Elchingen: Paketzustellung in der Mülltonne erbost Kunden

In Elchingen werden Hermes-Pakete in Mülltonnen „zugestellt“. Das Unternehmen entschuldigt sich und erklärt, was erboste Kunden in diesem Fall tun sollten.

|
Alles andere als himmlisch: Der selbsternannte „Götterbote“, das Logistik-Unternehmen Hermes, stellt derzeit vermehrt Pakete hinter oder sogar in dem Mülleimer zu (im Bild nachgestellt). Eine Praxis, die betroffene Kunden maßlos ärgert.  Foto: 

Norbert Beer traute seinen Augen nicht. Im Briefkasten fand er eine Karte des Logistik-Unternehmens Hermes. Diese wies darauf hin, dass sein bestellter „Spezial-Zucker“ an einem fragwürdigen Ort abgelegt worden war. „Das Paket lag nicht auf, hinter oder neben, nein, es lag in der Mülltonne“, sagt der Oberelchinger. Bei sommerlichen 30 Grad.

In der Gemeinde ist das derzeit kein Einzelfall: Harald Aubeles bestellte Kleidungsstücke landeten ebenfalls im Müll. „Versuch die mal zurückzugeben, wenn sie nicht passen“, meint Aubele erbost, um aber nachzuschieben, dass er seine gut verpackten Klamotten nach gründlicher Wäsche nun tragen kann. Da mutet es fast schon harmlos an, wenn weitere Betroffene davon berichten, dass „der Götterbote“ ihr Paket hinter dem Mülleimer oder in der Blauen Tonne „zugestellt“ hatte.

Auf den Unmut angesprochen, sagt Hermes-Pressesprecher Ingo Bertram, dass die Vorfälle „in keinem Fall dem Qualitätsverständnis, das wir als Logistik-Unternehmen an unsere Arbeit stellen“, entsprächen. „Dafür möchte ich mich im Namen von Hermes ausdrücklich bei den Betroffenen entschuldigen“, sagt Bertram.

 Zwar könne „in Ausnahmefällen ein Paket durchaus an einem sicheren Ort abgelegt werden“, um die Zustellung zu beschleunigen. „Dies jedoch darf nur geschehen, wenn dies vom Empfänger zuvor schriftlich oder online bei Hermes beauftragt wurde.“ Liege ein solcher Auftrag nicht vor, dürfe der Zusteller die Sendung nicht ohne Unterschrift ablegen. Tue er dies, handele er „zuwider klarer Arbeitsanweisungen“. Ein geeigneter Ablage-Ort sei „eine überdachte Terrasse oder ein Carport, ganz sicher aber nicht eine Müll- oder Biotonne“, gesteht Bertram ein, der auf Anfrage zur Anzahl der Beschwerden aus den Kreisen Alb-Donau und Neu-Ulm keine Angaben macht.

Doch was sollen betroffene Kunden tun, deren Sendungen widerrechtlich abgelegt worden sind? Wenn die Ware unversehrt sei, sollten sie sich „unverzüglich bei unserem Kundendienst melden“, rät Bertram. „Nur, wenn wir von solchen Fällen Kenntnis erlangen, können wir gemeinsam mit den zuständigen Servicepartnern in der Region sprechen und, falls nötig, entsprechend nachschulen.“

Und wenn ein Paket beschädigt wird oder verloren geht? Dann sollte sich der Betroffene an den Kundendienst des Versenders wenden, also meist einen Online-Shop. Als Vertragsnehmer von Hermes sei „mit Blick auf Datenschutzregelungen nur ebendieser Online-Shop berechtigt, den Fall nachzuforschen und zur Klärung zu bringen“. Sei ein Fehlverhalten des Zustellers erwiesen, werde Hermes gegenüber dem Shop „regulieren“. Die Abwicklung für den Verbraucher übernehme der Internethändler. Finanziell entstehe dem Kunden kein Schaden, da der Online-Shop „zumeist umgehend eine kostenfreie Ersatzbestellung auslöse“, sagt Bertram und ergänzt: „Ärgerlich ist ein solcher Vorgang aber natürlich trotzdem zweifellos.“

