Kommt die Ehrenamtskarte im Kreis Neu-Ulm?

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Die Ehrenamtskarte.  Foto: 

In weiten Teilen Bayerns gibt es sie schon, im Landkreis Neu-Ulm noch nicht: Die Ehrenamtskarte. Sie wird an ehrenamtlich Engagierte ausgegeben und ermöglicht den Inhabern besondere Ermäßigungen, etwa bei Eintrittspreisen oder Geschäften. Als kleine Anerkennung sozusagen. Bereits 2011 befasste sich die Kreisverwaltung erstmals mit einer möglichen Einführung der Karte, 2014 beschäftigte man sich erneut mit dem Projekt – ohne Ergebnis.

In der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses stand die Ehrenamtskarte nun wieder auf der Tagesordnung, ob die Einführung nun gelingt, ist jedoch fraglich – die Meinungen zur Sinnhaftigkeit der Karte gingen im Gremium weit auseinander. Marita Kaiser (Freie Wähler) sprach sich für die Einführung der Karte aus und betonte: „Die Karte ist ein Zeichen für die Wertschätzung des Ehrenamts.“ Etwa drei Viertel aller bayerischen Landkreise hätten die Karte eingeführt, es sei nicht ratsam, sich „nach unten abzusetzen“. Sendens Bürgermeister Raphael Bögge (CSU) war anderer Meinung, es gebe bereits viele Anerkennungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche. Die Karte sei ein „Nice-to-have-Sahnehäubchen“ aber nicht zwingend notwendig. Seine Fraktionskollegin Margit Münzenrieder pflichtete bei: „Ehrenamtliches Engagement scheitert nicht an mangelnden Vergünstigungen.“

Einig war man sich im Ausschuss jedoch, dass die Karte nur attraktiv sei, wenn entsprechende Vergünstigungen auch vor Ort angeboten werden könnten. Dazu müsste der Landkreis regionale Anbieter, zum Beispiel Unternehmen oder auch Kommunen gewinnen, die Ehrenamtlichen mit der Karte Nachlässe gewähren, beispielsweise beim Eintritt ins Schwimmbad oder beim nächsten Einkauf im Sportgeschäft. Die Erfahrung aus dem Nachbarkreis Günzburg zeigt jedoch, dass die Gewinnung so genannter Akzeptanzstellen schwierig ist und die Mitarbeiter im Landratsamt viel Zeit koste. „Da ist viel persönliche Ansprache notwendig“, berichtete Doris Böck, Leiter der Freiwilligenagentur im Landratsamt den Räten.

Ob die Karte bei den Ehrenamtlichen überhaupt auf große Gegenliebe stoßen würde, beschäftigte den Ausschuss ebenso. Böck berichtete, dass lediglich einzelne Nachfragen nach der Karte bei der Freiwilligenagentur eingingen. Marita Kaiser hielt dagegen: „Die Nachfrage kommt oft auch erst mit dem Angebot“. Stefanie Steinle berichtete von Erfahrungen des Kreisjugendrings. „Da ist man immer gegen Wände gesprungen, wenn es darum ging, die Jugendlichen zu entlohnen“. Die Karte sei eine gute Möglichkeit der Anerkennung.

250 Stunden pro Jahr

Für „eine schöne Sache“ hält auch Jessica Baur vom Familienzentrum in Neu-Ulm die Karte. Sie ist jedoch skeptisch, ob überhaupt viele Freiwillige die Karte bekommen würden. Denn dafür müssen mindestens fünf Stunden pro Woche oder aber 250 Stunden pro Jahr geleistet werden. Das Landratsamt fragt nun zunächst bei Kommunen und Unternehmen nach, ob überhaupt genügend Akzeptanzstellen gefunden werden könnten, danach soll erneut über eine mögliche Einführung debattiert werden.

Vorraussetzungen Die Karte erhalten ehrenamtlich Engagierte, die durchschnittlich fünf Stunden pro Woche oder aber 250 Stunden pro Jahr leisten. Außerdem erhalten Inhaber einer Jugendleiterkarte, Feuerwehrangehörige mit Truppmannausbildung sowie Helfer im Rettungsdienst mit abgeschlossener Grundausbildung die Karte.

Kosten 5000 Euro Anschubfinanzierung würde der Landkreis vom bayerischen Sozialministerium erhalten. Das Landratsamt Kreis Neu-Ulm rechnet außerdem mit jährlichen Sach- und Personalkosten in Höhe von etwa 23 000 Euro.

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