Enttäuschung nach Aus für Geburtshilfe

Seit einer Woche ist die Geburtshilfe Illertissen vorläufig geschlossen: Auf der Webseite der Klinik gibt es keinen Hinweis auf die Abteilung mehr.

|

Leni Victoria heißt das Baby, das als letztes in der Entbindungsstation der Illertal-Klinik Illertissen geboren wurde. Und zwar laut Baby-Galerie der Klinik am frühen Dienstagmorgen vergangener Woche – dem Tag, an dem die Geburtshilfe vorläufig geschlossen wurde. Kurz nach der Entscheidung des Kreistags gegen eine Hauptabteilung an der Illertalklinik hatten alle freiberuflichen Hebammen außerordentlich gekündigt – wegen der hohen Arbeitsbelastung, aber auch aus Frust über die politischen Entwicklungen.

Gespräche mit den Hebammen zeigen, dass dieser Frust noch keineswegs verflogen ist. So machte unter den früheren Kolleginnen schnell die Runde, dass der Internetauftritt der Geburtshilfe bis auf die Babygalerie gelöscht und die Wochenstation im Erdgeschoss des Krankenhauses komplett stillgelegt wurde. Patientinnen der Gynäkologie seien in andere Stockwerke verlegt worden. In den letzten Tagen vor der Schließung hat es an der Illertalklinik noch einen regelrechten Babyboom gegeben. Allein am 13. Mai seien sieben Kinder in der Station zur Welt gekommen, sagt Hebamme Ursula Wirth. „Alle, die ihr Kind noch in Illertissen zur Welt bringen konnten, waren sehr froh.“ Für alle anderen Schwangeren, die sich ja nicht ohne Grund für eine Geburt in Illertissen entschieden hätten, sei die Situation dagegen furchtbar, meint Wirths Kollegin Heike Emsberger: „Es tut mir in der Seele weh.“

Besonders enttäuscht sind die Geburtshelferinnen darüber, dass trotz anders lautender Ankündigungen bislang kein Vertreter der Klinikleitung das Gespräch mit ihnen gesucht habe. Das vergangene halbe Jahr und die politischen Diskussionen um die Geburtshilfestation seien psychisch belastend gewesen, sagen die Illertisser Hebammen. Sie wollen nun erst einmal ihre Arbeit in ihren Praxen fortsetzen.

Als Farce werten die Hebammen eine Stellenausschreibung auf der Klinik-Homepage, mit der die Krankenhausleitung zum nächstmöglichen Zeitpunkt Hebammen und Entbindungspfleger sucht. Dies sei eine reine „Pro-Forma-Aktion“, meinen die Geburtshelferinnen: „Das Entsetzen über unsere Kündigung hat sich in Grenzen gehalten.“ Dr. Andreas Keller, Leiter der Illertalklinik Illertissen, weist dagegen darauf hin, dass gerade die außerordentliche Kündigung der Hebammen das vorläufige Aus für die Geburtshilfestation bedeutet habe. Ohne das Fachpersonal könne die Abteilung nicht öffnen. Wie es weitergehe, könne er nicht sagen, so Keller. Für ihn stehe die gute Versorgung der Patienten seiner Klinik im Vordergrund. Nicht richtig sind laut Klinikleiter Darstellungen in der Klinikdebatte, gerade die Illertisser Geburtshilfe sei für das Defizit des Krankenhauses verantwortlich. Richtig sei, dass nur die Urologie an der Illertalklinik eine schwarze Null schreibe, sagte Keller am Montag.

Mit scharfer Kritik an der Klinikleitung hat sich unterdessen der Illertisser CSU-Ortsverband zu Wort gemeldet. Das geäußerte Bedauern von Klinikleiter Keller über die geschlossene Geburtenstation sei „Hohn und Spott gegenüber den Vertretern des Bürgerbegehrens“, so die Christsozialen. Gerade Keller habe die Schließung der Station maßgeblich befürwortet. Zudem erinnert die CSU an eine Aussage des Stiftungsdirektors Michael Gaßner von 2013, eine Schließung der Neu-Ulmer Geburtshilfe dünne die medizinische Versorgung im Landkreis aus. Dies, so die Illertisser CSUler, gelte dann wohl auch für Illertissen.

Kritik richtet die CSU auch gegen die SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Antje Esser. Wenn sie „in der Zukunft an der sozialen Grundversorgung die schwarze Null sehen“ wolle, gelte dies „hoffentlich nicht nur für den südlichen Landkreis“.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Tötung an Ulmer Schillerstraße: Polizei sucht Zeugen

Im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an der Ulmer Schillerstraße am 23. Mai sucht die Polizei einen jungen Mann und eine junge Frau als Zeugen. weiter lesen