 Ein Ärger, der vielen DHL-Kunden erspart bleibt. Beim gelb-roten Riesen können Pakete oft in der nächsten Postfiliale abgeholt werden, wenn der Zustellversuch erfolglos war. Dass Sendungen in solchen Fällen nicht automatisch an einen Paket-Shop umgeleitet werden, ist laut Bertram damit zu erklären, dass Hermes – im Gegensatz zu anderen Dienstleistern – „prinzipiell bis zu vier Zustellversuche an der Haustür“ unternehme. „Genau das ist vielen unserer Kunden wichtig, die Vorbehalte gegen eine automatische Umleitung an einen Shop sind teils beträchtlich“, weiß Bertram. Gleichwohl sei es möglich, dass ein Empfänger, der nicht zuhause war, seine Sendung an einen Paket-Shop umleitet. Ein entsprechender Auftrag an den Kundenservice sei kostenfrei. Die Sendung werde dann „bis zu zehn Werktage lang verwahrt“. Auch eine Paket-Shop-Direktzustellung sei in vielen Shops – etwa bei Amazon und Otto – bereits im Bestellprozess auswählbar und kostenfrei. Abholfrist: zwei Wochen. In Elchingen gibt es laut Hermes-Homepage keinen Paket-Shop mehr. Die nächsten befinden sich in Ulm-Böfingen und Nersingen (siehe Infokasten).

Die zuständigen Gebietsmanager für Elchingen seien jedenfalls informiert und prüfen den Fall, sagt Bertram. Norbert Beer indes wünscht sich trotz des Unmuts, dass der Zusteller seinen Job behält. Seien die Fahrer doch nicht selten schlecht bezahlt und müssten unter großem Zeitdruck arbeiten. „Ein Schuss vor den Bug“ sei aber angebracht, meint Beer, der sich seinen Humor nicht nehmen lässt. Vielleicht, so scherzt er, sollte er einfach ein Schild auf den Mülleimer kleben: „Bitte keine Pakete ablegen“.

Verbreitung Aktuell gibt es in Deutschland nach Angaben von Pressesprecher Ingo Bertram mehr als 14.000 Hermes-Paket-Shops. „In ländlichen Regionen ist der nächste Shop durchschnittlich zwei Kilometer entfernt.“ Das Management lege „auf Basis aktueller und historischer Sendungsverläufe“ fest, wo wie viele Shops nötig seien. In Regionen oder Städten mit vielen Paketen existierten daher mehr. In „mengenschwachen Gebieten“ seien es weniger, weil sich der Betrieb für Laden-Inhaber, die selbständige Einzelhändler sind, oftmals nicht lohnen würde.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

19.06.2017 19:19 Uhr

Nur eine Frage improvisierter Logistik

Wie wär's wenn der angesagte "Götterbote" des Logistikunternehmens Hermes die Pakete ganz einfach in der Oberelchinger Klosterbräustube, dem Landgasthof "Zahn" in Unterelchingen oder gleich beim "Wuchenauer" bzw. beim Bäcker "Krauß" in der dortigen "Milchgass" abgegeben hätte.

Antworten Kommentar melden

13.06.2017 22:32 Uhr

Einfach Paket an den Arbeitsplatz liefern lassen

All die fleißigen Beschwerer unserer Leistungsträgergesellschaft sollten sich einfach ihre Pakete an den Arbeitsplatz liefern lassen. Da sind sie schließlich zu den üblichen Geschäftszeiten auch Zuhause.

"AH! Das geht nicht?", was für eine Misere. Der kultivierte und zivilisierte Mensch findet dafür sofort eine nachhaltige Lösung.

Erst macht er "Paket zustellen" zu einer moralischen Frage, dann zu einem Politikum, damit neue, schöne Gesetze geschrieben werden können. "Ja, zu was denn?" - Soll der liebenswürdige, mindestbezahlte Hermesbote so lange vor der Haustüre der Bürgerlichen "platz" machen, bis jemand bei seiner Schlafadresse anzutreffen ist?

Bleibt nur noch zu hoffen, dass ein innovativer und begnadeter Startup die Haussklaven-APP auf den Markt bringt, welche Pakete ganz autonom und souverän im digitalen OFF annimmt und erst materialisiert, wenn der Empfänger biologisch anwesend ist.

Ich würde diese APP Jeannie nennen. Hintergrund für die Jüngeren: TV-Serie aus den 1960er

Antworten Kommentar melden

13.06.2017 13:26 Uhr

Antwort auf „Wer sich Pakete schicken lässt ”

Ich denke mal jeder von uns kann von solchen Abenteuern mit Zustellern berichten. Die Frage ist doch ob wir uns auf südosteuropäische Standards herunterziehen lassen wollen oder nicht? Wenn in Rumänien der zugestellte Fernseher einen 30 cm Kratzer hat dann ist das okay weil er funktioniert ja schließlich noch.

