Landratsamt: Keine Probleme bei Betreuung von Flüchtlingskindern

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Ein Sprachkurs für Flüchtlinge in der Ulmer Pauluskirche: Das Erlernen der deutschen Sprache gilt als wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Integration.  Foto: 

Das Erlernen der deutschen Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Darüber sind sich Politik und Experten seit längerem einig. Entsprechend viel Wert wird auf Sprachkurse für Asylbewerber und bereits anerkannte Flüchtlinge gelegt. Zahlreiche Träger bieten Sprachkurse für Flüchtlinge an.

Eine Anfrage der Augsburger SPD-Landtagsabgeordneten Simone Strohmayr, die auch für den Landkreis Neu-Ulm zuständig ist, offenbart nun jedoch, dass die Angebote nicht alle Asylbewerber erreichen. Vor allem Frauen sind in den Kursen unterdurchschnittlich vertreten. Aus der Antwort  des bayrischen Sozialministeriums auf die Anfrage der SPD-Frau geht hervor, dass im Kreis Neu-Ulm Ende April dieses Jahres 25 von 1645 Flüchtlingen an Deutschkursen des Freistaats teilnahmen, darunter keine einzige Frau. „Das ist für den langwierigen Prozess der Integration fatal“, sagt Strohmayr. „Nur wenn alle Flüchtlinge die Chance der Sprachkurse wahrnehmen können, ist für sie eine Eingliederung in unsere Gesellschaft möglich.“ Als Ursache für die wenigen weiblichen Teilnehmer in den Sprachkursen sieht sie fehlende Betreuungsangebote für Kinder. Statt Sprachkurse besuchen zu können, müssten sich viele Frauen um ihre Kinder kümmern.

Diese Beobachtung hat auch Birgit Möller gemacht. Sie ist beim Elchinger Freundeskreis Asyl für die Sprachförderung zuständig und sagt: „Die Präsenz von Frauen in Sprachkursen ist gering.“ Dabei zeigten viele Frauen Willen und Interesse, einen Sprachkurs zu besuchen. Auf der anderen Seite gebe es auch Frauen, die in einem anderen Rollenbild gefangen seien. „Da macht sich die Rolle von Frauen in der arabischen Welt bemerkbar. Viele sind es gewöhnt, im Haus zu bleiben.“ Als Hauptproblem macht auch die ehrenamtliche Helferin mangelnde Betreuungsangebote aus. „Viele der Frauen haben mehrere Kinder, die oft noch sehr jung sind“, sagt Möller. Gerade diese Frauen könnten die Sprachkurse nur besuchen, „wenn jemand für die Kinder sorgt“. Der Staat sei in der Pflicht, betont die ehrenamtliche Helferin.

Sonja Seger widerspricht. Der Bildungsbeauftragten im Neu-Ulmer Landratsamt sind bisher keine Fälle von Frauen zu Ohren gekommen, die aufgrund der Betreuung ihrer Kinder nicht an einem Sprachkurs teilnehmen konnten. „Für Asylbewerber gilt genau wie für deutsche Staatsbürger der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz“, sagt Seger. Es gebe also durchaus Betreuungsangebote, sie würden rege genutzt: Aktuell leben laut Seger im Kreis Neu-Ulm 54 Asylbewerber unter sechs Jahren, davon besuchten 53 eine Kindertagesstätte. Auch verweist die Bildungsbeauftragte darauf, dass die Sprachkurse des Freistaats lediglich einen kleinen Teil des Angebots an Sprachkursen ausmachen.

Jobcenter: 25 Prozent Frauen

Keine Probleme bei der Präsenz von Frauen in Sprachkursen sieht auch das Neu-Ulmer Jobcenter. Derzeit besuchen dort 330 Menschen einen Integrationskurs. „Der Anteil der weiblichen Kurs­teilnehmer liegt bei 25 Prozent“, sagt Pressesprecherin Inge Großkopf. Auch fehlende Kinderbetreuungsplätze kann die Sprecherin nicht bestätigen: „Aktuell sind uns keine Probleme bekannt.“

Auch im Alb-Donau-Kreis sind den zuständigen Behörden bisher keine Fälle von Frauen bekannt, die wegen Betreuungsproblemen keine Sprachkurse besuchen konnten. Aktuell biete das Landratsamt zwölf niederschwellige Sprachkurse an. „Die werden sowohl von Männern als auch von Frauen besucht“, sagt Bernd Weltin, Sprecher des Landratsamts. Darüber hinaus habe es in Blaustein und Ehingen auch Sprachkurse speziell für Frauen gegeben, in Ehingen werde über eine Neuauflage nachgedacht.

Angebot Die Deutschkurse des bayerischen Sozialministeriums stellen lediglich einen kleinen Teil des Angebots an Sprachkursen dar. Neben dem Freistaat bieten auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie zahlreiche soziale und ehrenamtliche Träger Sprachkurse für Flüchtlinge an. Während dem laufenden Asylverfahren beziehungsweise nach der Ablehnung des Antrags ist die Agentur für Arbeit zuständig, nach der Anerkennung als Flüchtling übernimmt das Jobcenter die Zuständigkeit für Sprachkurse.

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