Heilige im Guckkasten bei der Klosterkirche in Oberelchingen

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Was jetzt kommt, kennen wohl alle: der Nikolaus – für die meisten untrennbar verbunden mit Rauschebart und dem prall gefüllten Jutesack, aus dem er die Geschenke verteilt. Er überreicht sie persönlich oder füllt die in der Nacht vor die Tür gestellten Stiefel und Teller. Auch im Schaukasten bei der Oberelchinger Klosterkirche ist der heilige Bischof unschwer zu erkennen. Anders als in vielen Kirchen, in denen es von bärtigen Bischöfen auf Bildern und Sockeln wimmelt. Die Betrachter stehen oft ratlos vor den Heiligenfiguren: Wer ist wer?

Uta Möhler aus Oberelchingen findet es „schade, dass das Wissen, das zu unserer Tradition gehört, immer mehr verlorengeht“. Sie selbst kommt aus einer katholischen Familie, in der die Namenstage noch gefeiert wurden. Dank ihrer Großtante und ihrer Oma kennt sie viele Legenden, die sich um das Leben der Heiligen ranken. Und sie kann sie an ihren Attributen identifizieren.

Weil sie selbst gerne Geschichten erzählt, kreativ ist und das Wissen erhalten und weitergeben möchte, hat die gelernte Krankenschwester, Heilpraktikerin mit Ausbildung zur Kreativtherapeutin und Pfarrhelferin jetzt begonnen, ehrenamtlich den Schaukasten bei der Klosterkirche zu gestalten. „Es gibt Menschen, die lernen über Bilder, und andere, die haben mehr vom Wort, das sie hören oder lesen“, sagt die 48-Jährige. Mit den Szenen im Guckkasten und den dazu gestellten erklärenden Texten bedient sie beide.

Biegepüppchen – vorzugsweise „Winzlinge“ aus ihrer Heimat Hohenlohe und meist ersteigert im Internet – sowie kleine Holzfiguren werden zu Hirten und Heiligen „umgebaut“. Stoff- und Fellreste, Knöpfe, Bänder aller Art, die sie dafür benötigt, packt sie fein säuberlich in Schuhkartons oder in die kleinen Schubladen eines Kinderkaufladens aus den 50er oder frühen 60er Jahren. Pinsel, Scheren, Meterstäbe stecken in Soda- oder Seifenbechern, wie sie in eben jener Zeit und davor in deutschen Küchen zu finden waren. „Mir gefallen die alten Gefäße, und sie nur zur Zier aufzustellen, wäre schade“, sagt Möhler.

Sie hat bereits einen Plan erstellt für alle 25 Schaukästen im nächsten Jahr – zwei pro Monat und einen zusätzlichen für Weihnachten.  Wichtig ist ihr neben dem jahreszeitlichen auch der lokale Bezug. So wählt sie gerne Heilige, die auch in den Elchinger Gotteshäusern vertreten sind – wie beispielsweise Gertrud von Helfta, die Januarius Zick auf einem Seitenaltarbild in Oberelchingen dargestellt hat. Ihr widmete Möhler die zweite Novemberhälfte, da der 17. November ihr Todestag ist.

Für die Geschichte von St. Martin stellte sie eine Verbindung zum gleichnamigen Tor her: Dort bekamen in Oberelchingen Bettler Gaben wie Brot – laut Chronik der Reichsabtei sind es im Hungerjahr 1771 genau 60 506 „Laiblen“ gewesen sein, hat Möhler recherchiert. Sie forscht auch zur Interpretation der Legenden und der Attribute, die auch psychologisch gedeutet werden könnten, wie Anselm Grün in seiner Fernsehsendung über die 14 Nothelfer gezeigt habe. Zugleich seien die Legenden ebenso wie die Märchen „Geschichten, die gut tun und hilfreich oder auch einfach mal nett und bodenständig sein könnten“. Geerdet wie die Hirten und Hirtinnen auf dem Feld, denen die zweite Dezember-Szene im „Theater“ gewidmet ist. Dessen  Name „Attributa“ verweist nicht nur auf die charakteristischen Zeichen der Heiligen, sondern auch auf den Vornamen („Uta“) der Guckkasten-Gestalterin.

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