Keine Berührungsängste: Oberelchinger Grundschüler nähern sich dem Thema Behinderung

Wie fühlt es sich an, im Rollstuhl zu sitzen? Wie kommen Behinderte zurecht? In Elchingen haben Grundschüler ausprobiert, wie der Alltag gelähmter Menschen aussieht. Und zwar offen und unbefangen.

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Hoppla, schon eine Turnmatte stellt für Rollstuhlfahrer ein Hindernis dar. Das haben Grundschüler gestern selbst erfahren.  Foto: 

David hatte den Rollstuhl im Griff. Auf den Hinterrädern bugsierte er das Gefährt durch die Turnhalle der Mittelschule in Oberelchingen. David ist Zweitklässler der örtlichen Grundschule - und nahm am Donnerstag an einem Projekt teil, bei dem den Kindern die Berührungsängste vor behinderten Menschen genommen werden sollten. Dazu hatten sich Auszubildende der Ergotherapieschule in Günzburg einen Parcours ausgedacht, in dem die Grundschüler ihr Geschick mit dem ungewohnten Fortbewegungsmittel erproben konnten. Auch der achtjährige Moritz hatte seinen Spaß daran, "Ochs am Berg" einmal im Rollstuhl zu spielen.

Ausgedacht haben sich den Geschicklichkeitsparcours die 20-jährige Mirjam Füssinger und 22 weitere Ergotherapie-Schüler aus dem ersten Lehrjahr. "Die Kinder sollen erleben, wie es ist im Rollstuhl zu sitzen." Die Azubis haben sich gut auf die beiden Projekttage - der erste fand am Montag statt - vorbereitet. Unter anderem mit einer "Rollstuhlwoche", in der die Azubis mit Rollstühlen in der Stadt unterwegs waren. Und unmittelbar kennen lernten, wie Treppen, hohe Randsteine und andere Hindernisse Querschnittsgelähmten das Vorankommen im Alltag erschweren.

Die Idee für den Projekttag ist an der Grundschule Oberelchingen entstanden, berichtete Lehrerin Sabine Aschner. Das Thema Inklusion sei an der Schule schon länger aktuell. "Wir hatten auch schon ein blindes Geschwisterpaar." Deswegen seien Lehrer und Schüler schon entsprechend sensibilisiert. Der Zufall hat dann das Zustandekommen der Aktion erleichtert: Aschner unterrichtet den Sohn von Sylvia Scheithauer, die wiederum Lehrtherapeutin in Günzburg ist.

Und die sich für das Vorhaben begeistern konnte. Sie holte sich noch weitere Unterstützung: Zum einen Reiner Schneider, der nach einem Autounfall seit mittlerweile 35 Jahren im Rollstuhl sitzt und im Bogenschießen zwei Weltmeistertitel einheimste (wir berichteten). Und vom Ergotherapeuten Otto Hofbauer, der für ein Ulmer Sanitätshaus arbeitet - und 20 Rollstühle für die Aktion organisierte.

"Wir haben uns bewusst für farbenfrohe Modelle entschieden, keine Krankenhausrollstühle", berichtete Lehrerin Sabine Aschner. Mit Erfolg: Vereinzelt habe anfangs zwar eine gewisse Scheu bestanden, an den beiden Projekttagen flitzten die Grundschüler aber schon bald unbefangen mit den Rollis durch die Halle und über den Pausenhof. "Die Kinder sind neugierig und erfinderisch."

Auch Reiner Schneider freute sich, wie engagiert die Kinder bei der Sache waren. Er setzt sich schon viele Jahre für ein besseres Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten ein. Ihn erstaunt es immer wieder, wie offen Kinder an das Thema Behinderung herangehen - und wie schnell sie mit dem Rollstuhl zurechtkommen. Deswegen wurden im Laufe der Aktionstage auch einige Aufgaben ein bisschen knackiger gestaltet. Schneider: "Sonst wird es ja langweilig."

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