Erste vorsichtige Erkenntnisse

Was die Baden-Württemberger noch vor sich haben, ist in Bayern schon fast Geschichte. Der Weißenhorner Rektor Klaus Schneikart und der Neu-Ulmer G9-Abiturient Moritz Clauß erinnern sich.

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Moritz Clauß hat alles entspannt hinter sich gebracht. Archivfoto

Der Blick zurück erfolgt nicht im Zorn. "Es war natürlich die doppelte Belastung. Aber ich denke, wir haben es gut hingekriegt", sagt der Weißenhorner Schulleiter Klaus Schneikart. Bayern war mit dem G8 vorgeprescht, hatte demnach schon im vergangenen Jahr den Doppel-Jahrgang zu bewältigen. Den Schülern war das während der Prüfungsphase herzlich egal: Abitur ist Abitur, egal ob 20 oder 200 mitleiden.

"Für mich war alles recht entspannt", sagt Moritz Clauß, G9-Abiturient am Lessing 2011: "Schwierigere Sachen wurden bei uns glaub ich gestrichen, weil sie in dem engen Zeitraum nicht zu machen waren." Schließlich mussten sie fertig sein, ehe die G8-Prüflingen angefangen haben. Das ist der wesentliche Unterschied zu Baden-Württemberg, wo gemeinsam geprüft wird.

Gelitten haben unter der Dauerprüfung die Lehrer. Aufsicht, Korrektur, Konferenzen - alles musste doppelt passieren. Besonders schlimm dran: Die Deutsch- und Mathe-Lehrer, weil ihre Fächer am G8 Pflicht sind. Auch die beiden mündlichen Prüfungen - am G9 gabs nur eine - sind personalaufwändig. Das ging nicht ohne Unterrichtsausfall ab.

Inzwischen ist G8 in Bayern Normalität, die Rückkehr zum G9 lehnt Kultusminister Ludwig Spaenle konsequent ab. Er überrascht mit der "Idee", die Schüler könnten in der Mittelstufe ein "freiwilliges Jahr zur Vertiefung" einlegen.

In Weißenhorn werden am 11. Mai 98 Schüler antreten. Ihr Vorteil: Die erste mündliche Prüfung ist vor den Pfingstferien, die zweite danach. "Da bleibt nochmal Zeit zum Luftholen", sagt der Schneikart, zumal die "harten" Lernfächer in die zweite Woche gelegt wurden.

Ein Fazit des G8-Abiturs zu ziehen, fällt dem Rektor schwer. "Das Mittelfeld ist kleiner geworden", meint er. Top-Schüler sind noch besser, die Schwächeren schlechter. So haben 22 Abiturienten mit Einser-Schnitt 2011 das NKG verlassen. "Woran es liegt, kann man nur vermuten", sagt Schneikart. Es fließen mehr Vorleistungen ein, das Mündliche hat mehr Gewicht. "Das könnten Vorteile für starke Schüler sein." Klausuren in Mathe und Deutsch lösen dagegen bei schwächeren Abiturienten oft Schweißausbrüche aus.

"Von einzelnen habe ich gehört, dass der Vorteil weg ist, den Bayerns Schüler in einigen Studiengängen hatten", erzählt der Rektor. Nachvollziehbar ist das, denn während man im G9 etwa Leistungskurs Physik mit fünf Stunden wählen konnte, gehen im G8 nur drei - zugunsten der Allgemeinbildung.

Moritz Clauß hat seine finale Schulzeit als "G9er" jedenfalls in guter Erinnerung behalten: "Die Kollegstufe war die angenehmsten Zeit an der Schule. Weil die Lehrer einen nicht mehr explizit wie Schüler behandelt haben, sondern mehr als gleichberechtigten Diskussionspartner. Aber ich denke das liegt weniger am System als am Alter."

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