Kampf um knappen Parkraum an Thalfinger Straße

Neun Parkplätze sollen wegen eines Neubaugebiets an der Eichenstraße ersatzlos wegfallen. Dagegen wehren sich die Bewohner der benachbarten Hochhaussiedlung. Stellplätze seien schon jetzt knapp.

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An einem Werktag sind an der Eichenstraße schon vormittags viele Parkplätze belegt. Gegen Abend verschärft sich die Situation zusehends. Denis Letrouvé (links) und Dieter Krämer wehren sich dagegen, dass Stellplätze wegfallen.  Foto: 

Am späten Nachmittag beginnt die Not. Dann kehren die Bewohner der Hochhaussiedlung in der Eichenstraße - insgesamt 200 Parteien - mit ihren Autos von der Arbeit zurück. Der Feierabend muss oft noch warten: Die Stellplätze entlang der Straße sind bald belegt, die Suche nach einem Parkplatz kann sich hinziehen. Teils wird auf einem Grünstreifen geparkt, was inzwischen von der Parkraumüberwachung geduldet wird, weil die beengte Situation bekannt ist. Manche stellen ihre Fahrzeuge auch im Parkverbot ab, berichtet Wohnungseigentümer Denis Letrouvé, der in der Hochhaussiedlung als Hausmeister arbeitet und im Verwaltungsbeirat sitzt. "Für ein Feuerwehrauto kann es so eng werden."

Und die Zahl der Parkplätze soll weiter schrumpfen: Das Neubaugebiet auf dem benachbarten Raab-Karcher-Gelände wird über eine hufeisenförmige Verbindung von der Eichenstraße aus erschlossen. Neun Stellplätze fallen für die Einfahrten weg, einen Ersatz auf Kosten der Gemeinde hatte der Gemeinderat am 18. November abgelehnt.

Und das ärgert Dieter Krämer (73), dessen Familie eine Wohnung in der Hochhaussiedlung gehört. Auch für eine breite Front der anderen Eigentümer und Bewohner sei dies unverständlich, berichten Krämer und Letrouvé. Zudem sie befürchten, dass während der Bauphase vorübergehend weitere 10 bis 20 Stellplätze wegfallen könnten.

Der ehemalige IBM-Manager Krämer, der Ende der 90er Jahre dann City-Manager in Neu-Ulm war, hat nun die Initiative ergriffen und am Mittwoch einen geharnischten Brief an die Verwaltung und etliche Gemeinderäte geschickt. "Die Bewohner und Eigentümer der Wohnungen an der Eichenstraße hatten natürlich erwartet, dass die Gemeinde selbstverständlich für die von ihr verursachten Parkraumprobleme Abhilfe schaffen würde."

Dies sei jedoch nicht geschehen, die Hochhausbewohner würden "diskriminiert". "Kann es sein, dass die Mehrheit des Gemeinderats für die Menschen in den einzigen Hochhäusern in Elchingen nicht allzu viel Sympathie empfindet? Kann es sein, dass man es sich bei diesem Einwohnerkreis nach Gutsherrenart erlaubt, Probleme nicht allzu ernst zu nehmen?", schreibt Krämer. Er ist überzeugt: In einer teureren Wohngegend wäre eine anwohnerfreundlichere Lösung gefunden worden.

Bislang habe er noch keine Reaktion auf sein Schreiben erhalten, berichtet Krämer bei einem Treffen vor Ort, zu dem auch Letrouvé gekommen ist. Im Dezember hatten sich Letrouvé und ein Vertreter der Verwaltungsgesellschaft Anzinger im Rathaus mit Bürgermeister Joachim Eisenkolb und Hauptamtsleiter Peter Botzenhard zusammengesetzt. Dort wurde seitens der Gemeinde unter anderem vorgeschlagen, dass die Eigentümer auf einer Grünfläche bei den bestehenden Garagen auf eigene Kosten weitere Stellplätze anlegen könnten. "Das kostet 50.000 Euro", schätzt Letrouvé. Auf der kommenden Eigentümerversammlung im Februar werde über das Thema gesprochen.

Krämer will nun Druck auf die Entscheidungsträger machen. Mit einer Unterschriftensammlung will er dokumentieren, dass Bewohner und Eigentümer die Parkplätze nicht kampflos aufgeben wollen, sie einen Ersatz einfordern.

In der Folge plant Krämer weitere Aktionen. Er kann sich etwa eine Demonstration auf dem Parkplatz des Rathauses vorstellen. "Oder wir sprechen eine Wahlempfehlung aus." Rund 400 Wähler dürften in der Hochhaussiedlung zusammenkommen, schätzt der 73-Jährige.

Hauptamtsleiter Botzenhard bestätigt auf Anfrage, dass in der Ausschreibung für die Erschließung des Neubaugebiets, die in diesem Jahr erfolgen soll, kein Ersatz für die neun Stellplätze vorgesehen ist. Er betont jedoch, dass das Thema für die Gemeinde damit keineswegs erledigt sei, man die Nöte der Anwohner ernst nehme. Zunächst soll nun das Ergebnis der Eigentümerversammlung im Februar abgewartet werden, dann ist ein weiteres Gespräch angedacht. Mit seinem Beschluss im November habe der Gemeinderat nur klargemacht, dass es keinen neuen Stellplätze für die Hochhausbewohner rein auf Kosten der Gemeinde, also der Allgemeinheit, geben wird.

An der Ecke Donaustraße/Eichenstraße etwa verfüge die Gemeinde noch über ein Grundstück, das für Parkplätze geeignet sei. Diese könnten dann zum Beispiel an die Bewohner vermietet oder verkauft werden. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat.

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Kommentare

20.01.2014 17:25 Uhr

Alles Planungsdefizite oder was?

Öffentlicher Parkraum ist im Laufe eines Tages permanent wechselnd belegt. Freizeitaktivisten, Pendler und Reisende gibt es immer und überall. Dies lässt sich kaum bürokratisch regeln. Nur eine eigene oder eine gemietete Garage garantiert Tag und Nacht einen Anspruch auf einen Parkplatz.

Die Eichenstraße in Neu-Ulm steht stellvertretend für Wohnsituationen, die unter einem extremen Mangel an Parkraum für Anwohner leiden. In der Folge werden die Hauseingänge zum Einladen und Ausladen genutzt. Anschließend wird das Auto bis zu einigen Hundert Metern weit entfernt geparkt. Das nervt und ist bei widriger Witterung sogar sehr lästig.

Viele Hochhausbewohner würden gerne in einer gemieteten Garage parken, um ihr Auto komfortabel nutzen zu können. Dies hängt allerdings davon ab, ob ein Grundstück in Wohnungsnähe vorhanden ist und ob ein Investor oder eine zu bildende Eigentümergemeinschaft dieses Wagnis eingeht.

Der wesentliche Vorteil einer Garage sind der Schutz und die Pflege des Fahrzeugs. Es behält länger einen hohen Wert. Dies ist im Besonderen bei gut belüfteten Stahlfertiggaragen mit einbruchgesicherten Garagentoren der Fall. Die im Neubaugebiet Eichenstraße geplanten Carports oder Tiefgaragen können keinen solchen Komfort bieten.
Hans Kolpak
Goldige Zeiten

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