Ferien mit Rindviechern

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Siri klettert aus dem großen Trampolin, rennt über den Hof in Richtung Pavillon. „Darf ich in die Hängematte?“, fragt die Zehnjährige. „Aber klar“, antwortet Maria Junginger und lässt den Blick über den liebevoll gepflegten Garten schweifen. Es sind die ersten Tage der Sommerferien, die Sonne scheint. Auf dem Hof der Familie Junginger in Holzheim tummeln sich bereits zahlreiche Feriengäste.

Acht Ferienwohnungen vermietet Maria Junginger, einige von ihnen direkt auf dem Hofgelände am Ortsausgang, alle acht in Holzheim. Manche tragen sprechende Namen wie „Waldblick“ und „Gartenblick“, andere sind nach den Enkelkindern Leonie und Noah benannt. „Wir sind so gut wie immer ausgebucht“, erzählt Maria Junginger.

Ihre Familie ist alteingesessen in Holzheim, bewirtschaftete schon im 17. Jahrhundert einen Hof im Ortskern. Sie selbst ist dort aufgewachsen, hat später gemeinsam mit ihrem Mann Karl den Landwirtschaftsbetrieb der Eltern übernommen. „Wir hatten alles: Kühe, Bullen, Schweine, Hühner.“ Bald aber spezialisierten sich die Jungingers auf Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung ihrer Produkte.

1998 übergaben sie den Betrieb an ihre Kinder Matthias und Carolin, die dort heute neben einer Metzgerei und einem Cateringunternehmen ein Hotel führen. Auf dem Aussiedlerhof von Maria und Karl Junginger leben 45 Rinder, die sich auf der Weide und im Stall frei bewegen können. Die Weiden reichen bis nach Steinheim hinunter. „Eine Traum-Tierhaltung“, sagt Karl Junginger.

Dass sich auch die Gäste in den Ferienwohnungen wohlfühlen, ist Maria Junginger ein großes Anliegen. „Ich gucke immer, dass wir eine nette Hausgemeinschaft sind“, sagt sie. Fahrräder und Schlauchboote stehen den Gästen zur Verfügung, und jeder Neuankömmling erhalte eine Tasche mit Informationen über die Gegend. „Unsere Region hat so viel zu bieten. Sie müsste das, was sie hat, nur besser vermarkten“, sagt die Hofbesitzerin. Oft hätten sie Besucher, die 500 Kilometer gefahren seien, nur um ins Legoland zu gehen. „Wenn sie nach zwei Tagen wieder abreisen, stellen sie fest: Hier könnte man ja auch zwei Wochen bleiben.“

Sie schätze es, dass man in der Region auch mit wenig Geld viel unternehmen könne: „Die vielen Badeseen, Glacis-Park, Ulm, die Höhlen, Schloss Brenz, Elchingen“, sprudelt es aus ihr heraus, und es ist klar, sie könnte noch eine ganze Weile weiter reden über sehenswerte Orte in der Region. „Einmal hatte ich sechs Wochen lang Italiener hier, die habe ich jeden Tag beschäftigt.“ Viele ihrer Gäste bleiben mehrere Monate, sind keine Touristen, sondern beruflich in der Gegend.

Siris Großeltern etwa leben gewöhnlich in Spanien und sind für drei Monate auf Heimaturlaub in Deutschland. Auf die Jungingers sind sie im Internet aufmerksam geworden. „Etwas wirklich Nettes zu finden, ist gar nicht einfach“, sagt Siris Oma, die den Aussiedlerhof als „echtes kleines Paradies“ empfindet. Schon im Oktober habe sie daher ihren Aufenthalt gebucht. Für zwei Wochen ist nun die Enkelin aus Fürth zu Besuch. Bauer Junginger wirft den Bulldog an, ruft: „Alle aufsteigen.“ Die Zehnjährige zieht ihren Opa auf die Ladefläche. Heute dreht Junginger nur eine kurze Runde, manchmal fährt er aber auch eine Dreiviertelstunde über die Felder. „Da sieht man manchmal die Ohren von den Rehen durch den Weizen hindurch.“

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