Der Gesetzgeber der sonst alles reguliert sollte hier eingreifen. Grosskunden zahlen z.B. für Pakete bei DPD nicht einmal 2 EUR. Gewinn macht man über die Masse und das läuft aktuell in die völlig falsche Richtung.

Antworten Kommentar melden

13.06.2017 13:26 Uhr

Hermes

Bei Hermes hab ich schon alles Erlebt, von "in blauer Mülltone" bis hin zu "liegt auf der Terasse" bei den Zettelchen im Briefkasten.

(Das mit der Mülltone kam häufiger vor, einmal sogar ein Tag vor Abholung der blauen Tonne, Gott sei Dank hatte ich an dem Tag noch in den Briefkasten geschaut und den Zettel rechzeitig entdeckt)

Ich bestell mittlerweile nur noch wenn es nicht über Hermes verschickt wird.

PS: Mich wundert es an sich nicht, da Hermes meines Wissens nach absolute Minimum-Gehälter zahlt...

Antworten Kommentar melden

13.06.2017 11:17 Uhr

Wer sich Pakete schicken lässt

kann täglich neue Abenteuer erleben. Ich sehe ja ein, dass diese Boten am unteren Ende der Gehaltsliste stehen dafür aber enormem Druck ausgesetzt sind und die meisten machen sich auch echt Mühe mit der Zustellung, doch gibt es halt immer welche die sich den Job so bequem wie möglich machen. Paket vor die Tür schmeissen ohne zu klingeln, Paket im Garten abgelegt. Paket in Schirmständer vor Haustür versteckt oder Paket beim Nachbarn vom Nachbarn abgeliefert, weil der zwar andere Hausnummer wohnt aber zufällig den gleichen Nachnamen hat und im Urlaub war. Da hilft dann manchmal auch die Sendungsverfolgung nicht weiter, wenn ein ganz falscher Empfänger angegeben ist. Ich hatte schon extra ein Schild an der Haustür: Pakete nicht beim Nahbarn abgeben!. Für DHL habe ich eine Abstellerlaubnis hinter der Garage, das klappt in der Regel recht gut, mit Ausnahmen es kommt ein Aushilfsbote, dann kann ich mein Paket wieder in der Filiale abholen. Man erlebt halt jeden Tag was neues.

Antworten Kommentar melden

13.06.2017 08:54 Uhr

Wenn ich schon was bestelle....

sollte man schon auch Zuhause sein, dafür gibts ja auch die Sendungsverfolgung. Ich denke der Kerative Mensch meinte es nur gut, doch der Undank ist dessen Lohn. Man sollte auch mal darüber nachdenken was die Leute leisten, denn diese sind an der Nahrungskette des Versandes ganz unten, und dafür sind diese auch noch wirklich nett, noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.

Antworten Kommentar melden

13.06.2017 08:48 Uhr

Bei mir genau das gleiche - Hermes, nein danke!

Hallo. Hermes hat auch bei mir schon ein Paket in die "MULLETONNE" (laut Zettel) abgelegt - Standort Ulm Böfingen. Leider war schon jemand schneller und als ich nach Hause kam, war in der Mülltonne nur noch Müll. Komisch? Vielleicht auch richtig so weil das kein Briefkasten ist?! Gott sei dank war es mit Amazon bestellt und das Geld war im Handumdrehen wieder da. In Zukunft bestelle ich nur noch an die Packstation, DHL als kleineres Übel schmeißt meine Pakete wenigstens nicht weg. Und die bestellten Lebensmittel oder Dessous liegen nicht in der Sommerhitze und nehmen den Geruch von Abfall an :).
Übrigens wurde mir an der Hermes Hotline gesagt: "Manche Kunden wünschen das so!"... Alles klar!

Antworten Kommentar melden

13.06.2017 07:14 Uhr

das geht auch mit Unterschriftsfälschung

Es werden schon auch mal Unterschriften für die laut Sendungsverfolgung "eigenhändig übergebene" Sendung gefälscht und einfach vor der Haustür abgelegt, in unserer Gegend bevorzugt von DPD.
Mit Hermes und DHL gab's zumindest hier noch keinerlei Probleme.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Endspurt mit Angela Merkel auf dem Ulmer Münsterplatz

Zwischen 3000 und 4000 Menschen sind am Freitagnachmittag zur Kanzlerin auf den Münsterplatz gekommen. Darunter auch gut 200 Protestierer mit AfD-Plakaten. weiter lesen