Kultstätte oder Tempel auf dem Kirchberg

Beim historischen Spaziergang durch Jedesheim berichtete Altbürgermeister Valentin Mayer von möglichen KeltentempelFundamenten unter St. Meinrad. 13 Stationen hatte die von dem 92-Jährigen geführte Tour.

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Er kennt sich hier bestens aus: Valentin Mayer (mit Mütze) führt Interessierte durch Jedesheim. Er war hier mal Bürgermeister, ist Ehrenbürger. Foto: Patrick Fauß

"Wer seine Heimat kennt, ist wirklich daheim", sagte Valentin Mayer jetzt beim Auftakt zum historischen Rundgang durch Jedesheim. Mehr als 70 Teilnehmer begleiteten den 92-Jährigen am Wochenende auf 13 Stationen durch die weit zurückreichende Geschichte des Dorfs. Start war an der Gemeindehalle, erbaut 1975.

Mayer berichtete, wie es dort früher ausgesehen hat. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag die Dorfwiese, der so genannte Anger. 1802 hat eine Hirtin hier eine große Schar Gänse gehütet. Am nahen Weiher spielten die Kinder. Später gab es hier außerdem Häuser für die so genannten Ortsarmen. Noch bis 1880 habe der Gemeinderat bestimmt, ob ein Gemeindemitglied heiraten darf oder nicht. Ziel war es, die Zahl der Armen möglichst gering zu halten. Ergebnis war, dass die Hälfte der Kinder im Dorf unehelich geboren wurde. Viele davon überlebten das erste Lebensjahr nicht. Mayer berichtete davon, dass seine Mutter noch 1921 Essen für einen "Ortsarmen" zubereitet hat.

In der 1855 erbauten Kirche St. Meinrad bot Mayer den Teilnehmern neue geschichtliche Erkenntnisse. In seiner Dorfchronik von 1987 habe er geschrieben, dass beim Abbruch des damaligen Gotteshauses alte Wandbilder zum Vorschein kamen. Leider wurden sie weder kopiert noch aufbewahrt. Inzwischen ist Mayer auf den Augenzeugenbericht des Dekans Marquard Curtius aus dem Jahr 1858 gestoßen. Dieser berichtet, dass beim Abbruch zugezogene Kunstsachverständige die Bilder in die vorchristliche Römer- oder Keltenzeit datiert hätten. Auf dem Kirchhügel habe demnach entweder eine keltische Kultstätte gestanden oder ein römischer Tempel. Wäre es ein Tempel aus der Kelten- oder Alemannenzeit, wäre dies ein Zeugnis für eine größere Ansiedelung in Jedesheim. "Zeugen dieser Vergangenheit liegen unter dem Betonboden", sagte Mayer.

Zum Abschluss des Rundgangs führte er die Gruppe einen alten keltischen Hohlweg vom Lindenberg hinab. An dessen Fuß steht der Gedenkstein der Schlacht von Jedesheim im Jahr 1108. Sie markiert die erste urkundliche Erwähnung des Ortes, der heute zur Stadt Illertissen gehört. Der Name Jedesheim leite sich wohl von einem Kelten namens Jedung und seiner Sippe ab. Nach ihm wurde das mittelalterliche Jedungsheim benannt. "Er könnte der erste Jedesheimer gewesen sein", meinte Mayer.

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