Kritik an der neuen Bahn

Überzeugungsarbeit hatte der Sendener Bürgermeister Kurt Baiker bei der Bürgerversammlung in Wullenstetten zu leisten. Es ging wieder einmal um die geplante Bahnreaktivierung. Und um Verkehr.

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Gut eine Stunde war die Bürgerversammlung in Wullenstetten am Mittwochabend dahingeplätschert, als erstmals Applaus aufbrandete. Er galt dem Ausruf eines erzürnten Mannes und betraf die geplante Reaktivierung der Bahnlinie nach Weißenhorn: "Warum braucht Wullenstetten überhaupt eine Haltestelle?", hatte er gefragt. Sei es nicht sinnvoller, die Busverbindung zum Bahnhof so auszubauen, dass dort der künftig alle halbe Stunde gen Ulm oder Allgäu abfahrende Zug erreicht werden könnte? Mit ihrem Beifall zeigten viele der 80 Besucher, dass sie das für eine gute Idee halten. Bürgermeister Kurt Baiker sprach sich klar für einen Halt in dem Ort aus. Und zwar Unter der Halde - und nicht an der Heerstraße, wie es der Projektbetreiber, die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU), wollen.

"Die Schiene ist die Zukunft", sagte Baiker mit Verweis auf die ständig steigenden Spritpreise. Und wenn man dieses neue Verkehrsmittel einführe, "dann sollte man es so machen, dass alle daran partizipieren können". Mit einer Haltestelle Unter der Halde werde auch das geplante große Neubaugebiet "Am Stadtpark" angebunden, dort könnten zusätzliche Parkplätze für die neue Parkbühne und das Naherholungsgebiet entstehen und vieles mehr. Deshalb sei der Standort besser als jener an der Heerstraße mit seiner engen Zufahrt - auch wenn der Zug vom Bahnhof bis zum Stopp Unter der Halde nur wenige Meter zurücklegen müsse.

Baiker beteuerte, dass der Busverkehr innerhalb von ganz Senden verbessert werde. Allerdings werde es weniger Direktverbindungen ins Oberzentrum geben, um der Bahn keine Konkurrenz zu machen. Auch das wurde von einem Besucher kritisiert - weil er künftig umsteigen müsste, um beispielsweise von Wullenstetten in die Rathiopharm-Arena in Neu-Ulm zu kommen. Baiker betonte, die Stadt fordere Lärmschutzmaßnahmen von den SWU, lehne nächtliche Güterzugfahrten ab und auch ein Ausweichgleis im bebauten Bereich von Witzighausen. Ob die Regierung von Oberbayern diese Wünsche in ihrem erwarteten Planfeststellungsbeschluss berücksichtigt, werde man sehen. Er widerstand dem Vorstoß eines Mannes, dem Drängen der Stadtwerke nachzugeben, und die neue Bahn-brücke für Witzighausen so hoch zu bauen, dass dereinst eine Oberleitung eingezogen werden könnte. Baiker: Elektrifiziert werde die Strecke die nächsten Jahrzehnte nicht, und wenn doch, könnten die SWU das Gleis absenken.

Auch über den Verkehr regten sich Wullenstetter auf. Schon morgens brausten Lkw über die Bachstraße gen Weißenhorn, um die inzwischen mautpflichtige B 28 zu umgehen, sagte ein Anwohner. Der Bürgermeister solle sich für eine zusätzliche, entlastende Auffahrt auf die Bundesstraße einsetzen. Baiker antwortete, dass es dafür absehbar kein Geld gebe. Die Stadt werde ein Gutachten einholen, wie der überörtliche Verkehr aus Wullenstetten herausgehalten werden könnte. Lkw sollen über die Staatsstraßen rollen, etwa über die Römerstraße. Aber auch diese soll mit einem Kreisel und einem Radweg rückgebaut und unattraktiver für Lastwagen gemacht werden. So dass diese künftig Senden vollständig umfahren.

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