Landratsamt Neu-Ulm widerspricht Wullenstetter Bahn-Gegnern

Der Protest der Wullenstetter hat das Landratsamt aus der Reserve gelockt. Es stimme nicht, dass durch die Reaktivierung der Bahnlinie Senden-Weißenhorn der Busverkehr schlechter wird, sagt der Verantwortliche.

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Ja, man sei aufgeschreckt im Landratsamt Neu-Ulm von der Stimmungsmache gegen die Bahn in Wullenstetten. Sagt Erich Sailer, der in der Behörde zuständig ist für die Neuplanung des Busverkehrs. Wie berichtet, hat sich in dem Sendener Stadtteil eine Bürgerinitiative gegen Personenverkehr auf der Strecke Senden-Weißenhorn gegründet. Hauptargument der Gegner: Wenn die Bahn kommt, verschlechtert sich die Busanbindung. "Das ist falsch", widerspricht Erich Sailer nun. Im Gegenteil, sagt er: Der Busverkehr werde sogar verbessert.

Die Gegner, die eine Unterschriftenaktion gestartet haben (wir berichteten), behaupten: Drei sichere und gut erreichbare Bushaltestellen werden eingestellt - etwa die beim RSV Wullenstetten, wo die Unterschriftenlisten unter anderem ausliegen. Die Haltestelle Sportpark zu streichen, sei derzeit nicht geplant, versichert Sailer. Er sagt nicht "auf keinen Fall", weil das Buskonzept nicht hundertprozentig feststeht. "Bei der laufenden Detailplanung zeichnen sich Korrekturen ab", räumt er ein. So gelte das von Nahverkehrsplaner Ulrich Grosse vor zwei Jahren vorgestellte Konzept nicht mehr in vollem Umfang.

Grosse hatte gesagt, dass die Buslinie 76, die bislang einen Ein-Stunden-Takt zwischen Ulm, Senden und Weißenhorn bietet, "weitgehend entfallen" könnte. Eine Idee, die die Wullenstetter alarmierte: Den 76er einstellen? Kommt nicht in Frage, hieß es. Heute sei der Ort mit fünf Haltestellen gut erschlossen, und das solle so bleiben. Was die Bus-Befürworter und Bahn-Gegner nicht sehen oder sehen wollen: Die Fahrleistung des Busses fällt nicht weg, sie wird umstrukturiert: Der 76er, künftig womöglich 76a genannt, soll vor allem die Wohngebiete im Norden Wullenstettens anfahren. In Ergänzung zu der bestehenden Stadtlinie 731. Um die Leute aufzunehmen, die am weitesten von der Bahnhaltestelle entfernt wohnen, und sie an den Hauptbahnhof Senden zu bringen - dem neuen Dreh- und Angelpunkt des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Der Süden des Ortes werde aber dennoch nicht ohne Bus sein: "Wir müssen auch den Schulverkehr aufrechterhalten, das schaffen wir allein mit der Bahn nicht", sagt Sailer. Den neuen Bahnhalt, der entweder "Unter der Halde" oder an der Heerstraße gebaut wird, direkt anzufahren, lohne sich nicht und sei deshalb nicht geplant. Die Idee ist, dass die Leute mit dem Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto zum Zug gelangen. Realistisch erscheint den Gutachtern, dass die Leute maximal eine Entfernung von 1000 Metern in Kauf nehmen, sagt Sailer. Die jenseits dieser Marke liegenden Gebiete bedient der Bus. Die Bahn-Gegner behaupten, die Bürger müssten bis zu 1600 Meter zurücklegen. Sailer weiter: Unterm Strich erhalte Wullenstetten wieder einen Ein-Stunden-Takt: Die eine halbe Stunde deckt der Bus ab, die andere halbe Stunde die Regionalbahn.

Die Überlegungen zum Buskonzept seien "weit gediehen", sagt Sailer. Öffentlich diskutiert wird das Konzept erstmals im Kreis-Verkehrsausschuss. Die Kommunen werden gehört. Eine Bürgerbeteiligung, wie es sie beim Planfeststellungsverfahren zur Bahnstrecke gibt, ist nicht vorgesehen. Mitreden werden die Busunternehmer, sagt Sailer. "Wirtschaftlich muss die neue Linienführung sein." Was aber positiv sein kann: Denn ein Busverkehr rechne sich dort am schnellsten, wo viele potentielle Kunden wohnen.

Auch Witzighausen, wo es ebenfalls einen Bahnhalt geben wird, ist künftig noch Teil des Busnetzes, sagt Sailer. Wie Hittistetten. Beides stellt die Bürgerinitiative anders dar. Die Hittistetter, heißt es in einem Schreiben, müssten künftig "zwei Kilometer zu Fuß zum Zug gehen". In Witzighausen, korrigiert der Experte, werde eventuell sogar der Bahnsteig vom Bus angefahren. Das gelte definitiv für die Haltestelle in Weißenhorn/Eschach. Aufheim und Ay werden mit Bussen an die Bahn angebunden. Grosse hat dafür eine Linie 73a vorgesehen.

Die Bahn-Gegner, allen voran das Ehepaar Ruf, waren gestern versöhnlicher. "Wir wussten ja bislang nicht, dass das Konzept noch nicht fertig ist", sagte Gisela Ruf. "Aber wenn wir keine Informationen haben, entstehen eben falsche Vorstellungen und Ängste." Und es meldeten sich Befürworter der Bahnlinie. "Ich bin nicht dagegen, im Gegenteil", sagte beispielsweise Rainer Schwarz, der Vorstand des RSV Wullenstetten. Und deshalb finde er es auch nicht gut, dass die Unterschriftenlisten in seinem Vereinsheim ausliegen. "Mit mir wurde das nicht abgesprochen!" Er werde den Vorfall auf jeden Fall thematisieren.

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