Unternehmen beklagen Bürokratie bei Ausbildung von Flüchtlingen

Der Amtsschimmel wiehert: Betriebe im Kreis Neu-Ulm wollen Lehrstellen mit Asylbewerbern besetzen. Das Landratsamt behindere ihr Engagement aber, klagen sie nun.

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Das Landratsamt Neu-Ulm wende Regelungen zur Ausbildung von Flüchtlingen praxisfern an, das sei ein „Standortnachteil“: Mit diesen Worten sind am Mittwoch die Unternehmen Harder Logistics aus Neu-Ulm, Blech & Technik aus Vöhringen sowie das Sendener Autohaus Mack an die Presse gegangen.

Es gebe, heißt es in der Mitteilung weiter, im Kreis Neu-Ulm erhebliche Probleme, offene Ausbildungsplätze mit Flüchtlingen zu besetzen. Unternehmen würden oft „gleich in mehrfacher Hinsicht ausgebremst“. Hauptgrund sei die bürokratische Anwendung der 3+2-Regelung. Demnach erhalten Flüchtlinge für ihre drei Lehrjahre eine Duldung und zusätzlich, wenn sie angestellt werden, für weitere zwei Jahre.

In Ulm leichter, Formalitäten zu erfüllen

In der Praxis hielten Firmen für einen geeigneten Flüchtling einen Ausbildungsplatz frei. Diesen könnten sie später nicht mehr besetzen, falls dieser nicht durch das aufwendige Verfahren bei den Behörden kommt. Außerdem sei das Thema so komplex, dass mit der Betreuung „überproportionale Personalkosten“ verbunden seien. Harder habe in den vergangenen zwei Jahren über 500 Personalstunden aufgewendet – bisher jedoch ohne Erfolg.

In Ulm sei es wesentlich einfacher, die Formalitäten für einen Ausbildungsplatz zu erfüllen, die Landkreise Alb-Donau-Kreis und Günzburg gingen „deutlich lösungsorientierter“ vor. „Das Landratsamt Neu-Ulm setzt sich bei dem Hürdenlauf an die Spitze der Region“, erklärt Thomas Zenzinger von Blech & Technik. Auch während der Ausbildungszeit, sagt Ute Mack vom Autohaus in Senden, müssten die Flüchtlinge ihre Duldung ständig verlängern lassen. Mit anderen Vorgaben erinnere das an eine „Ausbildungsverhinderung-Maßnahme für Flüchtlinge“.

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