Erlebnisse mit Edelleuten beim Ritterturnier in Weißenhorn

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Von Weitem erinnert das laute Gebrüll an ein Fußballspiel. Allerdings stehen sich auf der Hasenwiese in Weißenhorn keine 22 Männer in Trikots und Stutzen gegenüber, sondern vier Teams von jeweils drei edlen Rittern in mittelalterlichen Rüstungen. Mit tosendem Beifall begrüßen hunderte Zuschauer die Akteure des Samstagnachmittags. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde durch die Herolde beginnt für die vier Kumpaneien, so heißen die Rittermannschaften, der Wettstreit. Können und Konzentration sind gefragt beim Turnier zum 20. Geburtstag des Vereins Armati Equites, in dem es um Ruhm und Ehre geht.

 Zum Start müssen sich die Ritter mit der Lanze im „Ringe stechen“ beweisen, anschließend einen Schädel  spalten – der allerdings durch einen Apfel dargestellt wurde. Bei einer „Sauhatz“ müssen die Ritter von den Rössern herab das Herz eines nachgebauten Schweins treffen. Viele der Teilnehmer meistern die Herausforderungen mit Bravour. Die Königsdisziplin steht am Turnierende an: Bei der „Tjost“ versuchen die adeligen Kämpfer in vollem Galopp die Lanze des Gegners zu brechen. Wenige Minuten nach dem Turnier wird die Gundelfinger Ritterschaft  zum Sieger erkoren, was die drei Mitglieder der Kumpanei gebührend feiern: Mit ihren Fahnen und geballter Faust drehen Ulrich von Gundelfingen, Goteberg zu Falkenstein und Hans von Wernau eine Ehrenrunde auf der Stechbahn.

Entspannung beim Bogenschießen

 Ortswechsel: Einige Meter neben dem Ritterturnier-Areal geht es ebenfalls sportlich zur Sache. Bei einem Bogenturnier werden die Qualifikationsrunden für das Finale absolviert. Mitmachen darf jeder, der einen Vollholzbogen und Holzpfeile besitzt. Extra aus Göppingen ist Jose Calbacho angereist. Er betreibt den Sport seit sechs Jahren und erhofft sich eine vordere Platzierung. „Bogenschießen ist sehr entspannend“, findet der gebürtige Spanier. Halligalli herrscht direkt vor der Bühne. Fabio der Gaukler unterhält mit Kunststücken – und seiner großen Klappe. Die Gruppe „Kel Amrun“ bringt mit Dudelsäcken, Gitarren und Trommeln treibende Rhythmen und mystische Klänge auf das Festival.

Eintauchen in die Welt des Mittelalters können die Gäste beim Besuch des Lagerlebens. Die Mitglieder des Langenauer Vereins Armati Equites – die gewappneten Ritter, die Turnier und Lager veranstalten, haben ihre Zelte auf der Hasenwiese aufgeschlagen. „Die Leute können gerne reinkommen und sich über das Leben in früheren Zeiten informieren“, sagt der Vorsitzende Mark Braune. Für ihn ist das Wochenende trotz des teilweise regnerischen Wetters ein voller Erfolg. „Die Besucher sind begeistert und beeindruckt. Die meisten Gäste kommen direkt aus Weißenhorn, aber auch Mittelalterfans aus dem Umkreis von 60 Kilometern sind da.“ Dabei sind auch befreundete Vereine wie zehn Edelleute von Montfort-Tettnang. Sie präsentieren in selbstgenähten Gewändern das Leben der Adeligen im 12. und 13. Jahrhundert. Aus Lindau ist Thomas Disam mit seiner Gruppe angereist: „Bei uns können Kinder in Rüstungen schlüpfen und mittelalterliche Waffen kennenlernen.“

Handwerk auf dem Markt

Auf dem Markt, der fester Bestandteil der Veranstaltung ist, bietet „Töpferbaron“ Markus von Entress-Fürsteneck handgefertigte Trinkhörner und Lampen an. „Der Platz eignet sich perfekt für ein Mittelalter-Event“, sagt er. Töpferwaren und Öle aus Marokko können bei Jochen Hochstatter aus Neresheim erworben werden. „Die Weißenhorner sind wirklich interessiert, ich habe schon viele nette Gespräche geführt“, berichtet er.

Zu den wichtigsten Personen auf dem Festgelände gehört Gisela Jahn: Die Chefköchin versorgt die Mitglieder von  Armati Equites mit leckeren Speisen. Gekocht wird auf offenem Feuer. Auf dem Essensplan stehen Gemüsesuppe und Gulasch. Originalgetreue, mittelalterliche Gerichte möchte sie den hungrigen Rittern und Edelleuten nicht auftischen: „Das würde wahrscheinlich niemandem schmecken“, sagt sie und lacht.

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