Greane Krapfa: Fastnacht ganz bewusst im Ort feiern

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Überzeugte Greane Krapfa: Alexander Glöckle (links), Peter Dehm (oben rechts) und Bernd Bitterle.  Foto: 

Sitzungspräsident Peter Dehm, Präsidiumsmitglied Bernd Bitterle und Vorsitzender Alexander Glöckle blättern in alten Festzeitschriften. Schwarz-Weiß-Fotos zeigen die Anfänge einer der, wie es heißt, größten und ältesten Fastnachtsvereine in Bayerisch-Schwaben. 1957 wurde die Narrenzunft gegründet, der Beiname „Greane Krapfa“ kam 1969 dazu. Weil die Gardekostüme grün sind und „Krapfa“ der Spitzname der Oberelchinger ist.

Von einst 25 ist der Verein auf derzeit 478 Mitglieder gewachsen. Die meisten sind Oberelchinger. „Wenn Du bei der Prunksitzung ein Gschbusi an der Bar hast, weiß das deine Frau, bevor du heimkommst“, so das Trio. Das älteste Mitglied ist 84 und heißt Hermann Götz. Er schreibt seit vielen Jahren Büttenreden und schnitzt die Masken für die vereinseigenen Maskengruppen „Därles Bärbla” und „Bobbele”. Zunächst waren Musik und Büttenreden angelehnt an die traditionelle Mainzer Fastnacht. Und auch heute noch werden viele rheinische Lieder bei den Prunksitzungen vorgetragen. Aber es seien auch viele eigene dazugekommen.

Anfangs gab es nur die Saalfastnacht im Bräuhaus und dem Gasthaus Krone. In den 70er Jahren kamen dann Prunksitzungen und die Garde dazu. Seit zwei Jahren lassen die Greane Krapfa auch eine alte Tradition aus der alemannischen Fastnacht wieder aufleben: Ein mit Stroh umwickelter Mann wird als „Bär“ am Rosenmontag durchs Dorf getrieben, um den Winter zu verjagen.

„Die Qualität vieler Fastnachtsveranstaltungen ist nicht mehr so wie früher. Die Gäste bleiben aus. Deshalb lassen viele Vereine ihre Gardekinder an Wettkämpfen teilnehmen und machen keine eigenen Feste mehr. Wir haben das Gegenteil gemacht und bleiben an Fastnacht bewusst im Dorf, um rund zehn große Events zu veranstalten”, sagt Bernd Bitterle. „Wir sind vielfältig und verbinden viele Elemente: das Schwäbisch-Alemannische, den rheinischen Karneval und die Garde.“ Die Gruppen lebten miteinander und würden sich gegenseitig helfen. „Wir vertreten das älteste Brauchtum Europas. Das wollen wir pflegen und weitergeben. Und das kommt gut an”, sagt Bitterle.

Hände hoch, Überfall!

Anekdoten sollten lieber im Verein bleiben, sagen Dehm, Bitterle und Glöckle. Nur eine wird immer wieder gern erzählt: Anfang der 90er Jahre waren zwei 60 und 80 Jahre alte Damen des Vereins am Faschingsdienstag auf dem Weg zum Kaffeekränzchen. Vorher wollten sie noch die ihnen bekannten Mitarbeiter der Sparkasse erschrecken. Maskiert betraten sie die Bank mit Plastikpistole und riefen „Hände hoch! Das ist ein Überfall!“ Die Mitarbeiter nahmen den Scherz für bare Münze und riefen die Polizei. Der Fall landete vor Gericht, aber der Richter schien auch ein Fastnachter zu sein: Es gab lediglich 20 Mark Strafe für die Damen, die ihre scherzhafte Absicht beteuerten und anmerkten, dass man am Faschingsdienstag lieber keine Bankfiliale öffnen sollte. Der einzig Leidtragende war wohl der anwesende Kunde in der Bank, der die Pistole an sich reißen wollte – und die Handtasche einer der Damen um die Ohren geschlagen bekam.

Feier Am kommenden Freitag, 13. Oktober, feiern die Greane Krapfa ihr 60-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Konstantin-Vidal-Haus in Ober­elchingen. Beginn ist um 19 Uhr.

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