Mülleimer voll, Steine lose

Die Hauptstraße in Senden soll schöner und sicherer werden. Dafür setzen sich die Grünen ein. Bei einer Besichtigungstour haben die Politiker gravierende Mängel aufgezeigt. Am 24. Juli wird im Stadtrat diskutiert.

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Auf Fototour durch die Sendener Innenstadt: Grünen-Stadtrat Peter Ehrenberg (großes Foto) hält einen vollen Mülleimer fest. Rechts oben regt sich sein Kollege Helmut Meisel über eine unschöne Bretterbude am Straßenrand auf. Die Aufnahme unten zeigt: Auf dem Alten Marktplatz ist ein Pflasterstein locker. Fotos: Matthias Sauter

Wild wachsendes Unkraut an der Rathauskreuzung. Klick. Verrostete Verkehrszeichen. Klick. Überfüllte Mülleimer. Klick. Ein loser Pflasterstein auf dem Alten Marktplatz. Klick. Der Sendener Ortsverband der Grünen hat am Montag eine Bestandsaufnahme der Hauptstraße zwischen Rathauskreuzung und Bahnübergang durchgeführt. Und den Rundgang nicht nur dokumentiert, sondern auch gleich werbewirksam inszeniert.

Immerhin 20 Sendener waren der Einladung gefolgt - zumeist entweder Stadträte oder Mitglieder der Grünen. Oder Anhänger der Gruppierung Biss (Bürgerinteressen der Stadt Senden), die im Kommunalparlament meist mit den Grünen kooperiert - mit dabei war auch der einzige Stadtrat der Gruppe: Dritter Bürgermeister Anton Leger.

Wohin die Reise gehen würde, machten die Veranstalter vorneweg gleich klar: Ziel sei es nicht, Werbung für die Stadt zu machen oder deren Schokoladenseiten anzupreisen, sondern gerade das Gegenteil: Die ästhetischen und verkehrstechnischen Mängel des Ortszentrums sollten aufgezeigt werden. Vize-Fraktionsvorsitzender Peter Ehrenberg: "Wir wollen eine Fußgängerzone oder als Mindestforderung einen verkehrsberuhigten Bereich."

Aktuell ist das schon früher diskutierte Projekt "Erneuerung der Hauptstraße" heuer wieder, weil auf Antrag der SPD in der Haushaltsdebatte Geld für eine Planung eingestellt worden war. Die Grünen nahmen das als Steilvorlage, um in der Sache selbst aktiv zu werden. Wieder, wie Ehrenberg betonte: "2008 habe ich mich als Bürgermeisterkandidat schon für eine Aufwertung der Hauptstraße eingesetzt." Fraktionsvorsitzender Helmut Meisel wies darauf hin, dass das Tempo-30-Schild von den meisten Verkehrsteilnehmern nicht beachtet werde. Zum Leidwesen der Radfahrer: Diese müssten sich Ausweichrouten suchen und seien oftmals auf den Gehwegen anzutreffen. Unfälle seien die logische Konsequenz. Eine Drosselung der Geschwindigkeit von derzeit 30 auf 20 Kilometer pro Stunde, wie sie die CFW/FWG-Fraktion fordert, lehnen die Grünen ab - ihrer Ansicht nach geht der Vorschlag nicht weit genug.

Wenn es nach Ehrenberg ginge, dann sollte die Hauptstraße und ihre anliegenden Plätze in Zukunft kinderfreundlicher gestaltet werden. "Kinder nutzen die Wasserspiele zum Bau von Staudämmen. Das ist aber schon das höchste der Gefühle." Der Politiker fordert deshalb, an den Plätzen Spielgeräte für Kinder anzubringen und dadurch mehr Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen. Aber nicht nur die fehlenden Spielgeräte an den Plätzen kritisierte Ehrenberg. Auch die Pflastersteine müssten dringend ersetzt werden: "Sie liegen zum Teil lose herum und führen zu Löchern." Es komme sogar vor, sagte Ehrenberg, dass Auto- und Lkw-Fahrer den Alten Marktplatz und die Räume zwischen Straße und Gehweg unerlaubt als Parkplatz nutzten.

Andere ästhetische Mängel wie die maroden Sitzbänke am Straßenrand oder die überfüllten Mülleimer kamen ebenfalls zur Sprache. Das bereits seit 50 Jahren bestehende Gebäude links neben dem Eiscafé, in dem früher ein Kiosk untergebracht war, bezeichnete Ehrenberg als "Schandfleck für die Stadt". Ex-Grünen-Stadtrat Thomas Vogel meinte zusammenfassend: "Die Hauptstraße steht für Lustlosigkeit, Tristesse und Verwahrlosung."

Damit sich die derzeitige Situation ändert, hat der Ortsverband einen Antrag auf Umplanung der Hauptstraße gestellt. Dieser kommt am kommenden Dienstag, 24. Juli, im Stadtrat zur Sprache. Ehrenberg hofft dabei auf Unterstützung der SPD, die einer Einführung eines verkehrsberuhigten Bereichs nicht abgeneigt gegenüber stünde. Dass eine Fußgängerzone beschlossen wird, hält der Grüne im Moment jedoch für unwahrscheinlich.

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