Roggenburger Klostermühle wird wieder Disko

In der Roggenburger Klostermühle wird gehämmert, gesägt und gestrichen. Ende November soll die ehemalige Kultdisco nach jahrelangem Leerstand wiedereröffnen.

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Touristen genießen auf der Terrasse des Restaurants „Klein Venedig“ am Roggenburger Weiher die Herbstsonne, mancher gönnt sich ein Gläschen Rotwein, andere einen Eisbecher. Auf dem Wasser machen Ausflügler eine Bootstour, zwei Familien starten eine Wanderung zum Kloster. Erholung pur zwischen Wasser und Wald? Nicht ganz. In der alten Klostermühle, die neben dem Gasthaus liegt, wird fast rund um die Uhr gearbeitet, Sägen und Bohrmaschinen sind zu hören. Es wird renoviert, in wenigen Wochen möchte der Veranstaltungsorganisator Patrick Smrekar eine Diskothek eröffnen.

 Beim Betreten der Klostermühle durch die schwarze Tür beginnt eine Reise in die 1990er Jahre. Vor der Garderobe stehen versiffte Maßkrüge der ehemaligen Ulmer Münster Brauerei, in einem Schaukasten liegen alte Tickets, Getränkekarten und ein Einlass-Stempel. Alles Relikte der letzten Klostermühle-Partys. Die einstige Kultdisko schloss im Herbst 1994 nach knapp 20 Jahren. „Als ich Ende 2012 zum ersten Mal das Gebäude betrat, fand ich hier sogar noch eingeschenkte Cocktails vor“, sagt Johannes Schmid. Ihm und seiner Frau gehört der denkmalgeschützte Bau.

Aufgeräumter sieht der Hauptraum der Klostermühle aus: Hier stehen für die Handwerker Kaffeekannen und ein Fertigkuchen parat. Alles aus der Gegenwart. Rund um die Verpflegungsecke sind Gerüste und Baumaschinen aufgebaut. „Unsere Arbeiten laufen auf Hochtouren“, sagt Smrekar. Der 24-Jährige verlegt mit seinen Helfern einen Boden und verpasst den Wänden einen Anstrich. „Dafür mussten wir zuerst die Styroporschichten entfernen, die früher als Schallschutz gedient haben.“ Künftig soll der Hauptraum mit den jahrhundertealten Holzbalken aus längst vergangenen Mühlen-Zeiten das Herzstück bilden.

 „Es soll edel und zugleich rustikal werden“, sagt der Biberacher über den Umbau. An die Partys der 80er und 90er Jahre soll etwa eine Diskokugel mit einem nachgebauten Mühlrad erinnern. Überdies plant Smrekar, die Bar wie früher direkt an der Wand entlang zu bauen.

Das DJ-Pult in der neuen, alten Mühle wird laut Smrekar  in die Tanzfläche integriert. Er rechnet damit, dass sich künftig gut 100 Gäste auf der Tanzfläche austoben können. Wer den Trubel satt hat, kann von der Galerie aus das Geschehen beobachten. Ein weiterer Veranstaltungsraum soll im Frühjahr im Untergeschoss entstehen.

Die Arbeiten konzentrieren sich aber nicht nur auf den Diskoraum: Die alten Toiletten werden ausgebaut und ersetzt. Dafür müssen neue Wasserleitungen verlegt werden. Hinter den Kulissen sollen ein Spülbereich, Büroräume und ein Personalbereich entstehen. Wichtig ist Smrekar das Thema Sicherheit: „Im gesamten Gebäude wird es eine Kameraüberwachung geben.“ Gesteuert wird alles über ein Tablet.

 Auf einem Rundgang macht sich Eigentümer Schmid ein Bild vom Fortschritt. Der Roggenburger war früher selbst Gast der Klostermühle und kann die Wiederöffnung kaum erwarten. „Ich bin absolut dafür, die alte Mühle wiederzubeleben.“ Schmid betont auch, dass es sich für ihn „nicht um ein kommerzielles Projekt“ handele. Vielmehr möchte er Räumlichkeiten für Partys in der Klostergemeinde schaffen.

 Bis zur geplanten Eröffnung am letzten November-Wochenende haben die Macher einen straffen Zeitplan vor sich. Sie müssen noch nach Personal suchen und Konzepte für die ersten Partys entwerfen. „Ich bin richtig heiß auf die Eröffnung“, sagt Smrekar. Unter seinem Künstlernamen DJ Pat möchte er bei einigen Partys auch selbst auflegen.

Geschichte Die Mühle des Klosters Roggenburg wurde 1598 erstmals urkundlich erwähnt. Im Zuge der Säkularisation fiel das Gebäude zu Beginn des 19. Jahrhunderts an den Staat. Dieser verpachtete die Mühle, verkaufte das Gebäude aber bereits 1811. Die Mühle war seit der Klosteraufhebung und dem Verkauf stets verpachtet. Der eigentliche Betrieb wurde vor etwa 50 Jahren eingestellt. 2012 kaufte der Roggenburger Johannes Schmid mit seiner Frau die alte Mühle. Nun wird er Teile des Gebäudes an den Veranstalter Patrick Smrekar vermieten. Die neue Disko soll mindestens zehn Jahre genutzt werden.

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