Im gemachten Nest überwintern

Normalerweise ist das Storchennest auf dem Weißenhorner Fuggerschloss im Dezember verwaist. Heuer hat es sich ein Tier als Winterquartier ausgesucht.

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Der Sonne hinterher? Von wegen. Von einer Reise in den wärmeren Süden, wie ihn seine Artgenossen jeden Herbst antreten, hält der derzeit auf dem Fuggerschloss in Weißenhorn residierende Storch offenbar nichts. Er hat es sich in dem Horst gemütlich gemacht, den im Sommer des vergangenen Jahres ein Storchenpaar samt Nachwuchs bewohnt hatte.

Franz Zeller, Vorsitzender der Neu-Ulmer Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), glaubt zu wissen, warum der Storch nicht auf große Reise gegangen ist: Vor Jahren habe es im Elsass ein großes Storchenaufzuchtprogramm gegeben. Die Elternvögel stammten damals aus Marokko und hatten deshalb nicht die genetische Veranlagung, im Winter umzuziehen. Das vererbten sie ihren Nachkommen, von denen einige deshalb nie ausgeprägte Zugvögel wurden und sich seither im Winter in Mitteleuropa durchschlagen. Dabei, sagt Zeller, bleiben die großen Vögel oft nicht an einem Ort, sondern fliegen dahin, wo das Nahrungsangebot gut ist. Einer dieser Störche könnte das Weißenhorner Exemplar sein.

Große Sorgen müsse man sich um Meister Adebar nicht machen, sagt Zeller. Auch nicht, wenn es kälter werden sollte: "Er erfriert bestimmt nicht." Schwierig werde es für den Weißenhorner Storch nur, wenn er wegen einer geschlossenen Schneedecke längere Zeit über keine Mäuse mehr zum Fressen finde. Dann könne Meister Adebar aber schnell den Standort wechseln: "So ein Vogel ist ja sehr beweglich, der ist schnell mal ein paar hundert Kilometer weiter weg." Das gelte auch für die Illertisser Störche. Die hat Zeller kürzlich in ihrem Horst gesehen. "Die sind wohl auch in der ganzen Gegend unterwegs auf Futtersuche."

Ein Problem aber hat der Weißenhorner Storch, das seine Illertisser Artgenossen nicht haben: Er hat sich buchstäblich in ein gemachtes Nest gesetzt. Das Storchenpaar, das den Horst im Sommer bewohnt hatte, wird laut Franz Zeller darüber nicht begeistert sein, wenn es im Frühjahr zurückkehrt und einen Untermieter in seinem Wohnzimmer findet. "Das wird dann eine Rauferei geben, bei der sich der Stärkere durchsetzt", erklärt der Experte des Vogelschutzbundes. Entweder der Einzelstorch oder das Paar müsse sich anschließend eine neue Bleibe suchen. Wo diese dann sein wird, hängt laut Zeller vom Nahrungsangebot ab: Adebar mag feuchte Wiesen und kleine Tümpel, hat aber auch nichts gegen trockene Flächen, wenn dort viele Insekten wie etwa Heuschrecken leben.

Storchenbeobachterin Cornelia Michler aus Weißenhorn glaubt, dass es dem Storch auf dem Fuggerschloss gut gefällt. Immerhin habe er das Nest ja schon im Oktober bezogen, kurz nachdem das Storchenpaar abgeflogen sei.

Auch der Trubel rund um den Nikolausmarkt machte ihm nichts aus und selbst die Knallerei in der Silvesternacht scherte den Vogel nicht: An Neujahr saß er zufrieden im Nest und putzte sich ausgiebig.

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