Iller-Sanierung geht voran

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Minimum 10 Millionen Euro, wahrscheinlich eher 15 Millionen Euro: So viel wird es kosten, die Iller zwischen Vöhringen und dem Ayer Wehr zu renaturieren. Mancher Experte rechnet sogar mit Ausgaben von 5 Millionen Euro pro Bauabschnitt. Deren vier wird es geben zwischen Flusskilometer 13,6, das ist in etwa an der Nordspitze der Wieland Werke, bis Flusskilometer 9,2 beim Ayer Wehr. Im Mai 2014 wurde die vierte Etappe offiziell und mit einem Festakt beendet. 3,5 Millionen Euro waren damals in einen lediglich 1000 Meter langen Abschnitt geflossen: Die Iller wurde von 40 auf 60 Meter verbreitert, die Sole mit großen Steinen, einem so genannten offenen Deckwerk, erhöht, sowie die angrenzenden Auwälder tiefergelegt und mit Kiesbänken und Mulden versehen.

So soll es nun im direkten Anschluss daran weitergehen, sagt Harald Blau vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. So ganz konkret ist das Vorgehen aber noch nicht. „Wir sind mitten in der Entwurfsplanung“, sagt Blau als zuständiger Sachbearbeiter. Ende des Jahres wolle er in die Genehmigungsplanung einsteigen, Anfang kommendes Jahres soll dann das Planfeststellungsverfahren beginnen. Nach der Genehmigung folgen die Ausführungsplanung, Ausschreibungen, Vergaben. Der Spatenstich könnte dann 2020 erfolgen.

Entstehen sollen dann in kalkulierten vier Jahren weitere zwei jeweils rund 400 Meter lange, offene Deckwerke. Das eine dort, wo 2004 bereits eine solche Solesicherung eingebaut wurde, bei Kilometer 11, etwa auf Höhe des Golfclubs Ulm in der Wochenau. Das andere Deckwerk etwa einem Kilometer nördlich des 2014 beendeten Bauabschnittes bei Vöhringen. Deckwerke sind mit großen Steinen belegte Abschnitte. Damit soll verhindert werden, dass sich der Fluss weiter in sein Bett eingräbt. Zudem soll die Iller ebenfalls verbreitert werden, von derzeit 45 auf rund 60 Meter.

Auch Ausleitungen sind vorgesehen, also konstante Rinnenstrukturen auf beiden Seiten des Flusses. Blau bezeichnet das auch als „Entwicklungskorridore“ für die Iller, durch die dem Auwald Wasser zugeführt werden soll. Das nützt zum einen der Natur, stützt aber auch den Grundwasserpegel. Ein solcher Bereich soll auf Höhe der Sendener Baggerseen entstehen.

Dort gibt es aber einen neuralgischen Punkt: Die von Hittistetten kommende Gasleitung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Waldbaggersee. Diese kommt unterirdisch an der Iller an, wird dann mit einer Stahlgerüstkonstruktion über den Fluss geführt, und verschwindet auf der anderen Seite wieder im Boden. Blau sagt, entweder werden die Seitenarme der Iller vor der Gasleitung der Firma Terranet wieder in den Fluss zurückgeführt und das Wasser danach wieder ausgeleitet. Oder Flusswasser könne über die im Boden versenkte Leitung geführt werden. Dafür müsse die Leitung besonders geschützt werden. Was die bessere Variante ist, ermittle gerade ein externes Ingenieurbüro.

Eine große Herausforderung ist bis zum Baustart auch noch die Suche nach Ausgleichsflächen. Blau erklärt, dass wegen des Baus der Gerinnestrukturen ja Wald entlang der Iller verloren gehen wird. Dafür müsse andernorts aufgeforstet werden. Doch Land als Ersatz zu finden, sei schwierig. Das zeige sich derzeit in Senden, wo die Deichsanierung bei Freudenegg nicht beginnen kann, weil die Stadt keine Ausgleichsfläche bereit stellen will oder kann. Es geht dabei freilich auch um rund einen Hektar. Nach einem erneuten Krisengespräch im Rathaus will die Kommune die Suche nun intensivieren.

Großprojekt

Seit 1996 arbeiten Bayern und Baden-Württemberg gemeinsam daran, der vor 150 Jahren begradigten Iller wieder eine natürlichere Form zu geben. 28,5 Millionen Euro, auch EU-Mittel, wurden bisher dafür verbaut. Andernorts wird die Iller derzeit bereits renaturiert: Für einen Abschnitt bei Legau im Unterallgäu hat die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf kürzlich den Startschuss gegeben. Dort werden rund 6000 Kubikmeter Kies in den Fluss gebaggert. So soll unterhalb eines bestehenden Wasserkraftwerks neuer Lebensraum für Fische und Kleinlebewesen entstehen. Weitere Informationen zum Thema gibt es unter www.illerentwicklung.de.

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