Kraftwerk verkauft, Wald behalten

Die SWU bräuchten ihr Grundstück bei Donaurieden zwar nicht mehr für den geplanten Zweck, hergeben wollen sie es dennoch nicht.

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Saat vor fünf Jahren: Ein Arbeiter pflanzt Pappel-Stecklinge auf dem SWU-Grundstück bei Donaurieden. Inzwischen wurde dort schon ein Mal geerntet – aber nicht für das Kraftwerk in Senden.  Foto: 

Vor allem unabhängig wollten die SWU mit ihrem innovativen Heizkraftwerk in Senden werden. Unabhängig von anderen Stromherstellern und Wärmeproduzenten. Unabhängig auch vom Gaspreis, vom Wind, von der Sonne. Denn die Anlage läuft mit Holz. Mit Restholz, das bei Waldarbeiten anfällt und das im Einkauf dank langjähriger Verträge gut kalkulierbar ist. Zu einem kleinen Teil wollten sich die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm sogar von ihren Holzlieferanten abkoppeln – indem sie selbst zum Waldbesitzer wurden. Nun ist das Kraftwerk-Abenteuer zwar beendet, zum Jahreswechsel geht die HGA genannte Anlage an die Ulmer Firma Blue Energy Europe über. Den Wald aber, den werden die SWU behalten.

Der kleine Forst steht auf einem rund drei Hektar großen Acker bei Donaurieden. Das Grundstück zwischen der Bundesstraße 311 und dem Donauradweg liegt im Renaturierungsgebiet an der Donau und gehört den SWU. 26 000 Pappel-Stecklinge haben die Stadtwerke dort 2012 einsetzen lassen. Als „Energiewäldchen“, wie damals Sebastian Gratzl von der  SWU Energie sagt. Denn die Bäume sollten, wie gesagt, nur eins sein: Brennstoff für die HGA. Zumindest einen kleinen Teil des jährlichen Bedarfs hätten die Pappeln decken können: Rechnerisch zehn Tonnen pro Jahr und Hektar, bei einem Durchsatz an Holz-Hackschnitzeln im Kraftwerk von mehreren zehntausend Tonnen im Jahr.

Einmal wurde schon geerntet

Doch es kam alles anders, wie SWU-Sprecher Bernd Jünke sagt: Zwar sei im Energiewald vergangenes Jahr zum ersten mal „geerntet“ worden, das Holz aber sei verkauft worden. Denn die HGA-Truppe habe den Betrieb inzwischen „auf eine bestimmte Holzqualität“ eingestellt. Diese Güte könnten aber nur die Brennstofflieferanten zuverlässig bieten. An einen Verkauf des Hains sei nicht gedacht: „Der Energiewald bleibt im Eigentum der Stadtwerke und wird nach wie vor bewirtschaftet“, sagt Jünke. Es handelt sich um den einzigen Energiewald der Stadtwerke.

Die HGA geht am 1. Januar an Blue  Energy Syngas über. Die Ulmer Firma ist spezialisiert auf ökologische Wärmeerzeugung und darauf, „Projekte mit Handicap“ zu optimieren. Von der HGA will sich Blue Energy das Know-How der Holzverschwelung abschauen, das dort in einer europaweit einzigartigen Dimension eingesetzt wird.

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