Geld gewaschen, um Schulden zu begleichen

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Noch einmal ein Auge zudrücken? Das kam für Thomas Mayer diesmal nicht in Frage. „Ich bin ja eigentlich großzügig, was Bewährungen angeht“, sagte der Neu-Ulmer Amtsgerichtsdirektor. Die Aussetzung der von ihm verhängten Strafe gegen die Angeklagte könne jedoch unmöglich zur Bewährung erfolgen. Schließlich sei die 43-Jährige aus dem Illertal vorbestraft und habe zur Tatzeit nach einer Verurteilung wegen Betrugs unter offener Bewährung gestanden.

Mayer verurteilte die Mutter eines achtjährigen Kindes wegen „leichtfertiger Geldwäsche“ zu sechs Monaten Gefängnis, die sie nun also absitzen muss. Mit auf der Anklagebank saß ihr sechs Jahre jüngerer Mann. Er erhielt vier Monate Haft – allerdings auf Bewährung.  Zudem muss der Verurteilte 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Paar ist hoch verschuldet und „fahrlässig in einen Internet-Betrug hineingeschliddert“, wie der Verteidiger sagte. Genauer gesagt, geriet es an eine Fake-Bank mit angeblichem Sitz in den Niederlanden. Die Bank lockte die beiden mit dem Versprechen, Kredite zu vergeben, ohne Schufa-Auskünfte zu verlangen.

Um die Vertrauenswürdigkeit zu beweisen, wurde das Paar aufgefordert, sein Konto für Transaktionen zur Verfügung zu stellen. Was die späteren Angeklagten taten. In der Folge gingen auf das Konto mehrere Überweisungen ein – stets mit einem Vermerk, der darauf hinwies, dass mit dem Geld hochwertige Küchengeräte gekauft worden waren. Zehn Prozent der jeweiligen Eingangssumme behielt das Paar absprachegemäß für sich, den Rest überwies es weiter auf diverse Konten im Ausland. Die Küchengeräte wurden nie geliefert.

Die Angeklagten räumten die Geldwäsche-Vorwürfe ein. Alles in allem wurden ihnen sieben Fälle nachgewiesen. Schaden für die geprellten Küchengeräte-Interessenten: insgesamt 5000 Euro. Der 37-Jährige gab an, ahnungslos gewesen zu sein, sagte: „Ich habe nicht gewusst, dass es Geldwäsche ist. Sonst hätte ich es nicht gemacht.“ Mit dem einbehaltenen Geld habe man die Miete bezahlt, Schulden beglichen.

Richter Mayer bescheinigte den Angeklagten, nicht mit krimineller Absicht, sondern eher arg naiv gehandelt zu haben. Der Richter sagte: „Man sollte das Internet eben nicht für bare Münze nehmen.“

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