Ja zum Iller-Kraftwerk

Der Grundwasserexperte Rüdiger Zischak hat keine Bedenken gegen ein Iller-Kraftwerk der SWU bei Bellenberg. Die Stadträte nahmen es zur Kenntnis, entscheiden wollen sie erst später.

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Rüdiger Zischak ließ keinen Zweifel aufkommen: Dem Bau des Iller-Kraftwerks der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) in Höhe von Bellenberg könne die Stadt getrost zustimmen. Aber aus Fürsorge für das Vöhringer Trinkwasser sollen die SWU nicht schon drei Monate nach dem Bauabschluss aus dieser Aufgabe entlassen werden, riet der Fachmann für Grundwasser und Bodenschutz, der beim Wasserwirtschaftsamt Donauwörth beschäftigt ist, den Stadträten.

Um mit gutem Gewissen eine Entscheidung treffen zu können, hatte die Stadtverwaltung Zischak auf Wunsch der Räte eingeladen. Zum Fortbestand des Auwaldes äußerte sich Zischak nicht, denn sein Fachbereich sei das Trinkwasser. Eine Entscheidung wird der Stadtrat zu einem späteren Zeitpunkt treffen.

Dem Ergebnis des Gutachtens von Christoph Schöpfer aus dem Büro Björnsen in Koblenz misstrauten Räte aller Fraktionen. Schöpfer hatte sein Werk in der Sitzung des Stadtrates am 24. November 2011 vorgestellt. Dieses besagt, dass sich die durch das massive Ausbaggern des Wieland-Kanals entfernte Schutzschicht nach etwa vier Wochen wieder bilde. Zischak erklärte dies mit dem kiesigen Untergrund und der geringen Fließgeschwindigkeit des Wassers. An der Zusam, im Landkreis Dillingen, habe es die gleichen Vorgaben geben. Diese Schutzschicht werde ständig gemessen und belege, dass alles im Lot sei.

Derzeit beträgt die Tiefe des rund 100 Jahre alten Wieland-Kanals etwa drei Meter, danach sollen es sechs Meter sein. Die Seitenwände sollen senkrecht verlaufen und mit Beton abgedichtet werden. Somit können insgesamt 90 Kubikmeter Wasser in der Sekunde transportiert werden.

Im Beton könnten jederzeit Risse auftreten, und dann dringe Oberflächenwasser, samt dem Abwasser aus der Kläranlage in Illertissen, ungebremst in die Wasserschutzgebiete I und II der Stadt ein, meldete Stadtrat Rüdiger Kreisl (FWG) Bedenken an. Während der Bauzeit wird das Abwasser der Kläranlage direkt in die Iller eingeleitet. Mittels eines Sperrriegels von Messstellen soll das Grundwasser kontrolliert werden. Mit einer eine halbe Million Euro teuren, der neuesten Technik entsprechenden Ultrafiltrationsanlage soll während der Bauzeit das Grundwasser gereinigt werden. Diese Kosten trägt die SWU.

Wer für Schäden am Trinkwasser nach dieser Zeit aufkommen muss, soll vertraglich geregelt werden, empfahl Zischak. Müsste die Stadt diese Filteranlage kaufen, damit das Trinkwasser nach einem Schadensfall weiter getrunken werden kann, käme dies die Bürger teuer zu stehen. Stadtrat Kurt Wiedenmayer (CSU) bezweifelte, ob die Trinkwassergewinnung der Wieland-Werke, auch wenn diese ertüchtigt werde, die Bürger im Notfall mit Wasser versorgen könnte.

Der in sechs Meter Tiefe verlaufende und zwei Kammern umfassende Druckstollen zur Iller durchschneidet, schräg verlaufend, das Vöhringer Wasserschutzgebiet I und II. Die Räte befürchten, dass der Zufluss zu den beiden Trinkwasserbrunnen abgeschnitten wird. Zischak entkräftet diese Bedenken: Der Untergrund werde aus Rollkies bestehen, und dieser transportiere das Grundwasser ungehindert. Der Stollen tauche also nur in das Grundwasser ein. "Diese Auswirkungen sind zu vernachlässigen."

Kreisl befürchtet, dass die Vegetation und die Vielfalt der Tiere im Auwald Schaden nehmen werden. "Um die Bewässerung zu verbessern, ist die Iller für viele Millionen Euro renaturiert worden", erinnerte er. Der ursprüngliche Plan, die Oberfläche des Druckstollens als Radweg frei zu halten, wurde fallen gelassen. Dieser Bereich soll nun der Natur überlassen werden.

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