbringen zu können. Dass das gut gelingt, davon zeugen Bilder und Dankesbriefe in der Geschäftsstelle des neuen Sozialdiensts im Weißenhorner Wirtschafts- und Bildungszentrum.

In der SAPV beraten erfahrene Ärzte und Pfleger die Familien über alle Möglichkeiten einer Versorgung zuhause, helfen dabei, belastende körperliche Symptome in den Griff zu bekommen und begleiten die Betroffenen durch die schwere Zeit, auch mit Unterstützung von Psychologen und Seelsorgern. Die Patienten haben einen gesetzlichen Anspruch auf diese Leistungen. Dabei gehe es darum, die Lebensqualität des Patienten und nicht die Krankheit in den Mittelpunkt zu stellen, erklärt Reinhard Danzer, Geschäftsführer der Palliativdienst Mittelschwaben. Die gemeinnützige Gesellschaft bietet die SAPV in den beiden Landkreisen an. Wichtig sei eine kompetente und mitfühlende Begleitung, um den Betroffenen Sicherheit zu geben.

Zu dieser Sicherheit trage bei, dass die SAPV eine 24-Stunden-Rufbereitschaft anbiete. Die werde aber fast nie benötigt, da der Palliativdienst die Betroffenen schon vorab mit einem mehrstufigen Notfallplan auf Krisen vorbereite: „Wir sind nicht die Retter der Welt“, betont Danzer. „Aber die meisten Probleme bekommen wir in den Griff.“ Teamarbeit ist für den Geschäftsführer unerlässlich. Deshalb ist Danzer froh über die Netzwerke, auf die der Dienst zurückgreifen kann. Neun Gesellschafter, von den Sozialdiensten der Kirchen bis zu den Hospizvereinen, stehen hinter der gemeinnützigen GmbH. Darüber hinaus Professor Wolfgang Schreml, ein Onkologe und vielfach ausgezeichneter Palliativmediziner, der auch im Ruhestand unermüdlich an der Verbesserung der Palliativ­versorgung arbeitet.

Auch das Verhältnis zu Pflegediensten und Hausärzten ist gut. Die SAPV nehme weder den Pflegediensten noch den Ärzten Patienten weg, sondern sei „ein Add-on“, es gebe einen ständigen Austausch, etwa über Schmerztherapie und Pflege, betont Danzer. Er ist froh über das gute Miteinander: „So haben wir optimale Bedingungen.“ Das SAPV-Team möchte in der Versorgung „eine Konstante sein.“ Deshalb beginnt die Arbeit bereits vor der Entlassung eines Schwerstkranken aus der Klinik, auch wenn diese nicht mit der Krankenkasse abgerechnet werden kann.Große Anerkennung zollt Danzer seinem siebenköpfigen Team, das er als über die Maßen motiviert und kompetent bezeichnet. 112 Patienten wurden bereits betreut, über die Überstunden habe bislang niemand geklagt.

Dabei war zum Start des SAPV keinesfalls klar, ob der neue Dienst in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg angenommen wird. Mitarbeiter mussten eingestellt und bezahlt werden, ohne dass ein einziger Patient betreut wurde. Die Zusage beider Landkreise, die SAPV ideell und finanziell (der Landkreis Neu-Ulm zahlte 25 000 Euro zum Start und bewilligte ein Darlehen von bis zu 80 000 Euro) zu unterstützen, habe den Start der ambulanten Palliativversorgung und die Finanzplanung erleichtert, sagt Danzer: „Wir hätten ja sonst nicht gewusst, wie wir uns selbst bezahlen können.“

Versorgung Im Alb-Donau-Kreis übernehmen drei Teams die spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Weil es im Kreisgebiet Gemeinden gab, die nicht betreut wurden, einigte sich diese drei im Jahr 2015, das Kreisgebiet so aufzuteilen, dass es keine weißen Flecken mehr bei der Betreuung gibt: Das Ulmer SAPV-Team deckt seither den Bereich von Erbach, Blaubeuren, Ulm bis nach Altheim/Alb und Langenau ab, das Team Filstal aus Geislingen betreut Menschen von Lonsee über Westerheim bis Heroldstat, das Team Biberach übernimmt den südlichen Alb-Donau-Kreis mit dem Großraum Ehingen.

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