Honig gegen Kratzer und ein Schwimmbad von Zuhause aus steuern

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Museumsleiter Walter Wörtz führte beim Aktionstag „Ohne Auto mobil“ durch das Illertisser Bienenmuseum.  Foto: 

Genau 23 Minuten dauert die Fahrt mit der Regionalbahn von Ulm nach Illertissen. Fünf Zwischenhalte gibt es, bei denen sich der Zug immer mehr füllt mit Menschen, deren Rucksäcke auf einen Ausflugstag hindeuten. In Illertissen angekommen steigen aber nur eine Handvoll Reisender aus. Dafür ist das Bahngleis Richtung Ulm übermäßig voll mit wartenden Menschen. „Wir folgen jetzt den Bienenausschilderungen“, sagt ein älteres Pärchen, das in Neu-Ulm eingestiegen ist. Es macht sich auf den Weg zum Illertisser Bienenmuseum, in dem es anlässlich des Aktionstags „Ohne Auto mobil“ eine Führung geben wird.

Mit drei Aktionen wollte sich die Stadt Illertissen an dem Programm des DING beteiligen, bei dem sowohl Kultur als auch Natur geboten wurde. Nur: mangels Anmeldungen fand die geplante und vom Vorsitzenden des BUND-Regionalverbands Donau-Iller, Ulrich Müller, geführte Radtour durch die Illerauen nicht statt. Dafür war der Andrang im neu eröffneten Bayerischen Bienenmuseum so groß, dass aus einer gleich zwei Führungen gemacht wurden. „Es ist nicht nur ein besonderer Tag, weil wir viele Besucher heute aus den umliegenden Städten und Gemeinden haben“, sagte Museumsleiter Walter Wörtz; „Wir haben hier heute den 10 000. Besucher.“

Das Museum, das nach einem Umbau, einer kompletten Neugestaltung und vielen neuen Exponaten im vergangenen Jahr als Bayerisches Bienenmuseum wiedereröffnet hatte, hielt für die Angereisten auch viel Erstaunliches parat. „Im alten Ägypten glaubte man, dass wenn der Sonnengott Ra weint, aus jeder Träne die auf dem Boden fällt, eine Biene wird“, erzählte Wörtz während seiner rund einstündigen Führung durch das Museum, in dem man 50 Millionen Jahre alte Ur-Bienen konserviert in Bernstein betrachten konnte. Zu sehen gab es auch Gerätschaften der Imkerei, Grafiken aus sechs Jahrhunderten und einen Schaubienenkasten, in dem trotz kühler Witterung und fehlender Sonne emsiger Betrieb herrschte. „Wir schmieren uns immer Honig auf unsere kleinen Verletzungen“, sagte Gisela Schneider, die mit ihrem Mann extra aus Ulm gekommen war, um sich in der Führung über moderne Formen der Imkerei zu informieren. „Hier geht es ja ausschließlich um die Honigbiene und wir überlegen, ob wir uns nicht einen Bienenstock in den Garten stellen“, sagte sie.

Ob Führungen, Expeditionen oder Radtouren: In der gesamten Region wurden mit dem Aktionstag wieder Veranstaltungen angeboten, die man kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen konnte. So fand unweit des Bienenmuseums am Nachmittag eine Führung durch die sonst verborgenen Kellerräume unter dem Freizeitbad Nautilla statt. Der Techniker Peter Klitzke erklärte dort gut einer Handvoll Besucher, was es mit den zahlreichen Rohren dort, den Knöpfen und Hebeln auf sich hat, und wie die Beheizung des Bades funktioniert. „Wir haben in den sieben Becken eine Wasserfläche von 800 Quadratmetern“, sagte Klitzke, der im Anschluss ausführlich die Filteranlage  erklärte.

„Am beeindruckendsten fand ich, dass man die ganze Technik hier auch von Zuhause aus steuern kann“, sagte der elfjährige Pascal nach dem Rundgang. Die Führung durch die Technikräume des Schwimmbads habe sich ihr Sohn selber ausgesucht, sagte seine Mutter Ute, und lachend: „Er ist so gut wie an allem interessiert.“ Nach der Führung gab es zum Abschluss ein Eis und dann ging es zurück zum Bahnhof. Denn auch Pascal und seine Mutter waren mit dem Zug aus Ulm angereist.

DING Der europaweite Aktionstag „Ohne Auto – mobil“ fand dieses Jahr in der Region zum 17. Mal statt. Das kostenlose Mobilitätsangebot der DING (Donau-Iller Nahverkehr-Gesellschaft) wird unterstützt von der Stadt Ulm, der Kreise Alb-Donau, Biberach, Neu-Ulm, der Fermwärme Ulm und den 33 beim Ding zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen. Mehr als 40 Aktionen aus den Bereichen „Naturerlebnis“, „Kulturgenuss“ und „Regionale Produktion“ standen in diesem Jahr auf dem Programm. Der Aktionstag versteht sich als Veranstaltung im Rahmen der „Europäischen Woche für Mobilität“, die diesmal das Motto „Sharing gets you further“ trägt. lms

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