Einsturzgefahr ist gebannt

Die Renovierung brachte es an den Tag: Die Schäden an St. Michael waren größer als erwartet, weshalb sich die Arbeiten verzögerten. Der Architekt verspricht: "Am Weißen Sonntag ziehen wir in die Kirche ein."

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Noch sind die Arbeiten in St. Michael in vollem Gange. Bis zum Weißen Sonntag sollen dort aber wieder Gottesdienste stattfinden. Foto: Barbara Hinzpeter

Zwei Wochen später als ursprünglich vorgesehen können die Unterelchinger Katholiken wieder Gottesdienst in St. Michael feiern. Das Kirchenschiff und das Dach darüber sind renoviert. Das Holz war teilweise verfault, durch marode oder fehlende Eckverbindungen bogen sich die Balken. Dadurch entstehen Risse in der Stuck-decke. An 88 Stellen waren Reparaturen notwendig, 70 Meter Mauerlatte wurden bis jetzt ergänzt oder erneuert, erläutert Architekt Wolfgang Heisler.

Auch der Chorbogen ist wieder stabil. Er bot die größte Überraschung. Als die Zimmerleute um Weihnachten herum die Deckenbalken in der Nähe des Bogens reparierten, stießen sie auf bis zu drei Zentimeter breite Risse am Auflager. "Die Handwerker haben mich gleich alarmiert", erzählt Heisler. Allen war sofort klar: "Hier haben wir ein Prob-lem." Genau genommen ein statisches Problem. Der Scheitel hatte sich gesenkt. Das war wohl schon früher erkannt worden, weshalb Mauersteine über dem Bogen entfernt wurden. Offenbar glaubte man, dass so der Druck vermindert werden könnte. Das aber erhöhte die Gefahr sogar noch: Der aus Backsteinen gemauerte Bogen war wegen der fehlenden Steine in der Mitte nur noch 36 Zentimeter hoch und dadurch zusätzlich geschwächt. "Bei einer sehr starken Erschütterung wäre er womöglich in den Kirchenraum gestürzt", so Heisler. Umgehend organisierte er ein zusätzliches Gerüst und stützte die gefährdete Stelle von unten ab.

Der Architekt kam der Schadensursache auf die Spur: Da der Bogen sehr flach ist, wirken starke Schubkräfte auf die Außenmauern. Die hatten bereits nachgegeben. "Eigentlich war der Chorbogen von Anfang an statisch falsch berechnet und falsch konstruiert", sagt Pater Ulrich Keller. Bevor der Bogen mit Gewindestangen aus Edelstahl gesichert werden konnte, nahmen die Handwerker den Stuck ab, der sonst beim Bohren und beim Einpressen der Stangen unkontrolliert abgeplatzt wäre. Jetzt lassen sich die einzelnen Puzzleteile wieder schön zusammenfügen und ergänzen. Momentan werden Figuren und Bilder in der Kirche gesäubert.

Eigentlich wollte die Gemeinde schon den Palmsonntag wieder in der Kirche feiern. Doch die böse Überraschung am Chorbogen und vor allem die Februarkälte haben die Pläne durchkreuzt. Die Mauern kühlten bei den anhaltenden Minusgraden so stark aus, dass nicht daran gearbeitet werden konnte. Begonnen worden war die Sanierung im November. Der Verdacht, dass in den wärmeren Monaten Fledermäuse unterm Dach wohnen, erlaubt die Arbeiten am Gebälk nur zwischen September und März.

Die Renovierung, die laut Pater Ulrich rund 400 000 Euro kostet, wird zum Teil von der Kirchenstiftung bezahlt, den Löwenanteil übernimmt die Diözese. Pater und Architekt hatten keine Mühe, die Experten dort vom Handlungsbedarf zu überzeugen. So ein eindeutiges Schadensbild wie am Chorbogen habe selbst der erfahrene Bauleiter der Diözese noch nie gesehen. Die Kirche sei bis zum Weißen Sonntag so weit fertig, dass dort wieder Gottesdienste stattfinden könnten. Die Renovierung der Sakristei und Arbeiten am Turm sowie an der Außentreppe werden später beendet.

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