Laien sollen einspringen Pfarrer plädiert bei Mesnertagung für mehr Wort-Gottes-Feiern

Weil Priester fehlen, wird es immer schwieriger, sonntags Gottesdienste in kleinen Gemeinden zu halten. Pfarrer Heribert Singer glaubt, von Laien geführte Wort-Gottes-Feiern könnten die Notlage lindern.

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Pfarrer Heribert Singer sprach den Anwesenden aus der Seele.

Ein flammendes Plädoyer für mehr Laienbeteiligung in den katholischen Pfarreien hat Pfarrer Heribert Singer auf der Regionaltagung des Mesnerverbands der Diözese Augsburg gehalten. 120 Mesner aus der Diözesanregion Neu-Ulm waren ins Schießener Gasthaus Weitmann gekommen. Dem rauschenden Beifall nach sprach der Pfarrer aus Reisensburg (Kreis Günzburg) den meisten Anwesenden aus der Seele. "Wenn Gott augenblicklich nicht mehr Pfarrer ruft und beruft, so wie wir sie kennen, dann wird er damit etwas bezwecken", sagte Singer.

2025 würden in der Diözese statt 400 nur noch 200 Pfarrer zur Verfügung stehen. Diese Notlage dürfe nicht dazu führen, dass in kleineren Gemeinden nur noch ein oder zwei Mal im Monat ein Gottesdienst gefeiert werden kann. Wenn kleine Gemeinden nicht in größeren Gebilden aufgehen wollten, müssten sie jeden Sonntag vor Ort miteinander feiern. Mit oder ohne Priester. Schon jetzt sei zu beobachten, dass fehlende Kontinuität und die Frage, wann und wo ein Gottesdienst stattfinde, letztlich Menschen vom Besuch der Messe abhalte.

Laien müssten deshalb auch am Sonntag in die Bresche springen - mit so genannten Wort-Gottes-Feiern. Die Diözese lehnt solche Feiern, zumindest als Ersatz für von Priestern geleitete Gottesdienste, bislang aber ab. Wort-Gottes-Feiern sind Gottesdienste ohne die Eucharistie, also Abendmahl oder Altarsakrament. Die Eucharistiefeier ist bei den Katholiken dem geweihten Priester vorbehalten. "Gemeinden müssen lernen, dass Wort-Gottes-Feiern keine minderen Gottesdienste sind", sagte Singer. Sie könnten mit festlichen Gewändern, Kerzen, Fahnen und Weihrauch aufgewertet werden. Mittel, die die Liturgie durchaus biete.

Ein Blick auf die Weltkirche zeige, dass dies nichts Ungewöhnliches ist. Sonntägliche Gottesdienste würden zum Beispiel in mittelamerikanischen Gemeinden häufig ohne geweihten Priester gefeiert, wenn ein solcher fehle.

Wie dramatisch die Lage an einigen Orten ist, schilderte Tagungsbesucherin Anita Kiem der SÜDWEST PRESSE: "Auf den Dörfern herrscht Notstand", sagte die Mesnerin aus dem Weißenhorner Ortsteil Grafertshofen. Insbesondere alte Leute seien froh, wenn es im Dorf Gottesdienste gebe. Weil die Pfarrer kaum noch Zeit hätten und von Termin zu Termin eilten, blieben immer mehr Aufgaben an den Mesnern hängen, etwa bei Beerdigungen oder Taufen. Die Situation habe sich in den vergangenen zehn Jahren drastisch verschärft. Ihr Wunsch wäre, dass sich wieder mehr Menschen in die Gemeindearbeit einbringen. Nur so lasse sich ein Ausbluten der Gemeinden verhindern. Regelmäßige Gottesdienste, auch Wort-GottesDienste, wie von Singer gefordert, würden ihrer Meinung nach helfen.

Weniger schwierig ist die Arbeit von Mesner Ferdinand Jaschek. Der 69-Jährige kümmert sich seit acht Jahren ehrenamtlich um die Maria-Hilf-Kapelle in Senden-Ay. Weil in deren Statuten festgehalten ist, dass jeden Montag um 7 Uhr ein Frühgottesdienst gehalten werden muss, habe er in den Wintermonaten die Heizung angestellt und die liturgischen Gegenstände für den Kaplan vorbereitet. "Ich mache es aus Liebe und Überzeugung", sagt Jaschek.

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