Keine weiteren Plätze

Die Elchinger Räte sind dagegen, noch mehr Flüchtlinge in Unterelchingen unterzubringen. Die jüngst angekommenen wurden begrüßt.

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Lockere Atmosphäre am Fingerfood-Buffet mit afghanischen, schwäbischen und syrischen Köstlichkeiten in der KSV-Halle. Helfer, Nachbarn und Flüchtlinge feierten dort gemeinsam.  Foto: 

Gemessen an der Einwohnerzahl ist Unterelchingen einer der Orte im Landkreis Neu-Ulm, in denen überproportional viele Asylbewerber untergebracht sind. Geht es nach dem Inhaber der Unterkunft im Finkenweg, auf dem Gelände des Ex-Gasthofs Adler, sollen dort künftig noch mehr Flüchtlinge wohnen. Laut einem entsprechenden Bauantrag plant der Eigentümer, die bestehenden Zimmer zu sanieren. "Um die Bedingungen in den Räumlichkeiten zu verbessern", in denen sich derzeit 19 Zimmer mit 32 Betten befinden, wie es in der jüngsten Ratssitzung hieß.

Da die bisher genutzte Fläche aber nicht ausreichend sei für die aktuelle Belegung, will der Investor weitere auf dem Grundstück vorhandene Gebäudeteile ausbauen. So hat er vor, im ehemaligen Laden an der Badergasse ein Zimmer mit Abstellraum einzurichten. Zudem sollen der ehemalige Lageranbau, ein Schlachtraum, an der westlichen Seite saniert und auf zwei Etagen weitere sechs Zimmer sowie Abstell- und Sanitärräume eingebaut werden. So könnten zusätzliche 14 Betten belegt werden.

Ein Vorhaben, das der Elchinger Bauausschuss niederschmetterte. Einstimmig. "Grundsätzlich begrüße ich die Sanierung", sagte etwa Bernd Schwerdtfeger (CSU). "Denn gemacht worden ist in dem Gebäude gar nichts." Doch das eigentliche Ziel des Antrags sei ein anderes: nämlich weitere Betten vorzuhalten. Karin Batke von der Unabhängigen Freien-Wähler-Gemeinschaft (UFWG) pflichtete bei: "Schlachträume eignen sich nicht als Wohnräume."

Auch Manfred Bittner von der Elchinger Umweltliste (Eule) zeigte sich empört: "Was denkt sich der Besitzer des Hauses? Dass wir Kasper sind und zustimmen?" Bittner wollte daher wissen, welche Möglichkeiten die Gemeinde habe, um auf das Landratsamt einzuwirken. "Keine", beschied Bürgermeister Joachim Eisenkolb kurz und knapp. Der Bauausschuss könne das Vorhaben zwar ablehnen, über die Genehmigung befinde aber das Landratsamt. Eine rechtliche Handhabe habe die Kommune nicht. "Wir reden hier nur für die Show." Der Rathauschef versprach jedoch, genau hinzuschauen, was der Inhaber mit der Unterkunft vorhat. Ob dort zum Beispiel anerkannte Flüchtlinge eine Wohnung bekommen und ob dafür ein Antrag auf Umnutzung nötig ist. Derzeit hat sich die Flüchtlingssituation im Landkreis Neu-Ulm entspannt, es müssen deutlich weniger neue Flüchtlinge untergebracht werden, als noch vor einigen Monaten.

Vor kurzem wurde ein neues Asylheim im Dammweg in Unterelchingen fertiggestellt. Dort sind viele Flüchtlinge eingezogen, die zuvor in Turnhallen im Landkreis untergebracht waren. Etliche Nachbarn aus dem Dammweg und aus dem Dorf nutzten am Dienstag die Gelegenheit, die in Elchingen lebenden Asylbewerber kennenzulernen, insbesondere die Bewohner der neuen Unterkunft im Dammweg. Der Freundeskreis Asyl hatte eine Willkommensfeier in der KSV-Halle vorbereitet. Es dauerte nicht lange, da bogen sich die Tische unter dem Fingerfood-Buffet aus afghanischen, schwäbischen und syrischen Köstlichkeiten. Denn nicht nur die Ehrenamtlichen des Freundeskreises, sondern auch zahlreiche Flüchtlinge, die schon länger in Elchingen wohnen, hatten Spezialitäten beigesteuert.

Auch bei Sprachproblemen konnten die teils schon seit zweieinhalb Jahren in Elchingen lebenden Asylbewerber helfen. So war die Atmosphäre locker und entspannt, wie Giorgio Demartin vom Freundeskreis hervorhob. "Es beeindruckt mich immer wieder, wie reibungslos unsere ehrenamtlichen Helferinnen so ein Fest auf die Beine stellen." Steffi und Thomas Noll, die im Dammweg wohnen, freuten sich über die Möglichkeit, mit den neuen Nachbarn in Kontakt zu treten. Für den Anfang sei es ja schon gut, sich wenigstens mal aus der Nähe zu sehen, sagte Steffi Noll. Seit einigen Wochen wohnen etwa 55 Flüchtlinge im Dammweg, die zuvor in Turnhallen in Neu-Ulm untergebracht waren. "Sehr komfortabel", findet Victor aus Nigeria sein neues Zuhause mit Vierbett-Zimmern. Sechs Monate hatte er in einer Halle zugebracht. Bürgermeister Joachim Eisenkolb appellierte an die Nachbarn, Kontakt zu den Asylbewerbern aufzunehmen und dankte dem Freundeskreis dafür, dass er für ein gutes Miteinander sorge.

Birgit Möller wünschte sich weitere Mitstreiter, die das Team der Ehrenamtlichen verstärken. Silvia Maag vom SV Thalfingen stellte das Sportangebot des Vereins vor, in dem Asylbewerber willkommen und auch schon aktiv sind. Wie einfach es ist, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen begegnen, zeigte sich an diesem Abend: Nach dem gemeinsamen Essen kickten bunt und international zusammen gewürfelte Mannschaften auf dem Platz bei der KSV-Halle.

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