Neue Gesichter auf dem Fahrradübungsplatz Neu-Ulm

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    Voll bei der Sache: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4b von der Grundschule Wullenstetten radeln auf dem Verkehrsübungsplatz in Neu-Ulm. Foto: 
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    Oberkommissar Robert Fiebig von der Polizei Weißenhorn ... Foto: 
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    ... und Hauptmeisterin Simone Heger aus Senden sind neu auf dem Platz. Foto: 
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Kurz gerät das Mädchen ins Schlingern, als sie auf dem Fahrrad ihren Arm ausstreckt, um zu zeigen, dass sie abbiegen will. Und dann lenkt auch noch das Eichhörnchen ab, das gerade einen Baum neben der Straße hochklettert. Trotzdem fährt das Kind tapfer weiter, schaut sich um und biegt schließlich im weiten Bogen ab. Von den anderen Schülerinnen und Schülern der Klasse 4b der Grundschule Wullenstetten gibt es Applaus. Immerhin hat sich das Mädchen als Allererste dem Links­abbiegen gestellt – einer Situation, die oft zu Unfällen führt.

Wirklich gefährlich war das Ganze aber nicht. Schließlich befinden sich die Grundschüler nicht im echten Straßenverkehr, sondern auf dem Fahrradverkehrs­übungsplatz in Neu-Ulm. Hier zeigen ihnen Simone Heger und Robert Fiebig, wie man sich verhält, um auf dem Fahrrad sicher ans Ziel zu kommen. Die beiden Polizisten arbeiten erst seit September auf dem Trainingssplatz hinter der Ratiopharm-Arena. Zuvor absolvierten sie einen etwa zweiwöchigen Lehrgang, der sie auf die Verkehrserziehung von Kindern vorbereitet hat. Das sei nicht jedermanns Sache auf dem Revier, sagt Heger. Ihre wohl schon: „Es liegt mir, mit Kindern zu arbeiten.“

Weil die Stadt Senden keinen eigenen Trainingsplatz besitzt, kommen die Kinder aus den vierten Klassen im Ort dieses Jahr nach Neu-Ulm. Mit ihnen auch Heger, die ansonsten in Senden als Polizistin arbeitet. Bis Ende Oktober steht die 42-Jährige jetzt auf dem Platz. Dann werden alle Klassen aus Senden den Kurs durchlaufen haben und Heger in den Schichtdienst zurückkehren.

Fiebig, der sie unterstützt, kommt von der Polizei Weißenhorn, die bei der Verkehrserziehung mit den Sendener Kollegen kooperiert. „Ich wollte einfach mal was anderes machen, nach 20 Jahren Schichtdienst“, antwortet der 46-Jährige auf die Frage nach seiner Motivation mit den Grundschülern zu arbeiten. Wie Heger hat auch er drei Kinder. Zwei von ihnen haben den Fahrradkurs auf einem anderen Übungsplatz schon hinter sich gebracht. Seinem dritten Kind steht das Training, wie allen Grundschülern, noch bevor.

Für die Kinder der 4b scheint das mehr Abenteuer als nervige Pflicht zu sein. Sie sind mit Überzeugung und Konzentration bei der Sache. Die praktische Prüfung zum „Fahrradführerschein“ werden sie wohl Mitte Oktober absolvieren. Wer diese und die theoretische Prüfung in der Schule besteht, erhält einen Ausweis und einen Wimpel – für die Kinder ein Highlight. Anschließend geht es raus aus dem abgezäunten Übungsplatz zu einer Fahrt in den „Realraum“, wie die beiden Polizisten den echten Verkehr draußen nennen.

Bis dahin müssen manche der Schüler aus der 4b aber noch etwas üben. Einige haben etwa Schwierigkeiten, beim einhändigen Fahren das Gleichgewicht zu halten. Es gebe Klassen, in denen nur etwa jedes fünfte Kind auch wirklich sicher im Sattel sitzt, erzählt Heger. Mit Fiebig ist sie sich einig: Das Wichtigste, was Eltern tun können, damit ihre Kinder sicher unterwegs sind, ist das Fahrradfahren mit ihnen früh zu üben. Bis es sitzt.

Schulbeginn Im Schuljahr 2017/2018 werden alle Schülerinnen und Schüler vierter Klassen im Alb-Donau-Kreis wieder Fahrradtrainingskurse besuchen können. Ein Jahr zuvor war das etwa 60 Klassen verwehrt geblieben. Grund war damals akuter Personalmangel, weil viele Mitarbeiter des Referats „Prävention“ bei der Polizei erkrankt waren. Da die Kurse lange im voraus abgesprochen und die damals 18 Mitarbeiter für den Rest des Jahres komplett ausgelastet waren, ließen sich auch keine Ersatztermine vereinbaren. Dieses Mal soll laut Polizei alles nach Plan laufen.

Lehrplan Eigentlich sind die Fahrradkurse für die Schulen verpflichtend. Sie umfassen fünf Termine auf dem Verkehrsübungsplatz, die von extra dafür ausgebildeten Polizisten geleitet werden. Parallel zu den Kursen läuft in den Schulen theoretischer Unterricht, der von den Lehrerinnen und Lehrern der betreffenden Klassen gegeben wird. Zum Abschluss gibt es eine praktische und eine theoretische Prüfung.

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