Nur noch für Nostalgiker ein Bauwerk von Wert

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Wird nicht mehr benötigt und kann weg: der alte Weißenhorner Busbahnhof.  Foto: 

Längst hat der neue, gerade erst eingeweihte Busbahnhof neben dem Weißenhorner Bahnhofsgebäude dem „Alten“ den Rang abgelaufen. Ein Schmuckstück ist das kleine Gebäude an der Illerberger Straße ohnehin längst nicht mehr. Der Kiosk wird nicht mehr betrieben, die Wände sind beschmiert, an manchen Ecken riecht es streng. Nun hat der Abbruch begonnen.

Andreas Kierndorfer, Pächter der Schlossgaststätte, ist froh, dass der alte Busbahnhof verschwindet. Der Ausblick von der Restaurantterrasse des „Anno 1460“ auf den heruntergekommenen Betonbau sei „nicht so hübsch“ gewesen. Zudem ist Kierndorfer froh, dass durch den Abriss kurzfristig zusätzliche Parkplätze entstehen. Weißenhorn wachse und gedeihe und es gebe immer neue Angebote, da täten ein paar Stellplätze mehr gut.

Auch wenn dem alten Busbahnhof in seinem jetzigen Zustand kaum einer eine Träne nachweint – in den sozialen Netzwerken wird das Ende der „BUHA“ mit einer gehörigen Portion Nostalgie kommentiert. Schließlich diente das Wartehäuschen der Weißenhorner Jugend jahrelang als Treffpunkt. „Bravo kaufen, 10er Wassereis und Hausaufgaben abschreiben“, das verbinde sie mit dem alten Busbahnhof, schreibt eine Weißenhornerin bei Facebook. Andere erinnern sich an Bier und Glühwein, ehe es auf den Gumpigen ging, an Flirts, an spontane Partys. Insgesamt sei am alten Busbahnhof früher wohl mehr Bier getrunken worden als in allen Kneipen zusammen, schreibt einer auf Facebook. Mit dem Wartehäuschen verschwinde „wieder ein Teil aus der Jugend“.

Nur noch einmal rückte der alte Busbahnhof in den vergangenen Jahren so richtig in den Mittelpunkt des Interesses: Bei der Kulturnacht im Mai verwandelte das Team des Weißenhorner Heimatfilms „Landrauschen“ das heruntergekommene Häuschen in die „Landrauschen-Lounge“. Neben Rock und Kabarett gab es neue Infos zum fast fertigen Film.

Seit Montag sind nun Bauarbeiter dabei, den alten Busbahnhof Stück für Stück abzureißen. Nur wenige Tage noch, dann dürfte das Häuschen samt Kiosk und Toiletten verschwunden sein. Der alte Busbahnhof werde einfach nicht mehr gebraucht und sei nun wirklich kein Hingucker mehr, sagt dazu Claudia Graf-Rembold von der Bauverwaltung. Ideen, was dort langfristig entstehen könnte, gab es bereits. Immer wieder war die Rede von einem zusätzlichen Parkplatz, SPD und WÜW sprachen sich gar für den Bau eines Parkdecks an der Illerberger Straße aus.

Doch daraus wurde bisher nichts. Sämtliche Pläne seien auf Eis gelegt worden, so Graf-Rembold. Als Grund nennt sie das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek), das derzeit erarbeitet wird. Im Isek, so die Mitarbeiterin der Bauverwaltung, würden unter Beteiligung der Bürger verschiedene Ideen und Möglichkeiten zusammengefasst. Und das gelte eben auch für den Bereich des alten Busbahnhofs.

Drehscheibe Mit Zughalt, saniertem Bahnhofsgebäude, Abstellplätzen für Autos und Räder und einem zentralen Omnibus-Bahnhof sei Weißenhorn nun „Mobilitätsdrehscheibe“, so Bürgermeister Wolfgang Fendt. Das als „Weißenhorner Band“ bekannt gewordene Dach des Busbahnhofs war zwar umstritten, ist aber ein weithin sichtbares architektonisches Merkmal.

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