Durch und durch böhmisch-mährisch

Einen bunten Abend voll echter böhmisch-mährischer Blasmusik erlebten Blasmusikfans jetzt in Kirchberg. Veranstalter war der örtliche Musikverein. Er hielt sich genau an die Musiktradition.

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Für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend sorgten die Kirchberger Musiker. Foto: Kurt Högerle

Einen böhmisch-mährischen Blasmusikabend zu veranstalten ist für einen Musikverein kein abenteuerliches Neuland mehr. Das machen mittlerweile viele. Den vielleicht "böhmischsten" aller Abende im Verbreitungsgebiet der SÜDWEST PRESSE aber bot wahrscheinlich die Musikkapelle Kirchberg. Das fing bei der Musikauswahl an und zieht sich durch bis in die Speisekarte, auf der statt gemischtem Braten mit Spätzle und Kartoffelsalat oder Leberkäse-Seelen "Knuspermaso se salatem", "Palatcinka" oder Bramboracky do babicka chonava" angeboten wurden. Also Knusperfleisch auf Salat, deftiger Palatschinken und Kartoffelpuffer, wie Sie Oma gemacht hat.

"Bei der Auswahl unserer Stücke halten wir uns sehr penibel an die böhmisch-mährische Blasmusiktradition", erläuterte der Dirigent der Musikkapelle Kirchberg, Bernd Weiß, "aber ohne jetzt päpstlicher als der Papst zu sein." Auch versuche man, unbekannte Stücke zu entdecken. Doch ein böhmisch-mährischer Blasmusikabend" kommt auch nicht ohne Klassiker aus. "Wir hoffen, jedes Mal einen guten Mittelweg zu finden zwischen Originalklang und -musik und stimmungsvoller Unterhaltung", sagt der Dirigent. Keine Frage: Das ist gelungen. Eine volle Festhalle war begeistert.

Zwar spielten die Kirchberger Musiker auch heuer das wohl überall unvermeidliche "Dem Land Tirol die Treue" und der Saal tobte dazu im Takt. Auch eine Blasmusikadaption von Rainhard Fendrichs Ballade "Weu"sd a Herz hast wie a Bergwerk", war zu hören, obwohl eher müde und schleppend gespielt, steigerte das Stück die Stimmung in der Halle. Der Großteil des Programms jedoch bestand aus guter und solider böhmischer Polka- und Walzertradition.

Walzer? "Wir wollten die Leute zum Tanzen animieren," sagt Paul Görmiller, der Vorsitzende des Musikvereins. "Wir fanden es spannend, dass so viele nach vorne kamen. Was uns besonders gefallen hat: Man sah manchen routinierten Tänzer, aber auch viele Paare, die erst langsam wieder ins Tanzen finden mussten - und dies mit wachsender Begeisterung auch taten", resumierte der Vorsitzende schon einen Teil des Abends und fügte hinzu: "Wenn wir unseren Gästen Freude an der Musik vermitteln können, ist das der Lohn für die intensive Probearbeit." Joachim Willburger führte angeregt und sicher durch das umfangreiche Programm und holte damit sehr viele Pärchen auf die Tanzfläche. Gemeinsam mit Hilmar Küchle übernahm er zudem stimmsicher die Gesangparts.

In Kirchberg hat es sich etabliert, dass immer wieder bekannte Solisten für das Frühjahrskonzert verpflichtet werden. Dieses Mal griff man bewusst auf eigenen Talente und Könner zurück. Und das waren nicht wenige. So brillierten zum Beispiel Joachim Willburger und Stephan Dürr bei "Tequila" am Tenorhorn und die Klarinettistinnen Michaela Guter und Marleen Kübler auf ihren Instrumenten unter großem Beifall beim "Klarinetten-Muckl".

Die "Posaunenpolka" ist eines von über hundert Stücken, das Peter Schad, der Vollblutmusiker, Leiter der "Oberschwäbischen Dorfmusikanten" und selbst Posaunist, für Blaskapellen in böhmisch-mährischen Stil komponiert hat. Reiner Büchele, Stefan und Josef Küchle, Michaela Bühler, Marcel und Hans Bail durften bei dieser Polka mit Ihrem Können glänzen. Beim Publikum kam es offenbar großartig an.

Ein besonderes musikalisches Schmuckstückchen waren die Saxophone, die in der Kirchberger Musikkapelle durch die Bank weit überdurchschnittlich besetzt sind. "Saxophone sieht die böhmisch-mährische Musiktradition eigentlich nicht vor, aber wir haben ja ein sehr breites Repertoire", erläuterte Dirigent Bernd Weiß. Verena Bail, Armin Briechle und Anton Abler zeigten ihr Können als Solisten in Marsch "Jubilee". Martin Büchele schloss den Reigen der Solisten mit "Rannie Rosou" auf der Trompete ab.

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